9. SF-Tage NRW – der große Erfolg!

Vom 8. bis 9. März 1997 fanden in Dortmund die 9. SF-Tage NRW statt. Um diesem großen Conereignis gerecht zu werden, berichten hier gleich zwei Fans gemeinsam aus Dortmund… und zwar Ulrich Bettermann und Florian Breitsameter. Wir wünschen viel Spaß bei diesem ganz besonderen Conbericht!


Ulrich Bettermanns Bericht

Florian Breitsameters Bericht
NRW ist keine Abkürzung für »Niedriges Rhein-Wasser« und auch nicht für »Nur rein weiblich« oder »Nicht Rainer wecken«, sondern bezeichnet ein abgelegenes Bundesland mit einem so obskuren Namen, daß die Einwohner lieber die Abkürzung dafür verwenden. Es ist also nicht so wie mit »Sci-Fi«, welches Fans benutzen, weil sie zu blöd (oder noch nicht alt genug) sind »Science Fiction« auszusprechen.

Aber ich komme von Thema ab, ohne auch nur damit angefangen zu haben.

Genau das passierte dem »Orgacom« (so nach der »Dritten Grundregel für die Ausrichtung von SF-Cons« benannt, welche lautet: »Wichtige Worte werden ausschließlich abgekürzt und nie erläutert!«) mit dem zweiten und letzten »Progress Report«. Dies war das Heftchen, welches den vorangemeldeten Teilnahmekandidaten mehr oder minder kurz vor dem Ereignis zugeschickt wurde. Darin fand sich nämlich bedauerlicherweise nicht ein einziger grober Hinweis, um welche Uhrzeit der Con denn nun beginnen sollte. Immerhin war der Tag bekannt. Gemäß der ersten Grundregel (»Lege Dich nie auf etwas fest«) gab es in diesem Heftchen freilich auch kein genaues Programmschema, sondern nur vage Ankündigungen und Allgemeinplätze, in welchen die Ehrengäste Stephen Baxter und Ian McDonald sogar fast vollkommen verloren gingen. Dafür enthielt der Report einen kaum leserlichen Stadtplanausschnitt. Ich denke mal, in diesem Bereich müssen die Macher noch üben. Gelegenheit haben sie ja, denn der Wahnsinn (im positiven Sinn) geht im HCC in Serie.

Eine überraschende Klasse bewies das am Eingang bei der Anmeldung ausgegebene »Programmheft«, ein 116 Seiten starkes Werk mit detaillierten Angaben zu fast jedem Programmpunkt und einigen tollen Stories. Die Reproduktion der Fotos ist in diesem Heft allerdings dermaßen mißglückt, daß man es besser nicht seinen Freunden daheim zeigt – es könnte bei ihnen der Eindruck entstehen, der Con sei genauso billig zusammengepfuscht gewesen. War er nämlich nicht.

Der Con selbst lief nämlich erstaunlich glatt ab. Es störte kaum, daß Johannes von Buttlar krankheitsbedingt fehlte (mich schon gar nicht, ich kann diesen Pseudowissenschaftler eh nicht ab, hätte aber gern gesehen, wie er sich mal wieder lächerlich macht). Aus der Ruhe bringen ließ sich das Con-Team von der Absage schon gar nicht. Die professionelle Organisation sorgte für eingehaltene Termine und klare Strukturen – führte aber schon Mal dazu, daß den Vortragenden die Mikrofone vor der Nase abgebaut wurden, obwohl sie gerne noch etwas gesagt hätten. Klaus N. Frick mußte so zum Beispiel einmal erregt durch den Amphisaal brüllen, um auch dem letzten Techno-geschädigten Hörsturzpatienten die neuesten Errungenschaften von VPM mitzuteilen. Dabei war, wie er später wohl selbst feststellte, die Akustik des Saales so gut, daß man ihn auch ohne Mikro überall passabel verstehen konnte.

Aber ich will nicht auf kleinen Fehlerchen herumhacken, sondern anerkennend und mit ehrlicher Freunde verkünden, daß der Con prima gelaufen ist, Spaß machte und… ja, ich glaube das reicht vorerst an Lob, sonst drehen die Macher noch ganz ab.

Wer sich an dieser Stelle noch immer fragt, was denn nun eigentlich los war (und was überhaupt ein »Con« ist) sei auf einen kommenden ausführlichen Bericht verwiesen (welcher entweder in ANDROMEDA oder BONSAI erscheint, mal sehen, wer auf Dauer netter zu mir ist ). Hier kann ich platzbedingt nur knapp auf die einzelnen Attraktionen eingehen.

Man kann ja auch nicht überall sein. Immerhin hatten die Veranstalter die meiste Zeit über drei parallel laufende Programmschienen anzubieten. Der Veranstaltungsort war der Stahl-Beton-Glas-Bau »Harenberg-City-Center« (HCC), ein 70 Meter hoher Klotz mit einer angeflaschten Fünf-Etagen-Halle und einem »Tortenstück« genannten Gebäudeteil. Komma, Punkt, Strich – würde ich sagen. Gleich nebenan war der Hauptbahnhof und so war die Anreise per Bahn sicher die angenehmste Art zum Con zu kommen.

Am faszinierendsten für SF-Fans waren (wie immer auf Cons) die Fahrstühle. Diese waren nämlich außen am »Turmteil« angebracht. Mit 2,5 Metern in der Sekunde schoß man aus dem schon beeindruckend hohen Mittelteil des Centers heraus bis zum 18 Stock, von wo aus eine (schwindel)erregende Aussicht über Dortmund möglich war. Ganz oben befand sich auch die einzige echte Sitzgelegenheit des Cons – edle Ledersofas und Degignersessel luden dazu ein… die Leute die dort die Plätze belegten wegzuschicken. Übrigens ging es in derselben Turbo-Geschwindkeit mit dem Lift auch wieder runter, was einem einen kleinen Eindruck von Bungee-Jumping vermittelte.

Um es kurz zu machen: Der Austragungsort der SF-Tage „hatte was“. Er war „edel“, nobel und gar nicht so unpassend. Die Technik und Ausstattung waren absolute Spitzenklasse, der Service vom Centerpersonal zuvorkommend und auf unaufdringliche Weise zurückhaltend – das Conkommitee blieb (zumindest in der Fan-Öffentlichkeit) gelassen und verbreitete kaum Hektik, war stets präsent und erlaubte sich nur in Details Schwächen. Ein wenig mehr Gemütlichkeit, und ich wäre noch zufriedener.

Das Harenberg Citycenter
Das Harenberg City-Center bei Sonnenuntergang (hier sieht man allerdings nur die Spitze…)

 



Fünf Stockwerke und kein Ende in Sicht...
Fünf Stockwerke auf einmal – und ganz oben Ulrich Bettermann wie er gerade ein Photo macht…

 



The Far Side...
…und zwar von uns auf der anderen Seite! (Foto: Ulrich Bettermann)



Blick von oben...
Von oben sieht alles ganz klein aus (auch der Eingangsbereich)!

Ein Problem war zum Beispiel die unglückliche Plazierung des SFCD-Standes unter einer abgelegenen Treppe, von der aus SFCD-Kontaktbeamtin Birgit Fischer ständig Unrat auf die herausgewachsene Dauerwelle regnete. Später wurde der Tisch zwar ein wenig verschoben, aber es mußte schon der Pappaufsteller mit den drei lebensgroßen Apollo 13-Astronauten dazugestellt werden, damit in der abgelegenen Ecke wenigstens der Anschein von Betrieb aufkam. Aber wir greifen vor… SFCD-Stand unter der Treppe
Der SFCD bleibt fast unsichtbar unter einer Treppe… (Foto: Ulrich Bettermann)
Das Team der PR-Homepage
Man bastelt an der Internetverbindung – scheitert aber letzlich an den Unzulänglichkeiten von Compuserve (Foto: Ulrich Bettermann)

 



Erdgeschoss
Und die Menschenmassen strömten herein…

Freitagabend konnte man zusehen, wie sich Chaos in Ordnung verwandelte. Verkaufsstände wuchsen aus dem Boden und bei der PRFZ versuchten Oliver Reiff und Matthias Schnurer (die beiden Macher der Perry Rhodan Homepage) mehr oder weniger verzweifelt mittels Compuserve einen ersten Lagebericht auf der Homepage zu plazieren. Ich versuchte zu helfen, aber irgendwann war klar, daß es sooo nicht gehen konnte. Also verabschiedete man sich von den Plänen eines Live-Conberichtes im Netz und genoß lieber den Con (was sicher erholsamer für die beiden war).

Reinhard Rauscher fuhr einen Bananenkarton nach dem anderen herein und füllte seine Regale… nur gestört durch ein paar Leseratten und Buchsammler, die sich sofort auf jeden neuen Karton stürzten. Zusammen mit Petra Kufner (die wie ich Dank Norbert Reichinger im Burgschmiet-Verlag-Dienstauto angereist war), Peter Fleissner und Michael Falkenstein ging ich auf die Jagd und machte reiche Beute, fand ich doch einige langgesuchte Bücher. Samstags ging diese Jagd an anderen Ständen weiter (insgesamt kam ich mit 55 Büchern im Gepäck zurück), denn gegenüber wurden Taschenbücher sogar für 70 Pfennig das Stück gehandelt. Unser Garderobenschrank füllte sich so bis zum Sonntag fast bis oben hin…

Doch ich greife vor.

Freitagabend fand eine Art VorCon im „Space Indians“ statt, daß sich vor allem dadurch auszeichnete, daß man hier recht gut und billig essen konnte. Um 21 Uhr hatte auch endlich die Mehrzahl der Fans den Weg gefunden und es kam etwas Leben in die Bude (die auch den Vorteil hatte einigermaßen geräumig zu sein). Andreas Eschbach (der designierte Gewinner des Kurd Laßwitz Preises) wurde auch noch an unseren Tisch gelotst und bald unterhielt man sich prächtig über Bücher (»Bücher müßen gut behandelt werden!«), Babylon 5 und vieles mehr. Der amüsante Abend endete damit, daß wir (oder besser gesagt Christine Theus als Fahrerin) Andreas Eschbach noch in sein Hotel brachten und uns dann die Zimmer in Peter Herfurths Wohnung aufteilten.

Frühstück bei Peter Herfurth (Foto: Ulrich Bettermann)
Frühstück bei Peter Herfurth (Foto: Ulrich Bettermann)
Samstagmorgen läutete der Wecker relativ früh und noch bevor wir (Pezi, Christine, Peter Fleissner und ich) zum Frühstück schreiten konnten, traf Ulrich Bettermann ein. Leider nicht allein. Aber seine Chauffeure vom PVC hatten bald ein Einsehen und so konnten wir in aller Ruhe frühstücken und uns gedanklich auf das Bevorstehende vorbereiten.
Ich wollte noch etwas zum Programm sagen. Der runde Amphi-Saal mit seiner brillianten Akustik war für das Hauptprogramm reserviert. Hier fanden die „Ceremonies“ statt, die Interviews und diverse Vorträge. Da ich die Eröffnungsfeier in der „Kantine“ (in der es gute und preiswerte Gerichte gab – allerdings machten die Getränkepreise dies mehr als nur wett!) verbrachte, kann ich nicht viel dazu sagen (frei nach dem Denkena-Denkspruch „Bettermann ist überall da, wo nichts los ist„). Ich nehme einfach mal an, daß der Con halt feierlich eröffnet wurde. Amphi-Saal
Der Amphi-Saal
Wolfgang Hohlbein
Wolfgang Hohlbein – der Gigant in den Augen vieler Leser

Stephen Baxter
Stephen Baxter erzählt von der Invasion der »Shoemakers«!

Ich verließ die Kantine (die sich im 5. Stock befand und billiges Essen und etwas teurere Getränke anbot) rechtzeitig und konnte mir auch einen Platz im Amphi-Saal (der auch wie ein Amphi-Theater gebaut ist – d.h. die Bühne befindet sich ganz unten) sichern.

Unter Stroboskoplicht und mit wallendem Nebel stolperte Arno Behrend alias H.G. Wells im Frack zum Rednerpult und berichtete darüber, daß er in einem „Museum für primitive Kunst“ den Progress Report des Cons gefunden hätte und deshalb angereist wäre. Sichtlich bedauerte das Fehlen von Johannes von Butlar, denn gerne hätte er ihm erzählt, daß Butlar „von UFOs ins 21. Jahrhundert entführt werden würde!„. Kurz stellte er die einzelnen Ehrengäste vor („Wie ist ihr Name? Hohlbein? Nein, von ihnen habe ich in der Zukunft nichts gehört…„) bevor diese dann selbst ans Rednerpult traten.

Wolfgang Hohlbein, ein eher unscheinbares und schlankes Männlein, erzählte davon, daß er in seiner Jugend gerne Karl May, aber auch Perry Rhodan las, und sich überhaupt für das „Phantastische“ begeisterte. Als er den MönchCon (Festival der Fantastik) 1982 besuchte, träumte er davon „auch einmal da oben auf der Bühne zu stehen. Nun gut, jetzt stehe ich hier unten…„.

Ian McDonald, der so aussah, als hätte man in direkt aus seinem Heimatpub hergebeamt, teilte das Publikum mit wenígen Worten in drei Teile, die auf sein Kommando hin johlen, pfeifen oder klatschen sollten – und im so die „beste Begrüssung die er je hatte“ verschafften.

Stephen Baxter (nur echt mit Mütze!) erzählte von seinem Besuch der SF-Tage im letzten Jahr, der auf einen Tag beschränkt bleiben mußte, da alle Düsseldorfer Hotels voller »Shoemakers« gewesen wären.

Kurz und gut – es fiel alles recht amüsant und kurzweilig aus und dem Publikum gefiel es!
Während oben im »Clubraum« in der 18. Etage die Ehrengäste Ian McDonald und Stephen Baxter interviewt wurden, vergnügte ich mich im Perry Rhodan-Programm. Klaus N. Frick und Peter Terrid stellten die »Space Thriller« dem launigen Publikum vor. Die neue Hardcoverreihe von VPM richtet sich an ein erwachsenenes Publikum und will versuchen, Krimi, SF und Rhodan-Elemente zu verschmelzen und „harte“, spannende Unterhaltung zu bieten. Ziel ist einerseits, neue Leserschichten zu erschließen und auf der anderen Seite, den Rhodan-Fans auch andere Aspekte zu vermitteln (und natürlich, ihnen das Geld aus der Tasche zu leiern – aber der Versuch ist ja durchaus legitim). Peter Terrid berichtete zudem ausführlich über die Schwierigkeiten, einen 240 Manuskriptseiten langen Roman zu verfassen (was ich verstehen kann – ich habe schon Probleme mit drei Seiten Conbericht). Das Rhodan-Team war den ganzen Con über ständig präsent und suchte geradezu den Kontakt zu den Lesern (während viele der anwesenden prominenten „sonstigen“ Autoren, Publizisten und Herausgeber offenbar lieber unter sich blieben – vielleicht ist dies aber auch nur ein falscher Eindruck meinerseits).

Die Fanzentrale mit dem spuckigen Namen PRFZ belegte einen günstig gelegenen Tisch im Eingangsbereich des HCC. Dort traf man Peter Terrid und Swen Papenbrock häufig an. Das Homepage-Team (Oliver und Mathias) verbreitete neben guter Laune einen Tisch weiter fast rund um die Uhr die PR-Homepage und die Archiv-CD.

Der Workshop zur Rhodan-»Zyklusentwicklung« war nur einer erlesenen Zahl von Leuten gegönnt, die schlau genug waren, eine ausliegende Liste rechtzeitig zu finden (die freilich nirgends sonst erwähnt wurde). Kurzum: da ich (offensichtlich) zu blöd oder zu blind war, stand ich vor der Tür. Ein Teilnehmer beglückwünschte mich später allerdings dazu.

Ulli mittendrin...
Ulrich Bettermann im Amphi-Saal


Fans unter sich
Fans unter sich: Markus Wolf, Peter Fleissner, Ulrich Bettermann, Klaus N. Frick und Norbert Reichinger

Marketingfachleute
Die Marketingfachleute: Peter Schlenter und Eckhard Schwettmann (Foto: Ulrich Bettermann)

Klaus N. Frick alias Volker Nübel
Klaus N. Frick über den Dächern von Dortmund

Den Programmpunkt »PR – Die Multimedia Show« hast du wohl auch verpaßt?

Hier ging es nicht darum im abgedunkelten Saal Dias durchzuklicken und dazu Meditationsmusik abzududeln (wie dereinst in Karlsruhe), sondern es ging um die zahlreichen multimedialen Projekte der PR-Serie. Also um die zahlreichen CD-Roms und Computerspiele, aber auch um die Musikprojekte (Peter Schlenter, der deutsche Vertreter von Sonicimages, gab zu, daß sich die CD »Pax Terra« von Christoph Franke eher schleppend verkaufen würde – kündigte dafür aber neue Projekte an).

Später besuchte ich noch u.a. einen Programmpunkt über die beiden SF-Magazine SAGITTARIUS und ALIEN CONTACT, der schnell zu einer Frick’schen One-Man-Performance wurde, da Hardy Kettlitz nicht gekommen war. Trotzdem war es recht amüsant Klaus zuzuhören, da er sehr ehrlich an die Sache ranging und auch ein Geständnis in Sachen Scientology nicht ausließ.

Sehr interessant fand ich die von PRO7 exklusiv präsentierte Vorstellung der neuen „Mystery“-Serien (die Anführungsstriche, weil das Label nicht richtig paßt) „Outer Limits“ und „Dark Skies“. Erstere bringt (ähnlich wie „Twilight Zone“) Einzelgeschichten. Wir sahen einen „Special Cut“ (sozusagen die „Readers Digest“-Version, also eine auf 15-20 Minuten zusammengeschnittene Fassung) des Films „Sandkönige“ nach einem Buch von George R.R. Martin (sah guuut aus). „Dark Skies“ beschäftigt sich mit der stattgefundenen Invasion von außerirdischen Krabbeltieren, welche bereits in Menschen Leben und die Geschichte (im Sinne von „History“) bereits beeinflußt haben. Bizarr, abgedreht, voller Splattereffekte. Ein Zuschauer bemerkte jedoch, die Geschichte (im Sinne von „Story“) käme ihm seltsam bekannt vor (was übrigens gleichzeitig das Motto der SF der letzten zehn Jahre zu sein scheint…).

In einer edel aufgezogenen, aber etwas trägen Veranstaltung, wurden am Abend noch die Kurt-Laßwitz-Preise vergeben. Andreas von Rüden begleitete diesen Programmpunkt auf dem Klavier, traf die Tasten jedoch diesmal nicht immer ganz so exakt, wie noch auf dem Saarcon 1996. Ein bunter Abend mit Hermann Ritter und Klaus Frick wäre mir lieber gewesen (aber wer will das schon wissen, was?).

Stargast Wolfgang Hohlbein bekam dann noch den „Äon-Preis für kreatives Irgendswas“ (habe ich vergessen) von TV-Pionier Gerry Börnsen, welcher im Gegensatz zum Video Club PVC immerhin schon eine eigene Sendung in diverse offene Kanäle gedrückt hat. Während der PVC abwechselnd kein Bandmaterial, keine Lust oder kein geladenes Akku hatte (oder gar, wie Dorrit Schwanz in der Orion-Fragestunde, an den interessanten Stellen einfach die Aufnahme abschaltete oder lediglich den Deckel der Kameralinse abfilmte), war das Äon-Team ständig aktiv und präsent. Ob allerdings mehr herauskommt, kann ich nicht beurteilen – heh – schickt mir mal ein Band!

Andreas von Rüden
Die musikalische Untermalung


Verleihung an Andreas Eschbach
Andreas Eschbach nimmt von Udo Klotz die Urkunde entgegen

Ungeschickt war dafür in Zusammenhang mit dem Äon-Team, das diese Wolfgang Hohlbein nicht im Vorfeld über die Auszeichnung informiert hatten, die auch an seine Frau ging. Wie sagte er doch so schön: »Hätten sie was gesagt, dann hätte ich meine Frau heute abend auch mitgebracht…«.

Außerdem wurde Achim Stößer als Gewinner des Kurzgeschichtenwettbewerbs ausgezeichnet (die Siegerstory ist auch im Programmheft abgedruckt).

Aufgrund technischer Probleme kam das »Interview via Internet« mit Christopher Franke (der die PR-Musik PAX TERRA geschrieben hat) nicht zustande. Dafür will Franke im kommenden Jahr persönlich kommen. Rhodan-Marketingchef Eckehard Schwettmann war darüber so erfreut, daß er im Namen (und wohl auf Rechnung ) von VPM 100 Liter Freibier spendierte (wofür ich – und wahrscheinlich der Aspirin-Hersteller – dem Verlag lange lange dankbar sein werden). Es gab DAB (was wohl »Dortmunder Allerwelts-Bier« heißt) und nach dem fünften Glas war auch dieses einigermaßen genießbar.

Am Sonntag ist auf Cons meist nicht mehr viel los. Hier bewahrheitete sich dies jedoch nicht. Von 10 bis 17 Uhr gab es volles Programm. Wer sich dafür nicht interessierte, schob arge Langeweile und stand sich die Beine in den Bauch (auch davon habe ich gehört). Selbst bestätigen kann ich es nicht: Jeder ist seines Glückes Schmied – das Angebot war da, die Leute waren da, was man daraus machte, lag an einem selbst.

Torsten Dewi von PRO7 schuf sich gar seinen eigenen Programmpunkt, eine One-Man-Show, die er schwungvoll und souverän über die Bühne brachte. Seine Ankündigung »Fragt mich! Ich weiß auf jede Frage zu TV-Serien eine Antwort« erwies sich erstaunlicherweise als ziemlich wahr. Ob es um die Fortsetzung der Orion-Reihe ging (Pro 7 bringt die auf jeden Fall, egal ob mit oder ohne Roland Emmerich!) oder die 5. Season von Babylon 5 – Dewi hatte zu allem Informationen. Der Progamm-Macher wußte natürlich auch: »Fans glauben, was Fans glauben wollen«. Profilierungssucht und Wunschdenken lassen in den Träumen der Freaks beinahe jede Serie vor einer Fortsetzung stehen, selbst wenn sie so »tot, eingeäschert, begraben, eingemauert und verwittert« ist wie zum Beispiel »Space: 2062«. Neueste Nachricht aus der Gruft: Krampfstern Beknacktika kommt zurück. Wo die Serie doch so lange und verdient der Vergessenheit anheim fiel. Die Produzenten graben offenbar schon nach »Adama« Lorne Greene…

Uwe Anton und Robert „B5“ Vogel diskutierten mit sich und dem Publikum über die neuen angekündigten Mystery-Serien. Merchandiser Vogel ging dabei durchaus hart mit einigen TV-Reihen ins Gericht, protzte aber für meinen Geschmack zu häufig damit herum, alle neuen Serien schon im Original gesehen zu haben.

Der übernervöse Michael Lange und Autor Jörg Kastner berichteten über das Raumschiff Orion, die Herstellung der Episoden und Fans dieser Serie. Locker wirkte der Beitrag aber nur, wenn die Vortragenden mal nicht den Text ablasen, sondern frei erzählten. Über die geplante Fortsetzung waren die Altfans gar nicht so begeistert – man fürchtet wohl, PRO7 könne den Kult zerstören. Bis es so weit ist, haben sich die Fans aber auch vielleicht selbst aufgelöst. Von sieben Fanclubs gibt es im Moment gerade noch einen – und der hängt lieber alten Zeiten nach, als sich um neue Ideen zu kümmern (was ja eigentlich SF-Fans näherstehen sollte). In einer »Eurocon-Worldcon-BEC« betitelten Podiumsdiskussion (BEC heißt „Bug Eyed Convention“) ging es um Chancen und Möglichkeiten, einen großen Con in Deutschland auszurichten. Kompetent und sachverständig waren hier Fiona Anderson, Jürgen Marzi und Eckhard Marwitz dabei, Konzepte zu entwickeln und Möglichkeiten zu ersinnen, die Fans zu aktivieren (was das eigentliche Problem darstellt).

Christine geniesste ihre Freiheit...
Christine Theus und der FAW-Redakteur…


Torsten Dewi von Pro7
Torsten Dewi von Pro7 (Foto: Ulrich Bettermann)

Arno Behrend als H.G. Wells
Arno Behrend als H.G. Wells (hier jedoch bei der Eröffnungszeremonie)
Sehr schön fand ich die »Einführung für Zeitreisende«, die von H.G. Wells (alias Arno Behrend) durchgeführt wurde. Die Grundprinzipien der Zeitreise wurden ebenso erklärt, wie alle vorhandenen Sicherheitseinrichtungen. Schlußendlich wurde noch das Publikum nach seinen Reisewünschen befragt und es war überraschend was für Wünsche da zu Tage kamen (vom antiken Griechenland, über China und Rom bis zur weit entfernten Zukunft). Ein Programmpunkt der mir wirklich sehr gefallen hat!
Die Veranstalter
Die Veranstalter sind froh, daß es überstanden ist… (Foto: Ulrich Bettermann)

 

Fazit
Laut den Veranstaltern wurde bis zum Sonntagabend eine Zahl von knapp 1000 (genau wohl 980) zahlenden (!) Besuchern erreicht, dazu sind noch rund 200-300 Besucher der Verkaufsbörse zu zählen, die keinen Eintritt zahlen mußten.

Ich gebe es zu – obwohl ich von Beginn an große Erwartungen in das Konzept und die Veranstalter setzte, hatte ich einen solchen großen Erfolg nicht erwartet. Immerhin ist damit der FreuCon 1992 übertroffen, was aber wohl auch daran liegt, daß man im Ruhrgebiet halt auch einfach mehr Laufkundschaft hat, als Mitten im Schwarzwald.

Dank des großen Erfolges, der das Verdienst des Organisationskomitees ist (es waren quasi keine Pannen zu bemerken und auch keine entnervten Veranstalter), wurde, wie man hören konnte, mittlerweile für das nächste Jahr vom Bastei-Lübbe Verlag und Pro 7 eine Sponsorenschaft angekündigt.

Sollte es damit endlich der deutschen SF-Szene gelungen sein auch einmal auf sich aufmerksam zu machen? Ist damit der erste Schritt geschafft, einen großen deutschen Con aufzuziehen, der sich NICHT nur mit Star Trek und Perry Rhodan, sondern vor allem mit der literarischen SF beschäftigt? Ich hoffe es und wünsche dem Conkomitee viel Erfolg für das nächste Jahr und die 10. SF-Tage (Termin: 21./22. März 1998)!

Im Programmheft findet man übrigens bereits die Gästeliste des nächsten Jahres. So werden neben Alan Dean Foster, David Feintuch und Mark Brandis auch Erich von Däniken und Christopher Franke anwesend sein und thematisch wird man sich dann (so wollen es jedenfalls die Planungen) mit den Themen »Interstellarer Sex« und »Soziologie in der Science Fiction« befassen. Ich freue mich schon jetzt darauf…

Was noch auffiel – diejenigen, die versuchten den Con im Vorfeld eher ins schlechte Licht zu rücken (und den Veranstaltern Größenwahn vorwarfen…), wurden während des ganzen Wochenendes nicht gesichtet. Komisch, nicht wahr?