Mitten zwischen Speditionsfirmen und
Baustoffgroßhändlern steht in einem Industriegebiet am Rande Münchens
eine ganz besondere Lagerhalle. Hier befindet sich der Zugang zu einer
anderen Welt. Genauer gesagt, zum Set der neuen deutschen Science
Fiction-Produktion ICE PLANET, dem zwei Kollegen und ich Mitte November
auf Einladung der Münchner Fernsehproduktionsfirma H5B5 (»Welt der
Wunder«) einen Besuch abstatten konnten.
Die Handlung des Pilotfilms ist schnell
erzählt. Nur mit viel Glück und Dank des genialen Wissenschaftlers
Rumla gelingt einer kleinen Gruppe junger Offiziere und Zivilisten die
Flucht durch Zeit und Raum vor einem Angriff bösartiger Außerirdischer
auf die Erde. Millionen Lichtjahre von zu Hause entfernt finden sie
Zuflucht auf einer geheimnisvollen Welt, dem ICE PLANET.

Hier geht's zum Eisplaneten...
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Am Eingang gelangen wir über eine Treppe
zu einem Büro, in dem uns eine nette Dame den richtigen Weg weist -
quer durch zwei weitere Räume, die mit Produktionsnotizen und Skizzen
angefüllt sind, geht es schließlich über eine Metalltreppe hinab zur
eigentlichen Halle. Auf den ersten Blick sieht es hier so aus, als ob
wir in einer Malerwerkstatt gelandet wären: wir steigen über Farbkübel
und Plastikplanen hinweg, bevor wir plötzlich direkt neben einer
großen, geöffneten Raumschiffschleuse stehen. Vom
Produktionsassistenten, der uns begleitet, erfahren wir, dass dies eine
der momentan nicht genutzten Kulissen sei, die hier für ihren nächsten
Einsatz bereitsteht. Denn Platz ist genug vorhanden.
Auf über 5000 qm Hallenfläche wurde in
Heimstetten mit Hilfe von Montageschaum, Styropor, Plexiglas und 6
Tonnen Kunstschnee eine neue Welt erschaffen. Und wenn eine Szene
abgedreht ist, wird manche Kulisse auch recycelt, wie uns am Beispiel
der großen Eishöhle gezeigt wird. Nach dem Entfernen des
angeschmolzenen Plexiglases, dass als Eisoberfläche dient, entsteht
hier die Heimat der bösen Außerirdischen.
»Wir benutzen hier drei Arten von Kunstschnee: Zellulose, Stärke und Polyethylen« erzählt der Aufnahmeleiter, als wir danach bei der Besichtigung des Sets durch eine große Schneelandschaft stapfen. »
Stärkeschnee
sieht normalerweise am besten aus, doch wegen der großen Hitze durch
die Scheinwerfer beginnt er auch leicht zu verkleben.«
Kurzes Päuschen in einem Mannschaftsquartier: Marc Hillefeld und Florian Breitsameter
Weiter hinten in der Halle finden sich die
verschlungenen Gänge des Raumschiffs Magellan. Die Wände, die
eigentlich nur aus geschäumten Fertigteilen bestehen, wirken
erstaunlich echt, und fast könnte man sich darin verlaufen. Einige
Crewmitglieder scheinen die Kulisse des Raumschiffs manchmal auch für
eine Ruhepause zu nutzen, denn unscheinbar steht in einer Ecke am Boden
eines Kadettenquartiers eine leere Flasche Bier herum.
»Wir arbeiten hier meist 10 bis 12 Stunden am Tag«, erfahren wir,
»und da kann es schon sein, dass sich hier auch mal jemand für ein kurzes Schläfchen zurückzieht«.
Die Zentrale – gesehen vom Hauptbildschirm. Links geht's zum Labor von Karteez A. Rumla, rechts ist der Besprechungsraum.
Die Zentrale des Raumschiffs beeindruckt
uns. Die Brücke sieht ähnlich prächtig aus wie ihre Gegenstücke aus »Star Trek« und »Babylon 5«.
»Die Panele und Bedienungselemente werden beim Dreh natürlich noch von innen beleuchtet«,
erklärt unser Führer. Auch so ist erkennbar, dass hier am Design nicht
gespart wurde. Leer und wartend steht der Kapitänssessel bereit, und
lädt ein, selbst einmal das Kommando zu übernehmen. Der große
Sichtschirm zeigt jedoch nicht die unendlichen Weiten des Weltalls,
sondern nur eine große, grüne Plane, die erst später im Computer durch
die passenden Weltraumszenen ersetzt wird.
Auch der Turbolift, der zu den anderen
Decks führen soll, ist natürlich nur ein Attrappe. Dafür ist aber
immerhin ein Blick in das Labor des Bord-wissenschaftlers Rumla
(gespielt von Sab Shimono) möglich. Neben futuristischen
Metallapparaturen (
»Das sind eigentlich Kunstwerke, die wir nur ausgeliehen haben.«)
stehen hier Bücher und Reagenzgläser herum und als wir genau hinsehen,
entdecken wir mittendrin sogar ein altes Bügeleisen – eine Erinnerung
an die legendäre Raumpatrouille ORION, die erste deutsche Science
Fiction-Fernsehserie. Produzent Hendrik Hey hat aber noch mehr
ironische Anspielungen versteckt – auch eine »Welt der Wunder«-CD-ROM
und ein Buch zur Serie stehen im Regal.
Hendrik Hey, der nicht nur Geschäftsführer
der Produktionsfirma H5B5 ist, sondern auch der geistige Vater des
Projekts »ICE PLANET« ist, betonte im Vorfeld immer wieder, dass es ihm
wichtig sei, hier eine deutsche SF-Serie zu machen. Dies heisst aber
nicht, dass man auf dem Eisplaneten deutsch spricht. Denn unter der
Regie des Amerikaners Winrich Kolbe (u.a. "Star Trek: TNG") wird in
Heimstetten mit einer internationalen Crew gedreht - und das natürlich
auf Englisch. Neben bekannten Schauspielern wie Wes Studi ("Mystery
Men", "Der mit dem Wolf tanzt"), Rainer Schöne ("Babylon 5", "Die
Todesgrippe von Köln"), Sab Shimono ("Waterworld") und Valeri Nikolayev
("The Saint") spielen auch Newcomer wie James O'Shea, Amber Willenborg,
Anna Brüggemann und Rae Baker.
Statisten zeigen die Modekreationen des Eisplaneten.
Bei unserem Besuch wird eine Massenszene
auf der grossen Kunstschneefläche vor den Hangartoren der Magellan
gedreht. Die langen Pausen zwischen den eigentlichen Shots nutzt dabei
jeder Schauspieler anders. Raumkadetten in ockerfarbenen Uniformen mit
Schlaghosen stehen herum und machen eine Zigarettenpause, und der eine
oder andere wird nachgeschminkt. Mitten im Gewühl sitzt auch Anna
Brüggemann, die als Eleni ein Mädchen mit ganz besonderen Fähigkeiten
spielt. Sie nutzt die Zeit, um ihre Hausaufgaben zu machen. Viele
männliche Komparsen erlauben sich immer wieder einen Blick auf die
attraktiven Hauptdarstellerinnen Amber Willenborg und die statueske Rae
Baker.
Vorne läuft
James O'Shea durchs Bild, der den jungen Raumkadetten Jacques Caano
spielt. Weiter hinten kann man auch noch Rae Baker erkennen.
Dann erklingt endlich die Hupe und das magische »
Action!«
von Winrich Kolbe klingt durch den Raum. Langsam stapfen jetzt
futuristisch gekleidete Gestalten in einer gigantischen Eislandschaft
durch den knöchelhohen Schnee und fallen sich in einer Begrüßungsszene
gegenseitig in die Arme. Auf jedes Detail muss hier geachtet werden,
und da die Szene natürlich mehrmals gedreht wird, müssen dazwischen mit
einer Gartenharke erst wieder die Fußspuren entfernt werden. Überall
dröhnen riesige Ventilatoren, die Kunstschnee in die Szenerie pusten,
und der auf allen Achsen drehbare Kamerakram scheint wie ein Geier auf
die Darsteller hinabzustürzen, nur um nach ein par Pirouetten wieder zu
Studiodecke zu gleiten. Zur besseren Übersicht sehen wir uns die
Aufnahme auf dem Videomonitor an, der dem Kameramann zur Einschätzung
der Szene dient. Fünfmal ist er nicht zufrieden, fünfmal heißt es
erneut »
Action!«. Dann ist endlich Pause, und die Darsteller
haben eine Stunde Zeit, sich in der Zeltkantine vor dem Studio den
Bauch vollzuschlagen. Und wir bekommen die Gelegenheit, mit einigen von
ihnen zu sprechen.

In der Drehpause: Sab Shimono |
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»Der Enthusiasmus aller Beteiligten ist ansteckend«,
sagt uns Sab Shimono. Wie alle anderen Darsteller hofft er natürlich
auch, dass »ICE PLANET« in Serie gehen wird. Noch ist nicht sicher, ob
es nach den Dreharbeiten für den Pilotfilm, der wahrscheinlich beim
deutschen Privatsender ProSieben zu sehen sein wird, tatsächlich
weitergeht. Zeigen wird sich dies erst in den nächsten Monaten, wenn
die Suche nach internationalen Vertriebspartnern erfolgreich war.
Shimono, der neben seiner Theatertätigkeit
auch schon Synchronsprecher bei den Simpsons war, lebt eigentlich in
den USA. Ein Problem wäre es für ihn allerdings nicht noch weitere
Monate für den Dreh der Serie in Deutschland zu verbringen.
»Ich habe noch lange nicht alle Museen gesehen«, erzählt er uns und schwärmt auch von seinen langen Spaziergängen in der herbstlichen bayerischen Landschaft.
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Rainer Schöne |
Wir
treffen auf Rainer Schöne, der als Senator Uvan eine Autoritätsperson
spielt. Er war schon bei diversen SF-Produktionen, oft als Alien: "
Dafür werde ich immer wieder gerne besetzt, da ich sehr gross bin und auch die entsprechende dunkle Stimme habe".
In der US-Serie "Babylon 5" war er z.B. als geistiger Führer der
Minbari zu sehen, und auch an der Sat.1 Produktion "AEON" war er
beteiligt. "
Ich versuche normalerweise gleich viel in den USA und in Deutschland zu drehen",
aber die Chance für längere Zeit in München zu arbeiten, würde er auch
begrüßen, da er dann auch wieder mit einer Band Countrymusik spielen
könnte. Denn die Karriere als Sänger ist sein zweites Standbein: 7 CD's
hat er bereits veröffentlicht.

Wes Studi – hier in seinem Raumanzug als Commander Trager |
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Ein echter Cherokee-Indianer ist Wes
Studi, der als Chefausbilder Trager für die Ausbildung und Betreuung
der Weltraumkadetten zuständig ist. Er wirkt auf den ersten Blick wie
ein knochenharter Bursche, dem man lieber nicht krumm kommen möchte,
aber hier am Eßtisch wirkt er sehr ruhig und bedächtig, und sein
Händedruck ist erstaunlich weich. Obwohl sich Wes in Deutschland auch
sehr wohl fühlt, vermisst er doch ein wenig den Schutz, denn die
amerikanische Schauspielergewerkschaft bietet. Verwunderlich ist das
allerdings nicht, denn als wir das Set um 19 Uhr verlassen, ist für die
Crew gerade erst Halbzeit und allen steht noch eine lange Nacht bevor.
Wes hat schon in vielen effektlastigen Produktionen mitgespielt, aber
im Gegensatz zu den meisten Kollegen ist er davon nicht so begeistert: "
Da
steht man stundenlang vor einer grünen Wand oder einem Modell, und
spielt gegen gar nichts an. Dann werden die Effekte reingebaut, und
wenn man es sich hinterher ansieht, fragt man sich: DAFÜR habe ich mir
so eine Mühe gegeben? Oft ist das Ergebnis enttäuschend." Nach seiner Beteiligung an "Streetfighter 2" kann man einen solchen Fatalismus durchaus verstehen.
Amber Willenborg und Rae Baker in der Mittagspause
Eine kleine Glocke ertönt: Ende der
"Mittagspause", die wie gesagt am Abend stattfindet. Die Schauspieler
müssen zurück in die Halle. Wir beschließen, es für heute gut sein zu
lassen. Freundlich verabschieden wir uns von der Crew, die sich
wirklich alle Mühe gemacht hat, uns den Aufenthalt angenehm zu
gestalten. Als wir zum Wagen gehen, bemerkt einer der Kollegen: "
Hey, es schneit!"
Tatsächlich. Wir sehen ein paar Flocken im trüben Laternenlicht auf die
brachliegenden Felder von München-Heimstetten fallen. Ice Planet.
© Florian Breitsameter (Text), Marc Hillefeld (Fotos)
Weitere Fotos vom Besuch und den Raumschiffsets finden sich hier!
Zum Inhalt des Pilotfilms
Einige
hundert Jahre in der Zukunft erholt sich die Menschheit wieder einmal
von den Folgen eines furchtbaren Krieges, als in den tropischen Wäldern
von Sumatra ein Asteroiden abstürzt, der einen äußerst mysteriösen
Eiskristall mit sich bringt. Ein bereits älterer, einst aber hoch
berühmter Wissenschaftler, entdeckt in der Molekularstruktur des
Kristalls eine kodierte Botschaft, die vor einer unheilvollen
Bedrohung. Und tatsächlich führt bald darauf eine feindselige,
außerirdische Macht einen folgenschweren Anschlag gegen die Erde.
Doch der Wissenschaftler kann mit einer
Gruppe junger Offiziere und Zivilisten durch einen Zeit-Raum-Riss,
dessen genaue Koordinaten in dem rätselhaften Kristall verborgen waren,
entkommen. Dir Reise führt weit über alle Grenzen hinweg, in die
menschliches Leben jemals vorgestoßen ist. Millionen von Lichtjahren
entfernt werden sie auf einen geheimnisvollen Planeten verschlagen, der
sich in den unerforschten Tiefen einer unbekannten Galaxis befindet –
den ICE PLANET. Dabei geraten unsere Helden jedoch in die faszinierende
und zugleich auch grausame Welt der "SKORPS" und der "EYENETI" - hoch
entwickelten, außerirdischen Wesen – deren andauernde Kämpfe sich durch
Zeit und Raum fortsetzen.
Die Flüchtlinge von der Erde stehen nun
vor der großen Herausforderung, die unzähligen Geheimnisse dieser
neuen, fremdartigen Welt zu ergründen, um ein Überleben sichern zu
können. Und überleben müssen sie – denn schon bald erkennen sie, daß
die Zukunft der Erde in ihren Händen liegt. Doch welches Schicksal
erwartet sie?
Die Antwort darauf ruht versteckt in einem ominösen »Eisbaum«, einer Quelle kosmischer Weisheit, tief im Herzen des Planeten...
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Besetzung:
Wes Studi (Commander Trager)
James O'Shea (Jaques Caano)
Valera Nikolaev (Blade)
Rainer Schöne (Senator Jeremy Uvan)
Sab Shimono (Karteez Rumla)
Rae Baker (Shinada)
Anna Brüggemann (Eleni)
Amber Willenborg (Jeleca Uvan)
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Crew:
Regie: Winrich Kolbe
Produzent: Hendrik Hey
Kamera: Michael Hofstein
Produktionsdesign: Sikander Goldau
Kostümdesign: Till Fuhrmann
Art Direction: Hucky Hornberger, Florian Lutz
Production Management: Guido Hesse
Visual Effects: John Schlag
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