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HarperPrism, TB
ISBN 0-06-105442-9
Originalausgabe
Titelbild von Tim White (Illustration) & Phil Heffernan (Hintergrund)
New York, Januar 1998, $6.99, 560 Seiten
"City on Fire", das 1998 für den HUGO-Award in der
Sparte "Bester Roman" nominiert war, ist die direkte Fortsetzung zu
"Metropolitan" (erschien 1995, dt. »Plasma City«). »City on Fire« ist
leider bisher nicht in einer deutschen Übersetzung erhältlich. Am
ehesten vergleichbar sind diese beiden Bücher was Ideenreichtum,
Komplexität und Umsetzung angeht, wohl noch mit Williams' Roman
"Aristoi" (Heyne 06/5346).
Die Erde in ferner Zukunft. Ein gigantischer Energieschirm spannt sich
um die Welt und verhindert jegliche Raumfahrt. Die Sonne und die Welt
außerhalb ist nicht mehr zu sehen, dafür gibt der Schirm gleichmässig
Licht ab. Den Menschen selbst ist die Außenwelt längst egal geworden,
denn die Erde selbst hält genug Probleme bereit. Die Überbevölkerung
hat zugeschlagen, und beinahe jede freie Fläche des Planeten ist mit
Bauten überzogen. Ja, sogar die Ozeane sind von schwimmenden Städten
auf Pontons überzogen. Die Welt ist zu einem gigantischen Metropolis
geworden. Unzählige Stadtstaaten haben sich herausgebildet, die
unterschiedlichsten politischen Systeme wurden verwirklicht und neue
Völkergruppen haben sich herausgebildet.
Das größte Phänomen ist allerdings das »Plasma«. Das Plasma ist eine
Art psychokinetische Energie, die sich in allen Gebäuden langsam
ansammelt, und die trainierte Menschen für die unterschiedlichsten
Dinge nutzen können: zur Ausbildung von Pseudokörpern, zur Heilung,
Teleportation, Präkognition, etc. Das Plasma ist eine Art
Lebensenergie, das nebenbei auch lebensverlängernd wirkt, und deshalb
auch sehr teuer ist. Eine spezielle Plasma-Energie-Behörde überwacht
die Bildung, die Weiterleitung und auch den Verbrauch des kostenbaren
Plasmas. Die Bildung des Plasmas kann durch bestimmte bauliche
Spezifikationen verstärkt werden, und besonders Messing findet reiche
Anwendung zur Ornamentierung, aber auch zum Schutz vor Plasmaangriffen.
Im Vorgängerband "Metropolitan" half Aiah durch den Verkauf einer
gigantischen Menge Plasma, die sie durch Zufall bei ihrer Arbeit für
die Plasma-Behörde entdeckte, dem charismatsichen Constantine bei einem
politischen Umsturz in der benachbarten Metropolis von Caraqui. Doch
Aiah muß erkennen, daß es mehr als nur ein Verkauf von Plasma war, was
sie mit Constantine verband, und so reist sie ihm nach Caraqui nach.
Dort ist man nach der Revoloution gerade dabei die Überreste der
beseitigen Diktatur zu beseitigen und politisch für Ordnung zu sorgen.
Constantine ist als Minister für ein neugeschaffenes Triumvirat tätig
und er überträgt Aiah den Posten des neu geschaffenen
Plasma-Ministeriums. Und Aiah, die bisher nur als Angestellte tätig
war, bzw. kurze Zeit als Revolutionärin für Constantine arbeitete,
schafft es tatsächlich eine komplette Behörde aufzubauen und auch eine
Mafia-ähnliche Verbrecherorganisation, die vom Plasma-Diebstahl lebt,
zu zerschlagen. Doch das neu geschaffene politische System ist noch
sehr instabil und so kommt es zum Versuch einer Konter-Revolution. Aiah
beginnt sich immer mehr zu engagieren, und bald muß sie erkennen, daß
die Zukunft für sie noch viele Überraschungen und Probleme bereit
hält...
Wie die lange Einleitung dieser Rezension und die Inhaltsbeschreibung
(die den Inhalt wirklich nur grob umreißt) zeigen, bilden die beiden
Romane "Metropolitan" und "City on Fire" eine kompakte Einheit, und sie
führen den Leser in ein komplexes und unglaublich faszinierendes
Universum voller interessanter Charaktere, politischer Intrigen und
Schwierigkeiten. Mittendrin erlebt man hier die Entwicklung Aiahs von
einer einfachen und braven Angestellten (natürlich mit einem
langweiligen Verlobten) zu einer sehr selbstständigen und
selbstbewußten Frau, die schlußendlich sogar ihren Lehrer übertrifft.
Walter Jon Williams hat hier ein hervorragendes Werk geschaffen, das
trotz seines Umfangs (560 Seiten!) nie Längen aufweist und immer wieder
überraschende Wendungen mit sich bringt. Es sind allerdings nicht die -
durchaus vorhandenen - Actionszenen, die den Roman prägen, sondern die
gelungene Darstellung der Charaktere und der Welt. Dabei geht Walter
Jon Williams ähnlich vor wie C.J. Cherryh im Atevi-Zyklus - man wird
als Leser mit den Fallstricken der Politik konfrontiert, und folgt der
Hauptperson, die sich daraus langsam zu befreien versucht (um in einer
fremden Umgebung vom Spielball zu einer dominierenden Spielfiguren zu
werden).
Da zuletzt noch genug Rätsel offen bleiben, ist nur zu hoffen, daß
Walter Jon Williams sich dazu aufraffen kann auch noch einen dritten
Band um diese Welt unter dem Schirm zu schreiben. Science Fiction
dieser Qualität weist den Weg in das neue Jahrtausend und zu neuen
Ufern...
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