Dabei halte ich immer noch aus vielen
Gründen den allerersten Film, »Star Trek: The Motion Picture« für den
besten Star Trek-Film. Nicht deswegen, weil er angeblich so spannend
(muß Scotty tatsächlich erst einmal minutenlang mit seinem
Transfershuttle um die Enterprise rumfliegen?) oder unterhaltsam ist,
sondern weil er versuchte nicht nur die Trekkies in aller Welt
anzusprechen, sondern den Anspruch hatte, ein richtig guter SF-Film zu
sein. Denn auch wenn das Experiment zumindest teilweise scheiterte, so
hatte dieser Kinofilm wenigstens den Ehrgeiz die bekannten Charaktere
aus der damals bereits lange zurückliegenden Originalserie weiter
auszubauen und außerdem dem ganzen Universum auch einen neuen Look zu
verpassen, der sich von den billigen Pappmache-Kulissen der Sechziger
abheben sollte. Wie revolutionär dieser Film wirklich war, zeigt sich
nicht zuletzt daran, wie viele Änderungen später tatsächlich in das
Star Trek-Universum aufgenommen wurden.
Unter Fans gibt es ja die bekannte Regel,
daß nur geradzahlige Star Trek-Filme etwas taugen, aber mit »Star Trek:
Nemesis« wurde diese Regel eindrucksvoll widerlegt – denn dieser Film
erfüllt nicht nur nicht die Erwartungen, die man mit einem solch runden
Jubiläum verbinden würde, sondern er gehört mit zum Schlechtesten, was
man bisher unter dem Namen »Star Trek« im Kino zu sehen bekam.
Der Inhalt
Captain Jean-Luc
Picard (Patrick Stewart) und die anderen ehemaligen Mitglieder der
Besatzung der Enterprise sind zusammengekommen, um die Hochzeit von
Officer William T. Riker (Jonathan Frakes) und Counsellor Deanna Troi
(Marina Sirtis) zu feiern und gemeinsam nach Betazed zu reisen.
Nebenbei wird es Rikers letzte Fahrt mit der Enterprise sein, da er
endlich danach endlich sein eigenes Kommando als Captain der U.S.S.
Titan übernehmen wird.
Doch auf dem Weg dorthin entdeckt
Chefingenieur Geordi La Forge (LeVar Burton) eine
Positronenstrahlenquelle auf dem Planeten Kolarus III und bei einer
nähere Untersuchung findet man die zerlegten Einzelteile eines
Androiden, der ein Prototyp von Lieutenant Commander Data (Brent
Spiner) zu sein scheint und genauso wie dieser aussieht.
Und dann kommt auch noch eine Nachricht
von Admiral Janeway (Kate Mulgrew) - da es bei den Romulanern einen
politischen Umsturz gab, will der neue Praetor ein mit Picard über ein
neues Friedensabkommen mit der Föderation verhandeln. Doch auf Romulus
angekommen erwartet Picard eine Überraschung – der Praetor Shinzon ist
kein Romulaner und auch kein Remaner, sondern ein jüngerer Klon von ihm
selbst!
Die Kritik
Man kann »Star Trek
Nemesis« nicht vorwerfen, daß man nicht zumindest versucht hätte einen
richtig guten Film zu machen. Der Kern der Idee, die Drehbuchschreiber
John Logan hatte, wirkt auf den ersten Blick durchaus interessant:
nachdem man sich viele, viele Jahre mit den Klingonen, den Borg und
anderen Gegnern herumgekloppt hatte, wäre es doch mal etwas neues, wenn
man sich einem etwas vernachlässigten Volk widmen würde, daß wir
bereits aus der Originalserie kennen: den Romulanern. Doch was macht
man aus dieser Idee? Nichts. Statt Romulanern tischt man uns nun
plötzlich Remaner auf (die – wenn ich mich recht erinnere – zuvor noch
nie als eigenes Volk erwähnt wurden) und einen Klon von Picard.
Doch fangen wir lieber mal ganz vorne an:
Riker und Deana Troi haben also endlich geheiratet. Prima, und zur
Feier des Tages macht man dann halt mal mit dem Flagschiff der
Föderationsflotte, nämlich der ENTERPRISE, eine kleine Privatreise nach
Betazed um dort weiterzufeiern. Tja, Picard scheint keine Angst vor dem
Rechnungshof der Föderation zu haben, denn sonst würde er diese
unsinnige Verschwendung von Steuermitteln unterlassen und Riker und die
anderen die Reise in einem Charterraumschiff selbst zahlen lassen...
Aber was soll's, da sind nun also alle
glücklich unterwegs und dann mißt Geordi während des Flugs plötzlich
eine unbekannte Positronenstrahlungsquelle auf einem Planeten an. Wow!
Wer es nicht weiß: Positronen sind Antimaterie und reagieren mit
gewöhnlichen Elektronen unter Zerstrahlung... Wenn wir also jetzt nun
ein paar Androidenteile haben, die auf einem Planeten rumliegen, dann
würde schwache Positronenstrahlung nur ein paar Zentimeter weit reichen
- und starke Positronenstrahlung zu ziemlich heftiger Gammastrahlung
und eindrucksvollen Leuchterscheinungen führen. Gut also, daß im
hochtechnisiertem Star Trek-Universum völlig andere physikalische
Regeln gelten, als in unserer primitiven Welt.
Weiter – da findet man also wieder einen
Doppelgänger von Data. Ja, ich schrieb »wieder einen«, denn wer TNG
kennt, wird sich sicher an Data bösen Bruder Lore erinnern. Ja, die
Fans erinnern sich sicher alle an ihn – nur leider kein einziger Mensch
oder Android an Bord der ENTERPRISE! Da rätselt man lieber herum, wie
es das geben kann, daß Data einen scheinbaren Doppelgänger hat! Und
bevor man sich noch sicher ist, ob der Prototyp mit dem hübschen Namen
B-4 (sprich: »Before«, als »Zuvor«) überhaupt technisch in Ordnung ist
und man ihm trauen kann, lädt Data gleich mal seine ganzen Erinnerungen
in dessen Speicher. Selbst Geordi fragt sich hier zurecht, was das denn
bitte soll...
Und dann erreichen wir Romulus und treffen
auf Picards titelgebende Nemesis – Shinzon. Dieser Klon wuchs bei den
Remanern auf, die auf der dunklen Seite des Planeten Remus hausen und
dort als Sklaven in den Minen arbeiten müssen. Dieses im wahrsten Sinne
des Wortes lichtscheue Pack hat still und heimlich eine neue,
gefährliche Strahlung entdeckt und gebändigt und dazu auch noch ein
sehr gefährliches und hochtechnisiertes Raumschiff, mit dem Shinzon
schon bald die ENTERPRISE bedroht.
Leider laufen jetzt das Drehbuch und die
Logik bald völlig Amok, denn im Verlauf der übrigen Handlung kriegen
wir jetzt plötzlich einen Transporter in Grüße eines Daumennagels
präsentiert, Mitverschwörer die plötzlich und ohne Erklärung ihre
Seiten wechseln, eine Flucht mit einem Shuttle INS Raumschiff, statt
AUS dem nächstgelegenen Außenschott und noch vieles unsinnige mehr.
Da kann man auch nur noch den Kopf
schütteln, als Captn. Picard plötzlich mal unmotiviert die
Selbstzerstörung der ENTERPRISE befiehlt (ohne an die Rettung seiner
Besatzung zu denken) – vermutlich wollte er seinen Feind ebenso
verwirren wie die Zuschauer, denn Sinn würde ein solches Vorgehen nicht
machen.
Man könnte jetzt ewig so weitermachen, und
sich fragen, warum die Tarnvorrichtung nur bei den Bösen funktioniert,
aber nicht bei den Guten, warum ein Raumschiffkapitän unfähig ist zu
erkennen, daß er einem Rammversuch eines anderen Raumschiffs am besten
nach OBEN entkommt und so weiter...
Wie gesagt, dieser Film enthält so viele
Logikfehler, daß man sich kaum alle merken kann. Aber wenn wenigstens
die so zusammengemurkste Handlung Pfiff und Spannung hätte, dann wäre
ja noch alles einigermaßen okay. Aber Pustekuchen – der Gegner ist von
Anfang nur eine Bedrohung auf Zeit und damit als Gefahr bereits
entwertet, bevor er richtig loslegen kann. Und während man sich also
trotzdem um die Sicherheit der Erde kloppt, ist man auf beiden Seiten
unfähig seine Vorteile konsequent auszuspielen. Als z.B. Remaner auf
die ENTERPRISE kommen, schießt man lieber sinnlos mit Phasern 'rum,
anstatt dem Computer einfach mal zu befehlen die Helligkeit an Bord von »Schummrig dunkel« mal auf »Richtig hell« zu ändern und damit die
lichtempfindlichen Remaner so auszuschalten!
Es verwundert auch nicht, daß viele
bekannte Crewmitglieder der ENTERPRISE nur minimale Rollen haben
(gerade Geordi LaForge und Beverley dürfen fast nur rumstehen), da sich
ja diesmal alles um Jean-Luc Picard und in gewissem Sinne auch um Data
drehen soll. Diese Rechnung geht aber leider nicht auf, denn Picard
markiert zwar wieder einmal nach »First Contact« den starken Mann, aber
letztlich bleibt unverständlich, warum gerade ein Klon von Picard eine
so gigantisch große Gefahr für die Föderation darstellen soll. Und man
sollte eines nie vergessen: die wahre Nemesis Picards wird nie irgend
so ein dahergelaufener Klon sein, sondern immer die Borg, die aus ihm
einst Locutus machten!
Und als schließlich alles auf den Showdown
zusteuert, scheint man sich doch noch etwas zu trauen - man läßt
tatsächlich ein bekanntes Crewmitglied der ENTERPRISE sterben! Ja, das
hätte vielleicht wirklich ein echter Höhepunkt werden können und den
Film noch retten können, wenn man nicht auch diesen Tod bereits im
Vorfeld völlig entschärft hätte.., und so verpufft auch dieser Tod fast
unbemerkt im dunklen Weltraum der Langeweile.
Das selbe Schicksal ereilt aber zuvor
bereits die eigentliche Bedrohung durch Shinzon. Wir bekommen nur immer
gesagt, wie gefährlich er und sein Raumschiff sind, und daß er die Erde
bedrohen will, aber bekommen es nicht zu sehen. Was wir zu sehen
kriegen ist ein klassischer Zweikampf zwischen dem remanischen
Raumschiff und der ENTERPRISE. Und da wir alle wissen, daß die Crew der
ENTERPRISE überleben wird, ist auch hier nicht für sonderlich viel
Spannung gesorgt.
Die Synchronisation ist diesmal auch mal
wieder zu Höchstform aufgelaufen und so sprechen die Romulaner im Film
an der einen Stelle vom "Imperium" und an der nächsten vom "Empire".
Und während man in TNG immer noch von »Bird of Prey«-Raumschiffe
sprach, nennt man sie jetzt plötzlich »Raubvogel«. Na, dann macht es
auch nichts mehr aus, daß man in der vermeintlichen deutschen Synchro
auch mal einen »Henchman« auf die Brücke holt. Da scheint man im Studio
sich zu Recht gedacht haben: Ist doch eh schon alles egal!
Nach soviel Schelte, will ich hier aber
auch noch ein paar positive Dinge über den neuen Film sagen. Ich habe
mich ihn »Nemesis« nie so gelangweilt, wie in »Der Aufstand«, was aber
wohl auch vor allem daran lag, daß die Masken und die CGI-Effekte doch
einigermaßen sehenswert (wenn auch nicht beeindruckend) waren und es
Spaß machte die Logikfehler mitzuverfolgen. Und die Schauspieler geben
alle ihr Bestes und man spürt an mancher Stelle noch etwas von dem
Feuer, daß TNG einst zu so einer erfolgreichen Serie machte.
Und schön geworden ist auch die
Kameraführung in so manchen Szenen. Da verschwindet Data im Vordergrund
sanft in der Unschärfe und Picard, der hinter ihm steht, wird in den
Focus der Kamera geholt als er zu sprechen beginnt – eine wunderbare
Arbeit an der Kamera, die für diesen Film, der technisch gut gemacht
ist, aber einfach inhaltlich rundum versagt, leider verschwendet ist.
Ach ja, und Jonathan Frakes hat abgenommen!
Zuletzt noch ein Hinweis auf einen
amüsanten Gastauftritt: Dina Meyer sehen wir als Commander Donatra
einen romulanischen »Bird of Prey« befehligen – und Dina Meyer spielte
auch Batgirl in der kurzlebigen Fernsehserie »Birds of Prey«.
Fazit
Wie verlockend und
vielversprechend klangen die Versprechungen und Ankündigungen von John
Logan und Rick Berman. Der zehnte Star Trek-Film sollte ein Fest für
alle Fans werden und sich dem Jubiläum würdig erweisen, doch statt
dessen wurde er an den Kinokassen zu Recht ein gewaltiger finanzieller
Flop. Sehr wahrscheinlich war dies jetzt sogar der letzte Film der
TNG-Crew an Bord eines Raumschiffs ENTERPRISE, und wahrscheinlich auch
der letzte Star Trek-Filme für die nächsten paar Jahre. Vielleicht
hätte man bei Paramount doch jemanden fragen sollen, der sich mit so
was auskennt... Denn ST: Nemesis bietet zwar anständige Schauspieler,
nette Spezialeffekte und schöne Aufnahmen, scheitert aber letztlich am
eigenen Anspruch und der langweiligen und unlogischen Handlung. Und
spätestens nach »Voyager« hätte man eigentlich bei Paramopunt begreifen
sollen, daß man den Fans nicht jeden Unsinn auftischen kann.
© Florian Breitsameter (Text), UIP (Bild)