Im Winter 2005/2006 wird die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem
Heyne-Verlag und der Pabel-Moewig Verlag KG fortgeführt. Nach drei
jeweils sechsbändigen PERRY RHODAN-Minizyklen hat man sich nun zu einer
Roman-Trilogie mit dem Namen »Pan-Thau-Ra« entschlossen.
»Wir wollten keine Routine aufkommen lassen«, nannte Sascha Mamczak, der
Herausgeber der Heyne SF-Reihe, u.a. als Grund dafür, und »wir wollen
damit die Handlung auch etwas verdichten«. Es gibt aber auch eine
Änderung am Format: »Die Bände werden nun nicht mehr als Taschenbücher
erscheinen, sondern im Paperback-Format. Das heißt jeder Band wird
einen deutlich größeren Umfang aufweisen.« Jedes Paperback wird ca. 450
Seiten Umfang haben und je 12,- € kosten.
Frank Borsch, der zuständige Redakteur bei PERRY RHODAN, versprach
außerdem, daß der Name »Pan-Thau-Ra« für diese Romantrilogie »kein
Marketinggag« sei, sondern es tatsächlich um das gleichnamige
Sporenschiff der Mächtigen gehen werde. Da verwundert es dann auch
nicht mehr, daß laut Frank Borsch die Loower, ein Volk, das einst
für die Mächtigen einen Schwarm baute, eine zentrale Rolle in dieser
Trilogie spielen werden. Frank versprach: »Wir werden erfahren, was die
Loower gemacht haben, seit wir sie das letzte Mal besucht haben und wir
werden erleben, was sie heute treiben!«
Dein Roman »Die Quantenfestung«, der im März
2006 erscheinen wird, ist ja nicht Dein erste professionelle
Auseinandersetzung mit dem Thema »Perry Rhodan«. Ich denke da, an
Deinen und Torsten Dewis Drehbuch-Entwurf für Marcus Rosenmüller...
Stimmt, es ist zwar schon ein paar Jahre her, aber Torsten und ich
haben tatsächlich für Marcus ein Treatment für einen Perry-Zweiteiler
geschrieben. Aber letztlich gingen unsere Vorstellungen und die des
Regisseurs, wie ein Perry-Film aussehen sollte, wohl doch etwas
auseinander. Aber das ist nicht ungewöhnlich, zumindest hat die Arbeit
an dem Entwurf damals Spaß gemacht.
Du hast, ähnlich wie Michael Nagula, Uwe Anton, oder auch Frank
Borsch, viele Jahre lang auch als Comicübersetzer gearbeitet. Gab es
Serien oder Charaktere, die Du dabei besonders gerne übersetzt hast?
Irgendwie scheint es da tatsächlich rätselhafte Synchronizitäten zu
geben... auch du, Florian bist ja als Comicübersetzer aktiv. Ich habe
damals für Dino, Carlsen und Panini gearbeitet, ganz kurz auch für
Infinity (gibt's die überhaupt noch?). Das war eine schöne Art,
sein Geld zu verdienen, damals – zumindest bis zur großen
Superhelden-»Crisis« beim alten Dino-Verlag. In den Hochzeiten von
Panini gab es glaube ich kaum eine Serie, für die ich nicht übersetzt
habe – außer »Star Wars«, glaube ich. Natürlich gab es dabei Vorlieben
und Abneigungen – »Pinky und Brain« z.B. war wegen der vielen
Wortspiele immer ein Horror und schlecht bezahlt; »Batman« dagegen war
mein Favorit... erst mal ist die Fledermaus natürlich der beste
Superheld überhaupt – und er ist, da freut sich der faule Übersetzer,
bekanntermaßen ja auch eher wortkarg.
Apropos Übersetzer-Kollegen: Meinen allerersten Kontakt zur »Szene«
hatte ich Anfang der 90er durch eine unverlangt eingesandte
Probe-Übersetzung für »Spider-Man«, die ich damals an Condor geschickt
hatte. Die war wohl nicht ganz schlecht, und der damalige
Stammübersetzer hat sie dann netterweise übernommen, was dann später
meine Eintrittskarte in die Comic-Welt wurde. Der Name des Übersetzers:
Ein gewisser Michael Nagula...
Dein Roman »Herrscher der Zeit« erschien im Heyne-Verlag und wurde zu einem großen Erfolg. Worum geht es in dem Roman?
Der »Herrscher« ist die fiktive Entstehungsgeschichte der
»Himmelsscheibe von Nebra«. Ein junger, etwas naiver und ehrgeiziger
Zinnschürfer zieht in die rauhe Welt der Bronzezeit hinaus, um ein
Sternenpriester oder eben »Herrscher der Zeit« zu werden. Dabei wird er
in eine Art vorgeschichtlichen Reformationskrieg verwickelt, in dessen
Mittelpunkt eben diese Sternenscheibe steht. Irgendwie sind fast 600
Seiten daraus geworden, in denen ich endlich mal ein bißchen von dem,
was ich bei meinem Studium der Europäischen Ethnologie (lang ist's her)
gelernt habe. Und vielleicht gibt’s irgendwann eine Fortsetzung...
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»Der Herrscher der Zeit« von Marc Hillefeld (© Heyne)
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Hast Du als Kind/Jugendlicher eigentlich mal PERRY RHODAN gelesen?
Natürlich! Mein erster Kontakt zum Perryversum in Form der Heftserie
muß so in den frühen 80ern stattgefunden haben, etwa so mit 14 oder 15.
Noch früher habe ich diese bonbon-bunten Perry-Comics gelesen, die es
damals für ein paar Groschen auf dem Flohmarkt gab. Furchtbare
Machwerke, offenbar in italienischen Zeichenstudios unter Drogeneinfluß
entstanden, aber immerhin gab es ab und zu halbnackte Frauen zu sehen.
Damals und in dem Alter war das natürlich was...
Was die eigentliche Heftserie angeht, muß ich zugeben, daß ich ihr
zunächst wieder untreu geworden bin, um ein ergebener JOHN
SINCLAIR-Leser zu werden. Erst ein paar Jahre später habe ich dann die
Silberbände verschlungen. Perry, Bully und ich haben also immerhin
schon eine über 20-jährige, gemeinsame Geschichte...
Was fasziniert Dich Dich an der Figur PERRY RHODAN und dem
Serienkosmos? Wirkt die Größe des PERRY RHODAN-Kosmos eher abschreckend
oder erhöht das für Dich nur den Reiz, selbst etwas dazu beizutragen?
Ganz ehrlich? Die gewaltige Komplexität des Perry-Kosmos ist für einen
Autor schon ein wenig Furcht einflößend. Du kannst dir vorstellen, daß
ich mich dem Projekt mit größtem Respekt nähere. Aber natürlich ist es
auch diese immense Größe der »Continuity« (da kommt der Comicübersetzer
durch), die einen gewissen Reiz ausübt. Ich liebe Geschichten, die sich
irgendwann ihr eigenes Universum erschaffen und wie ein organisches
Wesen immer komplexer werden. Und da ist das Perryversum mit seinen
Hunderttausenden von Seiten
natürlich ungeschlagen.
Ein besonderer Reiz liegt natürlich auch darin, etwas zu einer Serie
beizutragen, die man selbst schon so lange kennt. Manchmal stelle ich
mir vor, eine kleine Zeitreise zurück in die 80er zu meinem 15-jährigen
Ich zu machen und mir selbst zu sagen: »Hey, lies diesen Silberband
aufmerksam, in 20 Jahren wirst du auch mal einen Perry-Roman schreiben.
Coole Sache, was? Ach, übrigens... diese Strähnchen im Haar sehen
außerordentlich bescheuert
aus...«
Wie kam es dann schließlich zu Deiner Beteiligung an dem neuen Heyne-PERRY RHODAN-Dreiteiler?
Da schließt sich der Kreis: für die Arbeit an dem Perry-Drehbuch haben
Torsten und ich natürlich auch Frank Borsch kennen gelernt. Auch
nachdem wir unsere Beteiligung an dem Projekt aufgegeben haben, hatte
ich noch lockeren Kontakt zu Frank – und Anfang des Jahres hat er
angefragt, ob ich nicht Interesse hätte, an einem Perry-Projekt
mitzuschreiben. Da sagt man natürlich nicht nein – der 15-jährige Marc
mit den Strähnchen im Haar hätte mir das nie verziehen...
© SF-Fan.de & Marc Hillefeld (Mai 2005)