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Die Erde ist im Jahre 20xx (konnte ich mir nun wahrlich nicht merken) ökologisch im Eimer. Mit Hilfe von Blaualgen versucht man dem Mars eine atembare Atmosphäre zu verschaffen, um 12 Milliarden Menschen umzusiedeln. Nach einigen Jahren verschwinden die Blaualgen plötzlich. Ein Team von Astronauten soll die Ursache herausfinden. Nach einigen Problem krachlandet man jedoch auf dem roten Planeten. Zur großen Überraschung ist genug atembare Luft vorhanden. Nun müssen nur noch aus diversen vorzeitlichen Fluggeräten (u.a. der Pathfinder-Sonde) die Teile für eine Rettungskapsel zusammengebaut werden. Ach ja, und dann ist da noch der gelenkige Roboter AMEE, dessen System beim Absturz beschädigt wurde, und der nun permanent im »Military-Mode« den Astronauten das Lebenslicht auspusten möchte…
Kennt ihr das? Da geht man in einen Film, weil… naja, es ist halt Science Fiction, was anderes läuft nicht, und die Füße werden kalt. So ging es mir und meinem Kumpel bei »Red Planet«. Viel erwarteten wir nicht, denn…
- Val Kilmer spielt mit
- Der Drehbuchautor war für »Hard Target« mit Van Damme verantwortlich
- Das Studio hat das Wettrennen mit »Mission 2 Mars« verloren
Andererseits: Viele Leute stehen seit »Matrix« auf Carrie Anne Moss (ich nicht), und vielleicht würde die längere Produktionsphase sich in einem besseren Endprodukt widerspiegeln, nachdem sich »Mission 2 Mars« als dröger pseudo-esoterischer Kram entpuppt hatte.
Aber es kam, wie es kommen mußte: »Red Planet« stellte sich als Rohrkrepierer raus. Und das nicht zu knapp. Selten ist mir ein Hollywood-Streifen der A-Kategorie untergekommen, der so sehr in jeder Beziehung versagt.



Terence Stamp, Tom Sizemore und Carrie Ann Moss
Schwierig ist es, sich über die Story von »Red Planet« auszulassen, denn hier ist wirklich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Die Handlung wird so holperig erzählt, daß ein Sprecher am Anfang die Personen vorstellen muß, damit wir überhaupt eine Ahnung haben, worum es geht. Szenen, die eine Entwicklung der Beziehungen unter den Figuren zeigen, werden weit hinten im Film als Rückblenden untergebracht. Damit sind sie dann völlig wertlos.
Die Handlung hat außerdem Löcher, durch die man bequem einen Sternenzerstörer schicken könnte: Die Erde ist ökologisch im Eimer, aber es ist technisch und finanziell einfacher, einen kompletten Planeten zu terraformen und 12 Milliarden Menschen dorthin umzusiedeln? Die Energie-Bilanz möchte ich mal sehen. Und wieso kann man von der Erde aus feststellen, daß die Blaualgen auf dem Mars verschwunden sind, während unsere Helden von der Umlaufbahn her nicht einmal feststellen, daß es auf dem Mars Sauerstoff zur Genüge gibt? Man braucht nicht viel von Terraforming zu verstehen, um sich klarzumachen, daß eine Umwandlung der Atmosphäre des Mars mehrere Jahrhunderte dauern würde (okay, der Fehler wurde bei »Total Recall« allerdings auch gemacht). Über die »Schlußpointe« mit den Alien-Krebsen mag ich gar nicht reden, denn die kann man nicht mal einem Dreijährigen andrehen.
Besonders amüsant/ärgerlich (je nach Stimmung) sind die technischen Dummdreistigkeiten, die uns Chuck Pfarrer auftischt: Da vergleichen die Astronauten in ca. 60 Jahren immer noch die Hits ihrer Webseiten (als ob es so etwas dann noch geben würde), und die Antriebe, Modems, und Energiezellen von verschiedenen Raumschiffen aus verschiedenen Epochen und verschiedenen Ländern können problemlos verstöpselt werden. Sicher, solange die Software nicht von Microsoft stammt…
All’ diese Probleme wären allerdings zweitrangig, wenn »Red Planet« wenigstens Spannung aufzubieten hätte. Aber Pustekuchen: Außer der Bedrohung durch AMEE suhlt sich der Film in seiner Belanglosigkeit. Worauf läuft der ganze Kram denn hinaus? Ein paar Typen werden in der Wüste von einem Monster gejagt. Nichts sonst. Im Kern ist »Red Planet« ein ganz banaler C-Film, dessen Handlung nicht einmal für eine »Outer Limits«-Episode ausgereicht hätte.
Man sieht dem Streifen an, daß nach Ende der Dreharbeiten von allen Seiten daran herumgedoktort wurde: Die Erzählerstimme am Anfang, die später eingeschobenen Rückblenden, das hastige Ende – ich bin ziemlich sicher, daß einiges davon nicht geplant war. Das mag zwar eine Erklärung sein, eine Entschuldigung ist es jedoch nicht. »Supernova« hatte mit noch mehr Produktionsproblemen zu kämpfen, und im Vergleich zu »Red Planet« ist er Gold wert.
Regie: Antony Hoffman
Drehbuch: Chuck Pfarrer
Schauspieler: Val Kilmer, Carrie-Anne Moss, Benjamin Bratt, Tom Sizemore, Simon Baker, Terence Stamp, Jessica Norton, Caroline Bossi, Bob Neill, u.a.
© Torsten Dewi (Text), Warner Bros. (Bildmaterial)
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