Endlich: Die Voyager ist zuhause!

Ach, wie hoch waren doch die Erwartungen, als im September 1994 die ersten Details zur neuen Star Trek-Serie VOYAGER bekanntgegeben wurden. Nach den unerwartet öden Geschehnissen an Bord der Raumstation Deep Space Nine erhoffte man sich als Freund der »Next Generation« viel: die Voyager sollte in den bis dato unerforschten Delta-Quadranten vordringen und dort endlich völlig neue und fremdartige Rassen treffen. Und wie groß war die Enttäuschung, als sich herausstellte, daß dort in Wahrheit alte Dieseltrucks, Indianer und auch nur Rassen mit Knubbeln auf der Stirn oder der Nase hausten. Und was wurde aus der zuvor noch hochgelobten Technik der Voyager, die mit organischen Komponenten arbeitete? Tja, da wußten die Autoren der Serie wohl auch nichts mit anzufangen. Dafür wurde aber die vordere Deflektorphalanx zu einer Wunderwaffe, mit der man plötzlich fast alles richten konnte: Hyper-Duperraum-Anomalien, Zeitverwerfungen und was einem sonst noch an Technobabbel einfallen mag. Ich konnte mir die ganze Vielfalt dieses Unsinns ehrlich gesagt auch nicht merken.
Ein wenig besser wurde es, als man sich der Borg besinnte und diese einfach im Deltaquadranten ansiedelte. Für’s Auge schrieb man »7 von 9« in die Serie, die mit zwei deutlich sichtbaren Borgimplantaten für Publikum sorgen sollte. Aber sind wir mal ehrlich: besser und vor allem logischer wurde die Serie dadurch auch nicht.

Voyager Endgame Poster, (c) Paramount

Aber was soll das lästern. Auch VOYAGER bekam eisern seine 7 Staffeln zugestanden. Und das Finale »Endgame«, daß erst Ende Mai 2001 in den USA lief, erntete natürlich von den Star Trek Fans enthusiastisches Lob: »Den 2. Teil kann man nicht im Vergleich zu anderen Episoden bewerten. Es ist die beste Voyager-Episode, die ich je gesehen habe.« heißt es z.B. bei www.trekzone.de.

»Hm«, dachte ich mir, »das will ja nichts heißen«, und habe mir die Doppelfolge selbst angesehen.

Cathryn Janeway

»Endgame« beginnt mit den Feiern zum 10jährigem Jubiläum der Rückkehr der Voyager. Die Voyager traf nach einer 23 Jahre andauernden Odyssee endlich wieder auf der Erde ein. Jedoch nicht ganz ohne Verluste, wie das Treffen der Überlebenden zeigt. Admiral Janeway scheint nun endlich auch selbst begriffen zu haben, daß es zu einem guten Teil ihre eigene Dummheit war, die einer früheren Heimkehr der Voyager immer wieder im Weg stand. Und deshalb schmiedet sie im geheimen einen Plan, um die Geschehnisse zu ändern und der Voyager doch noch eine schnellere Heimkehr zu ermöglichen. Mit einem Shuttle und der Hilfe eines Klingonenwissenschaftlers reist sie in der Zeit zurück, um sich selbst einen kürzeren Weg nach Hause aufzuzeigen…

Alle Achtung, da fühlt sich also Cathryn Janeway in der Zukunft etwas einsam und verlassen und schon schmeißt sie alle Prinzipien und Grundsätze, die ihr zuvor noch heilig waren, über den Haufen und reist einfach zurück in die Vergangenheit. Da wird gar nicht erst darüber nachgedacht, was das für Folgen haben mag, sondern es geht einfach los. Eben mal schnell Unterstützung aus der Zukunft für die Voyager, und schon geht’s heim… Ach, wenn doch alles so einfach wäre!

 

Und es ist eigentlich fast unglaublich welche Frechheit die Autoren und Macher der Serie besitzen, den Zuschauern eine solche Lösung anzubieten. Da schreibt man sich zuvor fröhlich um Kopf und Kragen und als dann wirklich gar nichts mehr geht, zieht man einfach das Kaninchen aus dem Zylindern, äh… Cathryn Janeway aus dem Tachyonenstrudel, und schon wird alles gut. Logisch ist das sowieso nicht (die alte Zeitlinie wurde ausgelöscht, also kann später eigentlich gar keine Admiralin Janeway zurückreisen…), und richtig spannend auch nicht. Allenfalls die Nebenhandlungen machen noch etwas Spaß: B’Elanna Torres bekommt endlich ihr Kind, Tom Paris wurde über die Serie hinweg zu einem verantwortungsvollen Ehemann und selbst Harry Kim scheint etwas gelernt zu haben. Farblos bleiben dagegen wieder einmal Chakotay (Robert Beltran war wohl froh, daß endlich Schluß war) und der ganze Rest.

Fazit: Als Einzelepisode, die dann wie bei Star Trek üblich danach einfach wieder in der Vergessenheit anheim fällt, wäre »Endgame« ja vielleicht noch akzeptabel. Als Serienende ist es jedoch die Bankrott-Erklärung der Voyager-Macher. Ohne richtige Ideen sich einfach auf eine Dea ex machina zu verlassen, zeigt, daß man aus sieben Jahren Voyager nichts gelernt hat. Insofern ist es vielleicht doch ein würdiger Abschied…

Und jetzt heißt es nur noch hoffen, daß man bei »ENTERPRISE« nicht nur einen logisch denkenden Vulkanier in der Raumschiffcrew hat, sondern vielleicht auch endlich mal im Produktionsstab. Zeit wär’s.

© Florian Breitsameter (Text), Paramount (Bildmaterial)

Ein Kommentar

  1. Emdlich mal ein Kommentar der bestätigt wie schlecht und peinlich diese Staffel ist. Da schämt man sich regelrecht vorm Bildschirm. RV ist mit Abstand das Schlechteste was StarTreck je hervorgebracht hat. Da lob ich mir den Captain Picard.

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