Bereits zum dritten Male fand am 12./13. März der DortCon im Fritz-Henßler-Haus nahe der Dortmunder Innenstadt statt. Die Räumlichkeiten eignen sich für eine Con mit einem Besucherlevel von ca. 200 Personen hervorragend, auch wenn das Gebäude an sich und die Räumlichkeiten den Charme der Sechziger Jahre versprühen.

Fritz-Henßler-Haus

Der Veranstaltungsort: das Fritz-Henßler-Haus im Zentrum von Dortmund

Im Erdgeschoß wurde im Kinosaal die Hauptprogrammschiene ausgetragen, wobei als wichtigster Kommunikationsort das hauseigenen Cafe diente, in dem auch neben einer umfangreichen Getränkeauswahl auch kleinere Speisen angeboten wurden. Da das Wetter nicht gerade zu längeren Spaziergängen einlud, wurde dieser Service reichlich genutzt.

Die Händler- und Clubtische drängten sich in diesem Jahr alle im ausladenden Flur und zwei kleineren, daran unmittelbar angrenzenden Räumen. Wurde in den beiden Jahren zuvor noch ein größerer Saal hierfür mit genutzt, so bestand aufgrund der geringeren Anzahl von Händlern hierzu nicht mehr die Notwendigkeit. Auch ohne die genaue Besucherzahl zu kennen, vermute ich, dass die Besucherzahl gegenüber den letzten beiden Jahren ein wenig zurückgegangen ist.

An der Organisation und dem Programm konnte es nicht liegen, denn mit Alastair Reynolds wurde ein international bekannter SF-Autor der jüngeren Generation präsentiert, dessen Werke beim Heyne-Verlag veröffentlicht wurden. Gerade erst erschien dort eine längere Novelle und für Oktober ist ein weiterer Roman in deutscher Übersetzung angekündigt. Gleich nach der Eröffnungsfeier, an der ich nicht teilnehmen konnte, wurde Reynolds von Arno Behrend, dem Chef des Organisationskomitees interviewt. Hierbei erfuhr man nicht nur einiges über sein Leben als SF-Schriftsteller und über seine Romane, sondern auch über seine Tätigkeit bei der ESA im niederländischen Nordwijk. Da Reynolds überaus sympathisch rüber kam und sehr ausführlich erzählte, war die Stunde schnell vergangen. Die Übersetzerin hingegen kannte sich offensichtlich mit dem Werk des Autors nicht aus, worunter ihre Tätigkeit ein wenig litt.

Keine Übersetzung benötigte Thomas R.P. Mielke, der zweite Ehrengast des DortCons. Wortgewandt und ausführlich erzählte er einige Anekdoten aus den Anfängen der bundesdeutschen SF-Szene Ende der 50ger Jahre und über seine Arbeit als Schriftsteller. Konzentrierte er sich zu Beginn seiner schriftstellerischen Laufbahn noch auf die SF, so verfasst er bereits seit Jahren historische Romane, für die er sehr umfangreiche Recherchen betreibt, um so nah an der Vergangenheit zu bleiben wie irgendwie möglich. Während Arno Behrend, der anscheinend noch einige Fragen im Petto hatte, kaum zu Wort kam, hätte Mielke sicherlich noch eine weitere Stunde aus seinem Schriftstellerleben erzählen können.

Den sich daran anschließenden Programmpunkt von und mit Klaus G. Schimanski, der durch seine Zeichnungen im Fandom eine feste Größe ist und seinen Panel zur praktischen Vorführung nutzte, ließ ich aus und schlenderte ein wenig an den Händlertischen vorbei. Die Auswahl an aktueller und antiquarischer Phantastikliteratur und DVDs war reichhaltig und so blieb der eine oder andere Kauf nicht aus.

Natürlich traf ich auch etliche mir bekannte Fans, die ich teilweise recht lange nicht gesehen hatte und so verging die Zeit bis zum nächsten Programmpunkt wie im Fluge.

Unter dem Titel »Wann haben Sie das letzte Mal ‚gleißend‘ gesagt?« vertrat der Literaturkritiker Hartmut Kasper, vielen Perry Rhodan-Lesern sicherlich ein Begriff, da er federführend für das PR-Journal Wissenschaft und Technik zuständig ist, verschiedene Thesen zur deutschsprachigen SF. Breiten Raum nahm die These ein, dass sich hiesige Autoren weitaus mehr mit ihrer Idee für eine Kurzgeschichte/Roman beschäftigen würden, als mit der sprachlichen Ausarbeitung dieser. Profane schriftstellerische Fähigkeiten würden vernachlässigt werden mit entsprechenden Ergebnissen. Vergleiche mit den USA, wo umfangreiche Seminare angeboten werden, wurden hergestellt. An fehlenden Veröffentlichungsmöglichkeiten für SF-Kurzgeschichten kann es momentan nicht liegen und dank BoD kann jeder seine Werke ohne größere Probleme in gedruckter Form präsentieren.

Weiterhin ging er noch auf die These ein, dass Autoren nur dann lebendige Szenen und Ortsbeschreibungen liefern, wenn sie diese selbst erlebt haben.

Er belegte seine Thesen mit reichhaltigen Beispielen, die vielfach aus dem PR-Kosmos stammten, aber verdeutlichten über welche Problematik er sprach.

Mit seinen Ausführungen liegt Hartmut Kasper sicherlich richtig und brachte einige Punkte zur Sprache, die bei den ständigen Diskussionen über den Zustand der bundesdeutschen SF eher wenig berücksichtigt werden. Insoweit hat sich der Besuch dieses Programmpunktes gelohnt. Zum Ende hin verflachte die Diskussion dann in altbekannten Aussagen.

Als störend empfand ich, dass in den ersten zehn Minuten von Kaspers Vortrag ständig noch Besucher in den doch recht kleinen Raum strömten. Obwohl Herr Kasper sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen ließ, sollten die Verantwortlichen für den nächsten Con darauf achten, dass solch ein Kommen und Gehen vermieden wird.

Im Anschluss nahm ich dann an einer Zusammenkunft der Mitglieder des Literaturpreiskomitees, die wir im Cafe abhielten und in lockerer Runde über unsere Komiteearbeit und sonstige Dinge, die einem SF-Fan so umtreiben, sprachen.

Mein Besuch des diesjährigen DortCons endete beim Abendessen in einem afrikanischen Restaurant (von Achim Sturm vorzüglich ausgesucht) in trauter Runde, denn nach meiner Rückkehr im Congebäude war die Abendveranstaltung schon beendet. Einen Blick in den Kinosaal, in dem mehrere Folgen der TV-Serie Farscape liefen, ersparte ich mir und so begab ich mich auf den Heimweg.

Dem Con hätte ich ein paar mehr Besucher gewünscht, denn die Fahrt nach Dortmund, selbst für einen Tag, hat sich für mich persönlich gelohnt. Für Fans, die kaum im Fandom verwurzelt sind, hätte das Programm ebenso einiges geboten. Wobei auch hier die leicht rückläufige Zahl der Programmveranstaltungen an sich auffällig war. Ein paar mehr Programmpunkte hätte man durchaus noch einbauen können, zumal das Fandom über das Potential hierzu verfügt.

Vielleicht werden die Organisatoren die rückläufigen Besucherzahlen (wie gesagt, so war mein Eindruck) zum Anlass nehmen, um ein etwas ausführlicheres Programm für den DortCon 2007 auf die Beine zu stellen.

Dort.Con 2005
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