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»Herr aller Dinge« – Science-Fiction-Autor Andreas Eschbach im Interview

Der Herr aller Dinge von Andreas EschbachWenn jemand die ganze Nacht aufbleibt, nur um Andreas‘ neuen Roman zu Ende zu lesen, dann hat der in der Bretagne lebende deutsche Autor Andreas Eschbach seine Mission erfüllt. Denn Andreas Eschbachs Ziel ist es, seinen Lesern spannende Unterhaltung zu bieten. Am 16. September 2011 erscheint sein neuster Roman »Herr aller Dinge«, der sich beim Lesen als waschechter Science-Fiction-Roman entpuppte…

Grund genug, Andreas Eschbach für die kommende Ausgabe des deutschen Science-Fiction-Magazins phantastisch! (www.phantastisch.net) zum Interview zu bitten. SF-Fan.de präsentiert hier einen exklusiven Auszug aus dem Interview:


Du trägst immer ein kleines Büchlein mit Dir herum, um alle möglichen Ideen, die Du für Romane nutzen könntest sofort aufschreiben zu können. Wie viele Ideen aus diesem Büchlein stecken in Deinem neuen Roman »Herr aller Dinge«? Und wie lange warteten diese schon auf ihre Verwendung?

Andreas Eschbach: Na ja, inzwischen ist es nicht mehr einfach ein Büchlein, sondern eher eine Infrastruktur aus Zetteln, Notizheften und dergleichen, die dann alle in einem Ordner enden, aber das Ziel ist immer noch dasselbe: Ideen sofort einfangen, wenn sie auftauchen, und sie für spätere Verwendung festhalten.
In »Herr aller Dinge« stecken, wie üblich, eine ganze Menge Ideen aus besagtem Ordner. Ich habe spaßeshalber gerade mal nachgeschaut: Der erste Eintrag, aus dem sich über viele Zwischenstufen und Varianten schließlich die Grundidee für »Herr aller Dinge« entwickelt hat, stammt vom 15. Juni 1996.

Wie würdest Du beschreiben, wovon »Herr aller Dinge« handelt?

AE: Er handelt natürlich von ganz vielen Dingen, aber im Wesentlichen davon, was es bedeuten würde, wenn wir die vollkommenste vorstellbare Technik zur Verfügung hätten.

Als der Roman angekündigt wurde, sagte Thomas Thiemeyer im SF-Forum von SF-Fan.de: »ENDLICH der große Nano-Roman. Was haben wir auf Andreas eingeredet, das Ding endlich zu schreiben«. Du hattest also schon länger vor, aus der Idee in Deinem Notizbuch einen Roman zu machen. Worum dann doch erst jetzt?

AE: Nein, das war ein bisschen anders. Man muss dazu wissen, dass Thomas und ich einem lockeren Kreis von Autoren angehören, der sich „Club der dicken Dichter“ nennt – weitere Mitglieder sind oder waren u.a. Rainer Wekwerth, Michael Marrak und Wulf Dorn. Dieser Club trifft sich ab und zu zum Steakessen, wobei ich seit meinem Wegzug aus Stuttgart natürlich nicht mehr so oft dabei bin. Bei diesen Treffen ging es immer wieder mal darum, ich solle doch ENDLICH mal einen Roman über Nanotechnologie schreiben, einfach deshalb, weil das ein Standardthema der Science-Fiction geworden ist. Das hat er gemeint. Um die konkrete Idee ging es nie; ein Roman muss immer schon ein Stück weit gediehen sein, ehe ich über ihn sprechen kann.

Aber es stimmt insoweit wieder, dass die Grundidee schon älter ist, und ich hatte tatsächlich schon einmal dazu angesetzt – doch dann stieß ich auf die Ankündigung, Michael Crichton schreibe an einem Roman über Nanotechnologie, und da dachte ich, nein, dann ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Das war PREY, dessen erste Hälfte ich immer noch grandios finde – und dessen zweite Hälfte eine grandiose Enttäuschung war.

In diesem Roman geht es u.a. auch um Nanotechnologie, einem Thema, das in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit in der Forschungssförderung erhalten hat. Welchen Eindruck von der Nanotechnologie hast Du dabei bei Deinen Recherchen erhalten?

AE: Dass es ein Gebiet ist, das aus 99% Visionen und 1% realen Errungenschaften besteht. Wäre die Raumfahrt so weit wie die Nanotechnologie, hätte gerade erst jemand das Schwarzpulver erfunden.
Wobei es die Visionen natürlich in sich haben. Ich glaube, das wird in meinem Roman auch deutlich. Die Nanotechnologie ist so was wie die absolute Technologie – mehr geht nicht.

Im Herbst bist Du auf Lesereise durch Deutschland. Wenn Dich dann jemand fragt, ob Du Angst vor der Nanotechnologie hast, was wirst Du antworten?

AE: Ich habe keine Angst vor Technologien. Ich habe nur Angst vor Menschen.

Andreas Eschbach im Deutsches Museum

Andreas Eschbach in der Ausstellung Nano- und Biotechnologie im Deutsches Museum

 

phantastisch! 44Das komplette Interview, in dem es u.a. auch um seinen kommenden Jugendroman Hide*Out geht, ist in der 44. Ausgabe des Magazins phantastisch! nachzulesen. Dieses erscheint Anfang Oktober 2011 und kann für 5,30 € (zzgl. Porto) direkt beim Verlag Achim Havemann bezogen werden – www.phantastisch.net

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