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Carl Amery (1922-2005)

Carl Amery

Carl Amery (1902-2005)
»Ich habe meine ökologische Perspektive seit 1972 nicht ändern müssen«, sagte Carl Amery,  der Vordenker der Öko-Bewegung in Deutschland, zu seinem 80. Geburtstag. So ist es auch nicht verwunderlich, daß er sich in den letzten Jahren immer wieder mit dem Thema der Ökologie auseinandersetzte. »Es ist vorauszusehen, daß die Lebenswelt, wie wir sie kennen und bewohnen, im Laufe des anhebenden Jahrtausends zusammenbrechen und unbewohnbar werden wird.«Mit seinen kritischen Essays zum Katholizismus und zum zerstörerischen Umgang mit der Schöpfung hatte Amery der gesellschaftspolitischen Diskussion in Deutschland entscheidende Anstöße gegeben. Seit mehr als drei Jahrzehnten setzte sich der gebürtige Münchner in vielen Schriften für eine zeitgemäße Umweltpolitik ein. Barocke Fabulierkunst, apokalyptische Untergangsvisionen und moderne Zivilisationskritik gehörten dabei zu den tragenden Elementen in seinen Romanen, Essays und Hörspielen.

Nun ist Carl Amery, der am 9. April 1922 als Sohn eines Hochschulprofessors für Geschichte unter dem bürgerlichen Namen Christian Anton Mayer geboren worden war, am 24. Mai 2005 gestorben. Amery wuchs in Bischofsstädten wie Passau und Freising auf. Ein Jahr nach seinem Abitur 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. 1943 geriet er in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1946 studierte er in München und an der Catholic University of America in Washington Literaturwissenschaften und arbeitete seit 1950 als freier Autor. Er gehörte 1981 zu den
ersten Unterzeichnern des Appells der Schriftsteller Europas für Abrüstung und Frieden. Amery war von 1989 bis 1991 Präsident des deutschen PEN-Zentrums. Auch dem Verband deutscher Schriftsteller stand er zeitweilig vor.

Der Untergang der Stadt Passau, (c) Heyne
Carl Amery

Das Königsprojekt, (c) Heyne

In jenen Zeiten, in denen konservative Germanisten mit Vehemenz immer wieder versuchten, die Science Fiction per se als Trivialliteratur abzutun und somit strikt von der Hochliteratur abzugrenzen, zählte er zu den Autoren, die die Unsinnigkeit dieses Vorhabens deutlich vor Augen führten. Einerseits war Carl Amery Mitglied der längst legendären »Gruppe 47« und Präsident des bundesdeutschen P.E.N.-Zentrums, andererseits verfaßte er nicht nur gesellschaftskritische Romane und Essays, sondern auch Science Fiction. Die Literaturkritikerin Elisabeth Endres nannte den gebürtigen Münchner zu Recht »den Schöpfer einer intellektuell reizvollen, witzigen Spielform der Science Fiction«.
Während jedoch andere Autoren des Genres oft das Weite suchten und zu meist im All fündig wurden, blieb Amery mit seinen literarischen Visionen gerne auf der Erde. Seine Dimension war nicht der Raum, sondern die Zeit, die z.B. in »Das Königsprojekt« (List 1974) mit Hilfe einer von Leonardo da Vinci konstruierten Zeitmaschine beherrschbar ist. Auch in seinen anderen Romanen, etwa »An den Feuern der Leyermark« (Heyne 1979) oder »Die Wallfahrer« (Süddeutscher Verlag 1986) sind Zeit und Geschichte, im Form alternativer historischer Parallelwelten, zentrale Themen. Amery zeigte Bayern, wie es keiner kennt, weil er Bayern neu erfunden hat.

Das wohl bekannteste Werk des kritischen Katholiken ist »Der Untergang der Stadt Passau« (1975). Nachdem eine Pestilenz das menschliche Leben fast komplett ausgelöscht hat, beginnen die Städte Passau und Rosenheim einen Krieg, dessen Resultat »Der Untergang der Stadt Passau« ist. Mit präziser Sprache schildert Amery das Leben in einer zukünftigen, postkatastrophalen Welt. Ursache für den Tod eines Großteils der Menschheit ist eine Seuche, der die Wissenschaft nichts entgegenstellen konnte. Angesichts von Aids, BSE und der Rückkehr der nun gegen Antibiotika resistenten Tuberkulose hat dieser Roman nichts von seiner Wirkung verloren. »Die katholische Intellektualität«, urteilt Elisabeth Endres, »macht die Lektüre zu einem Vergnügen.«

Nachdem krebserregende Stoffe ins Rinderfutter geraten sind und so in die Hamburger, schickt die Regierung dem kontaminierten Gebiet eine Atombombe und löscht einen Bundesstaat aus. Daß das Hörspiel »Finale Rettung Michigan« bereits 1982 den BSE-Skandal vorwegnahm, kann alle Zeitreisenden nicht wirklich überraschen. Leonardo da Vinci persönlich hat schließlich jene Maschine MYST konstruiert, mit der anno 1688 eine vatikanische Kongregation in Luthers Deutschland zurückeilen will, damit die Glaubensspaltung revidiert werde: So steht es im Roman »Das Königsprojekt«, und ein Erzeugnis aus dem Hause MYST war auch das Gesamtwerk dieses Realutopisten, der sein Bayern liebte und in den letzten Jahren seines Lebens klagte, daß sein »Phantasiezentrum wegen der Tabletten, die ich nehmen muß, einfach verkümmert ist«.

Quellen: u.a. Augsburger Allgemeine, Süddeutsche.de

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  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 21. Mai 2013
    Nach Perry Rhodan 2700, mal wieder ein Western...muss sein Nette, gerade Geschichte in dem vom Autoren gewohnten Stil, welchen ich immer mehr zu schätzen weiß! Statistik: Verfasst von Des_Orphan — Heute 17:17 […]
    Des_Orphan
  • Buch • Re: Ende der Gefälligkeitsrezensionen bei Amazon? 20. Mai 2013
    Ich denke da eher an mich als Konsument ... wobei ich denke, dass man diese Gefälligkeitsrezis zumindest an ihrer Kürze des "toll! super! phänomenal!" erkennen kann, denn allzu viel Inhalt dürfte es da nicht geben ...Als Verlegerin halte ich von so einem System genauso viel wie von den gekauften "Likes" für eine FB-Seite - purer Schwachfu […]
    Uschi Zietsch
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 20. Mai 2013
    Ich lese seit ein paar Tagen The Last Policeman.In ein paar Monaten wird die Welt untergehen. Die Gesellschaft bricht zusammen, Selbstmorde sind an der Tagesordnung. Bei einem der zahlreichen Selbstmorde wird Detective Palace hellhörig. Er ist davon überzeugt, es mit einem Mord zu tun zu haben, und ermittelt gegen alle Widerstände.Ich bin zu 75 Prozent durch […]
    andy
  • Buch • Re: Ende der Gefälligkeitsrezensionen bei Amazon? 20. Mai 2013
    Was bringen "mir" x (positive) Besprechungen, für die ich (genauso wie für Cover und Lektorat?) bezahlt habe, wenn das Buch danach doch nicht gekauft wird? Das betrifft jetzt aber nicht nur Rezensionskäufer, es gibt auch mehr als genug Verlagstitel, die super Besprechungen haben, aber praktisch noch nie gekauft wurden. Und nie gekauft werden. Es gi […]
    Guido Latz
  • Buch • Re: Ende der Gefälligkeitsrezensionen bei Amazon? 20. Mai 2013
    Uschi Zietsch hat geschrieben:HMP hat geschrieben:Ja, vielleicht haben die Gefälligkeitsrezensionen nun ein Ende. Denn man kann sie sich jetzt auch kaufen:http://social-sponsor.com/48_Amazon-Rez ... aufen.htmlDas erklärt einiges. Und macht in den entsprechenden Gruppen auch schon die Runde. Warum Tante Lieschen* oder Freund Otto* oder Kollege Hannibal* frage […]
    HMP
  • Buch • Re: Ende der Gefälligkeitsrezensionen bei Amazon? 20. Mai 2013
    HMP hat geschrieben:Ja, vielleicht haben die Gefälligkeitsrezensionen nun ein Ende. Denn man kann sie sich jetzt auch kaufen:http://social-sponsor.com/48_Amazon-Rez ... aufen.htmlDas erklärt einiges. Statistik: Verfasst von Uschi Zietsch — Gestern 10:49 […]
    Uschi Zietsch
  • Buch • Re: Ende der Gefälligkeitsrezensionen bei Amazon? 19. Mai 2013
    Das konnte man schon immer. Statistik: Verfasst von Ming der Grausame — 19. Mai 2013 23:35 […]
    Ming der Grausame
  • Buch • Re: Ende der Gefälligkeitsrezensionen bei Amazon? 19. Mai 2013
    Ja, vielleicht haben die Gefälligkeitsrezensionen nun ein Ende. Denn man kann sie sich jetzt auch kaufen:http://social-sponsor.com/48_Amazon-Rez ... aufen.htmlStatistik: Verfasst von HMP — 19. Mai 2013 22:53 […]
    HMP
  • Buch • Re: NEBULA 2013 - die Nominierungen 19. Mai 2013
    2312 als bester Roman?Na, ich weiß nicht. Der Anfang war ja echt klasse und ungewohnt gut, aber jetzt bin ich offensichtlichda angekommen, wo jeder Robinson unweigerlich endet. Langweilige Beschreibungen und eine geringerwerdende Handlung.Statistik: Verfasst von deval — 19. Mai 2013 18:13 […]
    deval
  • Buch • Re: NEBULA 2013 - die Nominierungen 19. Mai 2013
    Gestern Abend wurden die NEBULA-Awards verliehen. Hier die Liste der Gewinner:Bester Roman»2312« von Kim Stanley Robinson (Orbit US; Orbit UK)Beste Novelle»After the Fall, Before the Fall, During the Fall« von Nancy Kress (Tachyon)Beste Erzählung»Close Encounters« von Andy Duncan (The Pottawatomie Giant & Other Stories)Beste Kurzgeschichte»Immersion« von […]
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