// science fiction //

Artikel und News

Wie steht es um die Fantasy? – Teil 2

Während früher viele Verlage in den Science-Fiction-Programmen auch den einen oder anderen Fantasy-Titel unterbrachten, sieht die Situation heutzutage völlig anders aus: Jeder große Verlag hat ein eigenes Fantasyprogramm aufgebaut, um am Boom des Genres teilzuhaben. Deutsche Fantasyautoren landeten mit ihren Werken Bestseller. Zyklen werden immer und immer wieder aufgelegt. Und ein Ende des Booms ist nicht abzusehen, da sich die Trends stetig weiterentwickeln: Aus Zwergen und Trollen werden Vampire und Werwölfe. Bleibt da aber noch Platz für gute Fantasy?

Fantasy-Boom


Unsere Reihe mit den Antworten deutscher Fantasy-Experten geht heute weiter mit Adrian Maleska, dem Redakteur des Webportals fantasybuch.de:

Heute stellt sich mir glücklicherweise nicht mehr die Frage, ob ich mangels anderer Fantasybücher Tolkiens »Herr der Ringe« zum hundertsten Mal lese oder doch lieber Robert Howards »Conan« auswendig lerne.

Die Regale der Buchhandlungen quellen förmlich vor Fantasybüchern über und selbstverständlich schwimmt in dieser Publikationsmasse auch Unverdauliches mit und schleimige Brocken, die ein Fantasy-Fan lieber nicht genauer besehen möchte.
Es gibt Klone der Klone der Klone und daneben Schnulzen, die eigentlich mit Konsalik im Regal stehen sollten, anstatt die Fantasy-Regale zu unterwandern, Genremischlinge, naive, brachiale, gute, schlechte und nichts sagende Titel, Müll und Gourmetware im fröhlichen Nebeneinander. All das in einen Topf geworfen und umgerührt, wird Niemandem mit ausgeprägten Fantasy-Geschmacksknospen schmecken. Doch so wird Fantasy nicht konsumiert. Jeder wird sein eigenes Süppchen mögen und sich in der Wahl der Kost nicht bevormunden lassen. Die Fantasy-Bücherflut liefert genug Lesestoff für jeden, entscheidend bleibt der eigene Geschmack und das Selektionsvermögen.

Gerade deutsche Autoren sehe ich inzwischen als ein Qualitätsgarant an. Das mag zum einem daran liegen, dass die Messlatte der Verlage an die eigenen Veröffentlichungen recht hochgesteckt wird, während Lizenzprodukte aus der Übersee einfach so in die Regale geschoben werden. Schließlich lief das Buch super in Übersee, also wird es auch hierzulande laufen. Genau diese Denkweise lässt das Qualitätsmanagement versagt. Dadurch landen ungesehen minderwertige Publikationen in den Verlagsprogrammen. Inzwischen bin ich wachsam, wenn ich das Buch eines weiteren gehypten Newcomers aus Übersee in den Händen halte. Gut für Deutsche Autoren, schlecht für das Genre.

Eine andere Sache ist der Verdruss, der bei übermäßigem Fantasykonsum entstehen kann. Selbst der Lieblingsautor oder die schönste Serie kann einem im Halse stecken bleiben, wenn man jahrelang in literarische Monotonie lebt. Du kannst eben nicht zwanzig Mal Dein Lieblingsessen bestellen und erwarten, dass es Dir wie bei dem ersten Mal schmeckt. Irgendwann schmeckt es nur noch fad.

Die Lösung liegt in der Wahl der Gewürze. Probiert doch mal etwas Anderes außerhalb des eigenen Tellerrandes. Und wenn alles nicht mehr hilft, bleibt nur noch die Abstinenz. Ich pflege in solchen Fällen eine Genre-Diät. So lasse ich Fantasy eine Zeit lang links liegen und greife zu einem anderen Genre, meisten Science-Fiction oder Horror. Wenn ich nach Monaten wieder ein Fantasybuch in den Händen halte, bekomme ich einen Bärenhunger auf Magie und Schwerter.

Hier, ein paar Bücher, die mir besonders geschmeckt haben: Joe Abercrombie »First low: Kriegsklingen», William R. Forstchen »Das verlorene Regiment: Der letzte Befehl«, Richard Schwartz »Das Geheimnis von Askir: Das Erste Horn«, Steven Erickson »Spiel der Götter«, Garth Nix »Abhorsen-Trilogie: Sabriel« und »Das Alte Königreich«, James Clemens »Alasea: Das Buch des Feuers« und Markus Heitz »Schatten über Ulldart: Die dunkle Zeit«.

Adrian Maleska, Jahrgang 1972, ist Dipl. Designer und Illustrator. Er führt das Webportal für phantastische Literatur fantasybuch.de und leitet die Geschicke der Wiesbadener Agentur Augenpulver-Design.




Der erste Teil dieser Artikelreihe erschien gestern und ist hier zu finden: http://www.sf-fan.de/artikel-und-news/wie-steht-es-um-die-fantasy-teil-1.html
Eine Diskussion über dieses Thema findet im SF-Forum statt: http://forum.sf-fan.de/viewtopic.php?f=25&t=5524

Der dritte Teil dieser Artikelreihe geht demnächst online.

Discussion

Trackbacks/Pingbacks

  1. […] Teil 2 dieser Artikelreihe ist hier erschienen: http://www.sf-fan.de/artikel-und-news/wie-steht-es-um-die-fantasy-teil-2.html […]

  2. […] man nach den ersten beiden Teilen unserer Reihe »Wie steht es um die Fantasy« (Teil 1 ist hier, Teil 2 hier nachzulesen) vermuten könnte? Immerhin hat sich die Leserschaft dieses Genres in den letzten zehn […]

Kommentar verfassen

51 queries. 0,287 seconds.