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A.E. van Vogt (1912-2000)

Am 26. Januar 2000 verstarb der Science Fiction Autor A.E. van Vogt im Alter von 87 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Bereits einige Jahre zuvor war er an Alzheimer erkrankt.

Alfred Elton van Vogt wurde als Sohn eines nach Kanada ausgewanderten niederländischen Rechtsanwalts in Winnipeg (Kanada) geboren. Weil sein Vater zu Beginn der Wirtschaftskrise seinen guten Posten bei einer Reederei verlor, mußte van Vogt die Schule frühzeitig verlassen und als Hilfsarbeiter sein Geld verdienen. 1926 entdeckte er das neue Magazin »Amazing Stories« und neben seinen Jobs begann er zu schreiben – jedoch keine SF, sondern Artikel, Liebesgeschichten und Radiobeiträge. Erst 1939 schickte er dem damaligen Herausgeber von »Astounding« die Kurzgeschichte »Vault of the beast« (1940, dt. »Der Turm der Bestie«).

Die Expedition der Space Beagle

John W. Campbell lehnte die Geschichte ab, kaufte aber dafür wenig später »Black Destroyer« (1939, dt. »Der schwarze Zerstörer«). Diese Kurzgeschichte, die erstmals in der Juliausgabe von »Astounding« erschien, wurde später Bestandteil des Romans »The Voyage of the Space Beagle« (1950, dt. »Die Expedition der Space Beagle«, z.B. Heyne 06/83). Der Name »Space Beagle« für das Raumschiff entstand als Anlehnung an das Segelschiff »Beagle«, mit dem Charles Darwin seine Forschungsreisen unternahm.

Es begann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit John W. Campbell. Bis 1947 folgten ca. weitere 35 Kurzgeschichten aus seiner Feder, die später oft auch zu Romanen umgearbeitet wurden.

Da »Discord in Scarlet« (1939, dt. »Mißton in Scharlach«), daß später ebenfalls in »Die Expedition der Space Beagle« integriert wurde, offensichtlich als Grundlage für den Film ALIEN (Ridley Scott, 1979) gedient hatte, begann van Vogt in den 80er Jahren einen entsprechenden Rechtstreit und erhielt imRahmen eines Vergleichs von Fox 50.000 US-Dollar zugesprochen (s. dazu auch den Aufsatz »Das bekannte Fremde« im Heyne-Science-Fiction-Magazin 7/1983, 06/3989, S. 19).

1939 heiratete er seine erste Frau Edna Mayne Hull (1905-1975) und in den 40er Jahren entstanden so auch eine Reihe von gemeinsamen Arbeiten. 1944 übersiedelten beide nach Los Angeles in die USA. Aufgrund seiner Brille wurde er nicht zum Militär eingezogen, und so gelangte er mit seinen Arbeiten in den Jahren 1942/43 in eine führende Position und wurde freier Schriftsteller.

Slan von A. E. van Vogt Die Waffenhändler von Isher Die Veränderlichen von Alfred Elton van Vogt

1940 war mit »Slan« (dt. »Slan«, z.B. Heyne 06/3094) sein erster Roman in »Astounding« erschienen. Darin wird der Aufstieg eines Mutantenjungen (die Mutanten werden »Slans« genannt) namens Jommy Cross geschildert, der eine außergewöhnliche Intelligenz und Dank seiner zweier Herzen auch gesteigerte Körperkräfte besitzt. Es kann sich gegen alle Widerstände durchsetzen und erlangt chließlich selbst die Weltherrschaft.
Dieser Roman traf den damaligen Zeitgeist der SF-Leser und wurde schon bald ein Kultroman der SF-Fans, die sich selbst als “verkannte Genies” sahen (so entstand der Spruch »fans are slans«).

Bei »The Voyages of the Space Beagle« war A.E. van Vogt bereits von Oswald Spenglers “Der Untergang des Abendlandes” beeinflußt worden, und stützte sich auf dessen Theorien über eine zyklische Abfolge der Zivilisationsstufen. Mit Elliott Grosvenor erfand er auch die Wissenschaft des Nexialimus, die als Bindeglied zwischen allen anderen bekannten Wissenschaften dienen und so neue Lösungen hervorbringen sollte.

In den folgenden Jahren folgten die beiden Romane »The weapon shops of Isher« (1941/2, dt. »Die Waffenhändler von Isher«, Heyne 06/3100) und »The weapon makers« (1943, dt. »Die Waffenschmiede von Isher«, Heyne 06/3102), die viele tausend Jahre in der Zukunft spielen. Ein Gleichgewicht der Kräfte beherrscht die Situation zwischen dem Kaiserhaus Isher und den Waffenschmieden, die das Recht des Waffenbesitzes verteidigen (s. dazu auch »Libertarians«). Dazwischen steht der Unsterbliche Held Robert Hedrock, der die Waffenschmieden gegen die Kaiserin Innelda verteidigt.

Der “Null-A-Zyklus” bestand ursprünglich aus den beiden Romanen “The World of A” (1948, dt. “Die Welt der Null-A”, Heyne 06/3925) und “The Pawns of Null-A” (1956, dt. “Kosmischer Schachzug”, Heyne 06/3119), erst 1985 folgte der dritte, und bedeutungslose Roman “Null-A Three” (dt. “Der dritte Gosseyn”, in “Null-A”, Heyne 06/58). Hier wird die Geschichte von Gilbert Gosseyn (Wortspiel: “go sane”) erzählt, der durch den Non-Aristotelianismus zu einer Art Supermann wird, der als Spielball in einem gigantischen galaxisweiten Intrigenspiel erst langsam das System zu durchschauen beginnt. Dabei stirbt Gosseyn mehrmals, wird neu geklont, erlernt die Fähigkeit der Teleportation und vieles mehr…

Ende der 40er Jahre legte Alfred Elton van Vogt eine Schreibpause ein (in Folge erschienen nur noch Zusammenfassungen früherer Kurzgeschichten) und widmete sich seinen zahlreichen Interessen. Er war 1956 Mitautor eines Buches über Hypnose und wurde zu einem glühenden Anhänger von L. Ron Hubbards Dianetik-Theorie. Erst als daraus die Scientology-Church wurde, wandte sich van Vogt von Hubbard ab und begann wieder neue Romane zu schreiben. Es entstanden ca. 20 neue Romane, die jedoch nicht mehr den Anklang früherer Werke fanden. Die SF hatte sich längst vom Bild des Superhelden verabschiedet, und auch wenn van Vogt ein Meister des “Sense of Wonder” war, so hatte sich der Geschmack des SF-Publikums doch schon zu stark gewandelt. Obwohl er in den 40er Jahren zusammen mit Heinlein und Asimov zu den Großmeistern der SF gehörte, konnten sein abgehackter Erzählstil und seine mangelhafte Charakterisierung kein großes Publikum mehr begeistern.

Zu den neueren Romanen zählen »Children of Tomorrow« (1970, dt. »Kinder von Morgen«, Heyne 06/3278), »The Battle of Forever« (1971, dt. »Kampf um die Ewigkeit«, Terra Taschenbuch 190) und »Computerworld« (1983).

1980 heiratete A.E. van Vogt seine zweite Frau Lydia und 1996 wurde er mit »Grand Master Award« der SFWA (“Science Fiction and Fantasy Writers of America”) ausgezeichnet. 1996 erhielt er einen »Retro-HUGO-Award«.

Quellen: SFWA; “Lexikon der Science Fiction Literatur”, Heyne; “Die Expedition der Space Beagle”, Heyne, Vorwort und Anmerkungen von Rainer Eisfeld; “Encyclopedia of Science Fiction”, John Clute & Peter Nicholls; Heyne Verlag (Coverabbildung)


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  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Thomas Wawerka hat geschrieben:Natürlich können wir, wie Uschi schon anmerkte, weiter die Argumente hin- und herschieben: Obs am Leser liegt oder am Autor, ob das Angebot den Markt macht oder die Nachfrage, ob dies oder jenes ...Das haben wir nicht nur durch, sondern laufen auch Gefahr, es als Ausreden zu missbrauchen.Thomas Wawerka hat geschrieben:Wenn man […]
    Beverly
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Was Ihr hier beklagt ist eigentlich etwas das nie anders war. Die SF hat auch heute noch genügend Romane mit Niveau und Anpruch. Manch einer davon hat meines Erachtens nach so viel von letzterem das ich oft das große gähnen bekommen. Ich bin nicht unzufrieden und ich muss Uschi zustimmen. Das Angebot ist größer als es ein Interessierter bewältigen könnte. We […]
    Amtranik
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Thomas Wawerka hat geschrieben:Andreas Eschbach hat geschrieben:Hat die SF-Szene vielleicht ein Selbstbild-Problem? Nur mal so gefragt. (Diboo nicht, klar. )Nein, es ist schon mehr dran. SF-Leser wissen, was das Genre leisten kann - oder leisten konnte. Deshalb lesen sie ja SF und nicht Vampir- oder Engelromane. Und deshalb reagieren sie - reagieren wir - se […]
    agro
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Andreas Eschbach hat geschrieben:Hat die SF-Szene vielleicht ein Selbstbild-Problem? Nur mal so gefragt. (Diboo nicht, klar. )Nein, es ist schon mehr dran. SF-Leser wissen, was das Genre leisten kann - oder leisten konnte. Deshalb lesen sie ja SF und nicht Vampir- oder Engelromane. Und deshalb reagieren sie - reagieren wir - sensibel, differenziert und mit e […]
    Thomas Wawerka
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Andreas Eschbach hat geschrieben:Hat die SF-Szene vielleicht ein Selbstbild-Problem? Nur mal so gefragt. (Diboo nicht, klar. )Hi. Hi. Wie kannst du nur. Statistik: Verfasst von Uschi Zietsch — Heute 20:08 […]
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  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Andreas Eschbach hat geschrieben:Nein, so unrecht hat Frank nicht.Ich bestreite ja nicht, was Frank sagt - mir geht es nur um die Wiederholung der jahrzehntelangen Diskussion.Es gab noch nie so viele Medien wie heute, die Konzentration der wichtigsten Marktakteure (sowohl auf Verlagsseite als auch – und mit vielleicht noch dramatischerer Wirkung – auf Seiten […]
    Uschi Zietsch
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Ich gehe in meinem Mittagspäuschen öfters zu einem Thalia in einem Einkaufscenter. Sehr stark frequentiert von Kindern und Jugendlichen. Es ist interessant wie hoch die Diskussionen über Zwerge, Elfen, die Zwerge der Elfen, die Elfen der Gnome, die Orks der Engel und die Vampire der Zwerge hier diskutiert werden.Statistik: Verfasst von Christof — Heute 19:51 […]
    Christof
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    agro hat geschrieben:Originalität und wirklich neue Einfälle fehlen, richtig! Meistens zumindest. Die Masse der Konsumenten will leicht verständliche Kost.Dann fehlen der Masse der Konsumenten Originalität doch gerade nicht! Im Gegentum!(Ich muss da immer an eine Videorezension denken, in der ein ansonsten eigentlich ganz vernünftig aussehender ca. 17jährige […]
    Andreas Eschbach
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    Amtranik hat geschrieben:Andreas Eschbach hat geschrieben: Wieso ist die "Honor Harrington"-Serie, die nun wirklich nichts anderes ist als Captain Hornblower auf weiblich im Weltall, ein Bestseller und Iain Banks was für Spezialisten?Weil das der Normalzustand ist und war und immer sein wird.Des Königs Admiral war schon immer weit eher ein Publikum […]
    Andreas Eschbach
  • Buch • Re: Science Fiction am Ende? 8. Februar 2012
    m mir beim ersten Filmerlebnis sowas von bekannt vor. (ich üblege gerade, woher. Ich bin mir sicher, ähnliches bereits vor Jahren irgendwo gelesen zu habenhttp://www.amazon.de/denkenden-W%C3%A4l ... 3453043154Oder um Wikipedia zu zitieren:Viele Elemente der Handlung finden sich schon in Die denkenden Wälder (englisch: Midworld, 1975) von Alan Dean Foster und […]
    Christof
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