// science fiction //

Artikel und News

John Brunner (1934-1995)

»Aber ich würde mich am meisten freuen, wenn die Leute sich daran erinnern würden, daß ich noch nicht tot bin, daß ich immer noch friere und hungere und daß ich immer noch meinen Bauch voll und meinen Rücken warm haben möchte.«
(aus John Brunners GoH-Speech vom HeliCon 1993, Zitat aus BONSAI #3)

 

Am 25. August 1995 verstarb der britische Autor John Kilian Houston Brunner in einem Glasgower Krankenhaus an den Folgen eines Schlaganfalls. Am Tag zuvor war er u.a. noch Gast auf der Opening Ceremony. Viele Fans sahen ihn am Abend mit seinen beiden Hunden noch durch das SECC zum Moat House gehen. Später ging das Gerücht herum, er habe nachts so gegen 2:00 Uhr auf einer Roomparty einen Schlaganfall gehabt. Und Freitagnachmittag, während noch Unterschriften auf einer »Gute Besserung!«-Karte gesammelt wurden, wurde dann die Todesnachricht auf dem Con verkündet…

Morgenwelt von John Brunner

Schafe blicken auf von John Brunner

John Brunner wurde 1934 in Preston Crowmarsh, Oxfordshire geboren und studierte moderne Sprachen am Celtenham College (u.a. Französisch und Deutsch!). Noch als Schüler verkaufte er 1951 seinen ersten Roman (“Galactic Storm”, erschien unter dem Pseudonym Gill Hunt), er diente bei der RAF und engagierte sich schon bald politisch aktiv in der britischen Ostermarsch Bewegung, 1970 nahm er am HeiCon in Heidelberg (dem einzigen deutschen SF-WorldCon) teil, 1982 war er Ehrengast beim MönchCon/EuroCon 7 in Mönchengladbach, 1990 bei den 3. SF-Tagen NRW und natürlich auch 1992 in Freudenstadt beim letzten FreuCon/EuroCon ´92. Immer blieb er den Gästen als intelligenter und engagierter, aber auch humorvoller Mensch in Erinnerung.

Brunners Gesundheit war, wie man spätestens seit seiner Ehrengastrede während des HeliCon auf Jersey wußte, schon lange angeschlagen. Dazu kam dann noch, daß viele seiner alten Romane nicht mehr neu aufgelegt wurden und seine neuen oft keinen Verleger mehr fanden.

Dabei gehört Brunner durch seine Romane “Stand on Zanzibar” (1968, dt. “Morgenwelt”), “The sheep look up” (1972, dt. “Schafe blicken auf”) und “The shockwave rider” (1975, dt. “Der Schockwellenreiter”) zu den ganz großen des Genres. Brunners Verdienst ist die Verarbeitung der schon damals sich abzeichnenden Umweltkatastrophen zu einem warnenden Zukunftszenario.

Robert Silverberg hielt die Gedächtnisrede zu Beginn der HUGO-Ceremony und er sprach von John Brunner als eine tragische Figur der SF-Szene, die durch geschäftliche Fehlentscheidungen, gesundheitliche Probleme und schriftstellerische Blackouts immer tiefer in eine Krise geraten sei. Robert Silverberg erinnerte sich auch an den HeiCon (er war dort Ehrengast), auf dem John Brunner auf Deutsch (!) Robert Silverberg vorstellte und anscheinend auch einige gute Witze über ihn machte – Silverberg konnte leider nichts davon verstehen, aber das Publikum lachte zumindest laut…

Die Fans verabschiedeten sich von John Brunner nicht durch eine der üblichen Schweigeminuten, sondern durch eine letzte, langandauernde Standing Ovation.

 

Discussion

Trackbacks/Pingbacks

  1. [...] Der Schockwellenreiter, John Brunner [...]

  2. [...] John Brunner (1934-1995) [...]

    Autorendatenbank | SF-Fan.de - 28. April 2011

Post a comment

*

Werbung

RSS SF-Forum: Buch

  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    deval hat geschrieben:Tanner Mirabel hat geschrieben:Heyne hat mal wieder einen Klassiker neu aufgelegt, den ich zurzeit lese:Ich bin zwar noch nicht weit, aber das Buch gefällt mir bisher schon mal sehr gut.Zu dem Buch gibt es übrigens noch eine Fortsetzung - Ewigkeit.Ist schon länger her das ich das Buch gelesen habe. Eine der Protagonistinnen aus Äon wird […]
    Amtranik
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    Tanner Mirabel hat geschrieben:Heyne hat mal wieder einen Klassiker neu aufgelegt, den ich zurzeit lese:Ich bin zwar noch nicht weit, aber das Buch gefällt mir bisher schon mal sehr gut.Zu dem Buch gibt es übrigens noch eine Fortsetzung - Ewigkeit.Ist schon länger her das ich das Buch gelesen habe. Eine der Protagonistinnen aus Äon wird irgendwie in die Verg […]
    deval
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    Amtranik hat geschrieben:... Nachdem ich den Roman nun gestern beendet habe, muss ich sagen er kommt mir ziemlich übel wie ein Füllroman vor. Viel passiert im Sinne einer sinnvollen Handlungsfortführung eigentlich nicht und das wiederauffinden des verschwundenen Mädchens zog sich endlos und langweilig dahin. Selbstverständlich steht im letzten Satz, genau da […]
    deval
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    Fertig mit:An dem Buch merkt man richtig wie moderne Textverarbeitung Romane verändert hat. Ich glaube nicht das Stephanson seine Textmonsten auf einer Schreibmaschine hätte schreiben können... Card kann auch nciht, und deswegen ist das Buch troz seiner Länke knapp und knackig.Angefangen mit:Der Inhalt interresiert mich, aber der Stiel ist mir zu dröge... na […]
    Knochenmann
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    Tanner Mirabel hat geschrieben:Heyne hat mal wieder einen Klassiker neu aufgelegt, den ich zurzeit lese:Ich bin zwar noch nicht weit, aber das Buch gefällt mir bisher schon mal sehr gut.Hab ich mir auch zugelegt, aber wann ich zur Lektüre komme steht noch in den Sternen.Statistik: Verfasst von Amtranik — Gestern 09:14 […]
    Amtranik
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    Bungle hat geschrieben:Amtranik hat geschrieben:Bungle hat geschrieben: Vor allem hab noch weniger als 100 Seiten bis zum Ende und weiß noch immer nicht wer oder was Caliban sein soll. Komischer Romantitel.Genauso komisch wie "Leviathan erwacht". Wobei Leviathan ein vielköpfiges Monstrum aus der Bibel ist, das man mit dem aktivierten Protomolekül g […]
    Amtranik
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 23. Mai 2013
    Heyne hat mal wieder einen Klassiker neu aufgelegt, den ich zurzeit lese:Ich bin zwar noch nicht weit, aber das Buch gefällt mir bisher schon mal sehr gut.Statistik: Verfasst von Tanner Mirabel — Gestern 08:08 […]
    Tanner Mirabel
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 22. Mai 2013
    Amtranik hat geschrieben:Bungle hat geschrieben: Vor allem hab noch weniger als 100 Seiten bis zum Ende und weiß noch immer nicht wer oder was Caliban sein soll. Komischer Romantitel.Genauso komisch wie "Leviathan erwacht". Wobei Leviathan ein vielköpfiges Monstrum aus der Bibel ist, das man mit dem aktivierten Protomolekül gleichsetzen kann. Calib […]
    Bungle
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 22. Mai 2013
    Fertig mit The Last Policeman.Die Handlung überzeugte mich bis zum Schluss nicht ganz: Vor dem Hintergrund des drohenden Weltuntergangs wirkte der Krimifall zu klein. Deutlich zu klein. Ich hoffe, die Andeutungen einer Verschwörung werden in den Folgebänden aufgegriffen. Denn: Der Stil des Autors gefällt mir sehr gut. Melancholisch, ruhig, kein Wort zu viel. […]
    andy
  • Buch • Re: Der "Liest zur Zeit" Thread 21. Mai 2013
    Bungle hat geschrieben:Calibans Krieg habe ich dazwischen geschoben. Wieder geht ein Mensch verloren, nach dem gesucht wird. Ein Artefakt von außerhalb des Sonnensystems beginnt die Venus umzugestalten und zwischen Mars und Erde gibt es wieder Krieg. Und mittendrin die Besatzung der Rosinante, die auch schon in Leviathan sich in die Ereignisse eingemischt ha […]
    Amtranik
62 queries. 0,961 seconds.