Interview mit H.G. Francis (2003)

H.G. FrancisIn den ersten beiden Ausgaben der „Goldedition der besten SF-Autoren“ sind die vier Abenteuer um Jack Norton zusammengefaßt. Kam der Vorschlag von Ihnen?

Na klar! Aber nicht aus Eitelkeit, sondern aus einem ganz nüchternen Grund. Bücher heraus zu bringen, kostet sehr viel Geld und ist mit einem hohen Risiko verbunden. Also habe ich erst einmal vier Folgen meines Entwicklungshelfers Jack Norton herausgebracht – weil ich dem für dieses Werk verantwortlichen Autoren kein Honorar zu zahlen brauchte.

Gehen wir auf die Entstehung der Romane zurück. Wie kamen Sie speziell auf die Figur des Entwicklungshelfers?

Die Figur eines Entwicklungshelfers bot sich aus damaliger Sicht an. In den 60ger Jahren gab es lebhafte Diskussionen um Entwicklungshilfe und Entwicklungshelfer, um Sinn und Unsinn ihrer Arbeit. Mittlerweile weiß man, daß in diesem Dienst haarsträubende Projekte erarbeitet worden sind. Im Rahmen meiner Tierbücher habe ich in aller Welt vor Ort recherchiert – so auch in Uganda. Von den dort eingesetzten Führungskräften eines von Deutschland mit jährlich 10 Millionen DM erfuhr ich, daß Uganda über die wohl modernste Eisenbahn Afrikas verfügt – was Lokomotiven und Wagen betrifft. Leider zuckelt diese Bahn mit höchstens 18 Stundenkilometern durch das Land, weil der Unterbau für die Schienen von einer anderen (sehr stolzen) Nation errichtet wurde. Dummerweise haben diese anderen die Arbeiten so schlecht ausgeführt, dass die Geleise krumm und schief sind. Der Zug würde glatt um kippen, wenn er 100, 120 oder gar 150 km/h führe, wozu er ohne weiteres in der Lage wäre. Von ähnlichen Projekten habe ich in Afrika reichlich erfahren – was etwa Wasser- oder Stromversorgung anbetrifft. Wenn so etwas kein Grund für eine Satire ist!

Es besteht ja eine gewisse Ähnlichkeit zu Keith Laumers RETIEF im Verhalten des Jack Norton Haben Sie diese Romane und Kurzgeschichten gelesen?

Never! Ich höre zum ersten Mal davon.

Waren immer nur vier Abenteuer vorgesehen oder hatten Sie es als open end Abenteuer konzipiert?

Es waren mehr Abenteuer vorgesehen – aber dann fehlte irgendwie die Zeit, die Geschichten fortzusetzen.

Wie stehen Sie persönlich zu der Art Entwicklungshilfe, die das Corps in persona von Jack Norton anbietet? Und im Vergleich dazu seinen Vorgesetzten Inspektor Vaugham?

Ich stehe der Entwicklungshilfe äußerst skeptisch gegenüber und halte sie in vielen Fällen für absolut sinnlos. Verstehen Sie aber bitte die Geschichten um Jack Norton und seine Vorgesetzten als Satire. Mehr wollen und sollen sie nicht sein. Außerdem sollen sie unterhalten.

Im Gegensatz zu manchen anderen klassischen Reihen sind die Jack Norton Romane nur als Hefte erschienen. Waren sie einmal für die UTOPIA CLASSICS oder die Neubearbeitung TERRA ASTRA im Hardcoverformat im Gespräch?

Nein.

Sind weitere Titel für die Goldedition in Planung?

Ja. Das weitere Schicksal der Reihe hängt allerdings von der Akzeptanz ab.

Welche persönlichen Ziele haben Sie sich mit dieser Edition gesteckt?

Ich möchte den interessierten Lesern demonstrieren, daß in Deutschland viel lesenswerte SF erschienen ist, als es noch viele Heftroman-Serien gab. Dafür bin ich bereit, aus meiner privaten Kasse einiges zu opfern. Alles hat jedoch seine Grenzen. Wenn die Verluste zu hoch sind, werde ich passen. Ich kämpfe zurzeit darum, einen möglichst effektiven Vertrieb zu bekommen. Aber auch das kostet viel Geld.

Was lesen Sie lieber: Aktuelle Titel oder greifen Sie auch manchmal zu den alten Schmökern aus dem Regal?

Beides.

Aus Ihrem eigenen Werk: Welche Romane sähen Sie am liebsten nachgedruckt?

Ich halte mich erst einmal zurück, um anderen Autoren die Möglichkeit zur Veröffentlichung zu geben. Meine Werke erfahren reichlich Neuauflagen.

Neben ihrer schriftstellerischen Aktivitäten ist Ihnen der Schutz der Tierwelt immer wichtiger geworden. Sie reisen ja auch durch die ganze Welt, um vom Aussterben bedrohte Tierarten zu besuchen. Welche Eindrücke nehmen Sie von diesen Reisen mit?

Sehr viele. Sehr wichtige – wie mein Hinweis auf Uganda unterstreichen mag. Vieles von dem was ich gesehen und erlebt habe, geht in meine Erzählungen ein.

Sie produzieren und schreiben ja auch viele Hörspiele. Wie sehen Sie die Rolle des Hörspiels in der heutigen Zeit (im Vergleich zu Video oder DVD)?

Das Hörspiel erlebt eine verdiente Renaissance und kann neben Video und DVD sehr gut bestehen. Das Hörspiel hat den unvergleichlichen Vorteil, daß man es mit geschlossenen Augen hören und genießen – und dabei seine Fantasie spielen lassen kann. Das hat kein anderes Medium zu bieten. Ein gut gemachtes Hörspiel mit guten Sprechern ist unübertrefflich! Leider wird heute das meiste mit der „heißen Nadel“ gemacht.

Noch einen kurzen Rückblick auf mehr als 200 Hefte PERRY RHODAN. Wie fühlt man sich als „Dinosaurier“ der Serie?

Als Dinosaurier fühle ich mich pudelwohl!

Haben Sie diesen anhaltenden Erfolg erwartet und wie sehen Sie der Zukunft der Serie und Ihrer Rolle darin?

Ich habe eigentlich nie daran gedacht, ob PERRY RHODAN nun einen lang anhaltenden Erfolg haben wird oder nicht. Ich habe immer nur versucht, mein Bestes zu geben. Und das werde ich auch in Zukunft tun. Mit Freude an der Arbeit. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, meinen „bürgerlichen“ Beruf aufzugeben und Schriftsteller zu werden.

Außer Gesundheit – Welche persönlichen Wünsche haben Sie?

Außer Gesundheit? Noch mehr Gesundheit! Und weiterhin Freude am Schreiben. Ich arbeite an einem großen Projekt. Drücken Sie mir die Daumen, daß ich es realisieren kann!

Vielen Dank für das Interview!

Interview mit H.G. Francis (2003)
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