ENTERPRISE: Zwei Schritte zurück, ein Schritt nach vorne

Okay okay, ich weiß, was ihr sagen werdet – wenn der Dewi eine neue Trek-Serie bespricht, dann kann das ja nur wieder ein übler Verriß werden. Warum tut der sich und uns das eigentlich immer noch an?

Diese Meinung, meine verehrten Leser, basiert auf einem weit verbreiteten Mißverständnis. Ich habe nämlich nichts gegen Star Trek. Ich liebe Star Trek. „Raumschiff Enterprise“ war meine erste Lieblingsserie, und die Abenteuer von Picard & Co. habe ich vergöttert. „Star Trek 2: Der Zorn des Khan“ zählt für mich immer noch zu den 10 besten SF-Filmen aller Zeiten.

Das Problem ist nur, daß die Verantwortlichen bei der Paramount immer mehr Programm mit immer denselben Leuten produziert haben – Untalent und Materialermüdung machten dann Ende der 80er aus „Star Trek“ immer mehr „Star Dreck“. Schon „Deep Space Nine“ hatte es schwer, ab und an noch mal brauchbare Drehbücher auf den Bildschirm zu hieven. „Voyager“ und Filme wie „Star Trek: Der Aufstand“ empfand ich dann, gerade weil ich altgedienter Trekker bin, als Unverschämtheit. Nichtsdestotrotz habe ich immer auf die Wende gehofft, die Renaissance.

Um es vorweg zu nehmen: Die Wende scheint gekommen.

Wie mittlerweile wohl jeder weiß, spielt „Enterprise“ ein paar Jahrzehnte vor den Abenteuern von Kirk und seiner Crew. Die Menschen haben den Sprung ins All noch nicht vollzogen, und wenn es nach den Vulkaniern geht, soll das auch noch ein bißchen dauern. Als jedoch ein schwer verletzter Klingone auf der Erde abstürzt, entscheidet die frisch gegründete Sternenflotte, ihn mit dem ersten eigenen Raumschiff, der „Enterprise NX-01“, zu seiner Heimatwelt zu bringen. Das entpuppt sich als schwierig, da der Klingone offensichtlich Dinge weiß, die diversen Fraktionen im All so wichtig sind, dass das Leben von einer Handvoll Menschen für sie kaum zählt.

 

Krankenstation
Krankenstation (© Paramount)

 

Mehr will ich von der Story gar nicht erzählen, ihr werdet es ja früher oder später selber sehen. Haken wir also die einzelnen Aspekte des Pilotfilms ab.

Die Story: Sauber und vergleichsweise schnörkellos erzählt, erspart uns „Enterprise“ Dankbarerweise endloses spirituelles Gelaber, mit dem besonders Voyager gerne wuchern ging. Hier geht es handfest zu, es wird geschossen, intrigiert, gebrüllt, und gefuttert. Ein paar Handlungsstränge bleiben für zukünftige Folgen offen, aber man hat nicht das Gefühl, in der Luft hängen gelassen zu werden.

(c) Paramount

Die Figuren: Star Trek Standard. Alle sehen klasse aus, können alles besser, und wurden in der Schule bestimmt oft deswegen verhauen. Die sekundären Charaktere sind diesmal so dünn gezeichnet, daß man nach dem Pilot nicht mal genau sagen kann, wer jetzt was macht. Im Kreise der Freunde behalfen wir uns schnell mit Bezeichnungen wie „Der Schwarze“, „Die Asiatin“, und „Der Blonde“. Keine wirkliche Glanzleistung der Autoren. Was die Hauptfiguren an Profil mitbringen, ist eher den Darstellern zu verdanken. Das mag sich im Verlauf der Serie aber bessern.

Die Aliens: Ein paar exotische Aliens im Hintergrund sind prima, aber die neuen Super-Aliens, Suliban genannt, haben noch kein wirkliches Profil. Ich fürchte, da wird man wie bei der Next Generation (Ferengi) und bei Voyager (Okampa) schnell wieder auf altbewährte Spezies zurückgreifen. Speaking of which: Die Vulkanier kommen diesmal klasse rüber, noch etwas rauher und skrupelloser als in den anderen Trek-Serien. Die Verwandtschaft zu den Romulanern ist noch deutlich auszumachen. Mir gefällt’s.

(c) Paramount

Die Technik: Ein ganz großes Plus. Die Enterprise ist ein sehr schönes Schiff, etwas bulliger als die anderen Varianten. Im Innern wirkt alles noch erheblich zusammengesetzter und nicht so durch-designt. Warpkern, Teleporter, Jeffries-Röhre – alles im Urzustand zu besichtigen. Dafür wird auf Schnickschnack wie Bordrestaurant und Holodeck verzichtet. Einzelne Geräte (Phaser, Kommunikator, Instrumente) stehen in direkter Linie zu den zukünftigen Modellen, die wir dann bei Kirk sehen konnten.

Die Darsteller: Scott Bakula kann’s, das wußten wir schon vorher. Überrascht war ich nur, WIE gut er ist. Die Mischung aus Autorität und feiner Ironie, aus Cowboy-Manieren und aufrechter Diplomatie – das habe ich seit Kirk nur noch bei mir selber gesehen. Respekt. Endlich wieder ein Captain, dem man gerne Folge leistet. Jolene Blalock dagegen, in den USA hoch gelobt, ist zwar nicht schlecht, aber bei aller Liebe – wie schwer kann es sein, einen Vulkanier zu spielen?! Emotionslos aus der Wäsche gucken kann ich auch. Versauen hätte sie die Rolle der T’Pol nur können, wenn sie heimlich in die Kamera gewunken und „Hi, Mami!“ geflüstert hätte. Dafür sind ihre beiden „Talente“ allerdings echte Hingucker – und ob Vulkanierinnen einen Waschbrettbauch haben, wollte ich schon immer wissen. Bei den anderen Darstellern wird man mangels interessanter Szenen abwarten müssen, wie sie sich behaupten.

Die Regie: Dieser Bereich wird oft unterschätzt. James L. Conway leistet saubere Arbeit, bei der sogar einige der Trek-Kinofilme alt aussehen. Die Erzählgeschwindigkeit ist zügig, die Actionszenen sind deftig inszeniert, und an kleinen Details merkt man eine Sorgfalt, die im Fernsehen nicht üblich ist.

Die technische Crew: Kamera, Schnitt, Musik, Effekte – „Enterprise“ schmückt sich mit Bestnoten in jedem Bereich. Es gibt nichts zu meckern. Erstaunlich, wie mühelos die Serie den Look der erheblich teureren Kinofilme emuliert, ohne auch nur ein einziges Mal auf die Nase zu fallen. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob es den Produzenten gelingt, dieses hohe Niveau auf wöchentlicher Basis zu halten.

Nun haben wir so ziemlich alles abgehandelt, jetzt geht es ans Eingemachte. Denn „Enterprise“ ist trotz aller Stärken eine Trek-Serie, und als solche mit den üblichen Trek-Problemen behaftet:

  • Es gibt keine wirklichen Konflikte der Charaktere untereinander. Schon am Ende des Pilotfilms leistet Archer bei T’Pol Abbitte, und damit ist der Weg frei für Friede, Freude, Eierkuchen. Wer Intrigen à la „Babylon 5“ sucht, ist hier falsch.
  • Wie schon erwähnt, sind alle unsere Helden „tuffig und super“. Charakterschwächen oder gar ernste Probleme sucht man bei diesen Saubermännern vergebens.
  • Trotz der wie immer heftig propagierten Toleranz präsentiert uns „Enterprise“ den Menschen mal wieder als Krone der Schöpfung, und wie bei 7 of 9 ist Jolene Blalock sicher nicht gecastet worden, weil sie Abitur hat. Damit ist „Enterprise“ so chauvinistisch wie „Baywatch“.
  • Die Handlung wird immer wieder von praktischen Zufällen und wirklich bescheuertem Technobabble vorangetrieben.Wenn die Autoren nicht weiterwissen, werden halt mal wieder die Tachyonen-Strahlen durch den umgekehrten Deflektor geleitet (oder so).

Nun muß ich der Fairneß halber zugestehen, daß man keine Trek-Serie gucken darf, wenn man sich an so etwas grundsätzlich stört. Ich bin deshalb versöhnlich, weil „Enterprise“ diese Elemente zwar aufweist, aber auf ein Minimum reduziert.

Das war jetzt sehr viel Geschreibsel für eine Trek-Serie, bei der mein Urteil kürzer als bei jeder anderen ausfällt: Ansehen – ich tu’s auch.

© Torsten Dewi (Text), Paramount (Bildmaterial)

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Das wollen die männlichen, pubertierenden Trekker sehen, also her damit: die fesche Vulkanin T’Pol wird mit Gel abgeschmiert – und gönnt ihren beachtlichen „Stoßdämpfern“ echte Zuwendung.
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Die Suliban sollen wohl die neue Superrasse der Serie werden – wahrscheinlich teilen sie damit das Schicksal so untergeordneter Spezies wie der Ferengi und der Okampa.
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Der Admiral hält zum Stapellauf der Enterprise eine fette Rede – aber wer achtet schon auf den uniformierten Redenschwinger, wenn im Hintergrund das Blechmonster dümpelt?
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Dieser kleine Scheisser ist auch kein schlechterer Schauspieler als Jolene Blaylock – aber ohne Holo-Deck, wo geht Archer mit ihm Gassi?!
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Hach wie süß – die „neuen“ Ballermänner der Besatzung können eine direkte Verwandtschaft zu den „Friedensstiftern“ von Kirk und Co. kaum leugnen.
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Dr. Phlox sieht aus, als hätte man in der FX-Abteilung bei Paramount zuviel mit der „Kai’s Power Goo“ -Software herumgespielt.
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Nicht blinzeln, sonst verpasst man den Mini-Auftritt von James Cromwell als Zefram Cochrane.
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Der Heimatplanet der Klingonen sah zu Archer’s Zeiten schicker aus als in der Periode, da Picard sich dort sehen liess – und weniger rot war’s auch.
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T’Pol wird für Mr. Tucker ziemlich offensichtlich „das obskure Objekt der Begierde“.
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Bei „Enterprise“ dürfen die vulkanischen Wissenschaftsoffiziere endlich wieder in die Röhre gucken!
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Nein, T’Pol wirft Archer gerade keinen Kussmund zu – ihre Kauleiste sieht immer so aus.
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Anscheinend sind in der Zukunft alle Universitäten in den Regenwald verlegt worden, anders kann ich mir dieses digitale Matte Painting nicht erklären.

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