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Filmkritik

Filmkritik: »Batman v Superman: Dawn of Justice« (2016) – Helden, Pathos und Wahnsinn

batman_v_superman_dawn_of_justice_ver11Wenn vor dem Film bei der Pressevorführung ein kurzer Einspieler des Regisseurs Zack Snyder läuft, in dem dieser darum bittet, dass man doch bitte keine wichtigen Handlungslemente und -wendungen in seiner Berichterstattung verraten sollte, dann ist klar, dass dies zumindest für Snyder und Warner ein wichtiger Film ist. Ein Film bei dem man nichts falsch machen, und nichts dem Zufall überlassen möchte. Es geht um viel Geld (kolportiert wird ein Produktionsbudget jenseits von 400 Mio US-$, aber auch das kann PR sein) und um die Zukunft des Franchise. Warner hat zu lange zugeschaut, wie Marvel viel, viel Geld mit seinen Superhelden eingefahren hat und will nun ebenfalls (zur Not mit der Brechstange) die DC-Comichelden auf die Leinwand wuchten.

Aber ich habe bei dieser Kritik kein Problem damit die Wünsche von Warner und Zack Snyder zu berücksichtigen. Die Kritik läßt sich problemlos formulieren ohne bei der Handlung zu sehr ins Detail zu gehen und einiges haben ja bereits die Trailer verraten. Deshalb hier erst einmal die offizielle Inhaltsbeschreibung: Erstmals sind in »Batman v Superman: Dawn of Justice« die berühmten Figuren Batman und Superman gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Batman, jener überragende Streiter für Recht und Ordnung in Gotham City fürchtet, dass selbst die Aktionen eines gottähnlichen Superhelden außer Kontrolle geraten könnten, wenn er nicht ständig beaufsichtigt wird. Deshalb legt er sich jetzt mit dem meistverehrten modernen Retter in Metropolis an, während die Welt darüber streitet, welche Art Helden sie eigentlich braucht. Und da Batman und Superman nun einander bekämpfen, taucht unversehens eine neue Bedrohung auf, durch die die Menschheit in brisante Gefahren von ungeahnten Ausmaßen gerät.

Batman v Superman

Interessant ist vielleicht, wie der Film anfängt, nämlich mit der Origin-Story von Batman. Wieder einmal werden die Eltern von Bruce Wayne vor seinen Augen erschossen, wie schon in Nolans Batman-Trilogie fällt der junge Bruce in eine Höhle voller Fledermäuse. Was aber dann doch anders ist, ist der Zeitpunkt, bei dem wir hier einsteigen. Genial, wie wir in wenigen Einstellungen die weitere Geschichte dieses Batmans erfahren. Wayne Manor liegt in Trümmern, im Hintergrund ist irgendwann mal ein alter Batman-Anzug zu sehen, der vom Joker geschändet wurde. Dieser Batman macht sich keine Illusionen mehr und Ben Affleck schlüpft perfekt in diese Rolle. Er ist massig, er wirkt verbissen und gefährlich. Und an seiner Seite Jeremy Irons als Alfred, der kein Butler, sondern sein Waffenmeister ist. Das ist beeindruckend – wie so vieles in diesem Film, aber auch sehr einseitig. Dieser Batman kann nicht lachen, das Leben nicht genießen – nur kämpfen. Er nimmt keine Rücksicht auf Menschenleben und ist kein Saubermann.

Das Gegenstück dazu ist Superman, mit dem auch Zack Snyder seine Schwierigkeiten hat. Bot Superman schon in »Man of Steel« kaum mehr Mimik als eine Statue, so hat er dies nun perfektioniert. Sobald Clark Kent sein Cape umlegt, verschwindet jegliche Emotion aus ihm. Er ist humorlos, viel zu mächtig und zu perfekt. Und deshalb in der Handlung hilflos den Verschwörungen von Lex Luthor (Jesse Eisenberg) ausgeliefert und auf der Leinwand eine blutleere Figur, die kaum mehr sein kann als ein Gott. Voller Pathos in jeder Bewegung blickt er manchmal regelrecht hilflos auf die Menschen um ihn herum.

Und dazwischen Jesse Eisenberg als Lex Luthor. Irgendwo angesiedelt zwischen unglaublich nervig, wahnsinnig und böse soll er der Strippenzieher im Hintergrund sein. Der fast alles weiß (und zwar deutlich mehr als Bruce Wayne) und als kriminelles Mastermind praktisch alles kann.

Ich kann erst einmal nur wiederholen, was ich schon in der Kritik zu »Superman: Man of Steel« formuliert habe: Zack Snyder hat die Action und die Sets wie in all seinen Filmen voll im Griff, hier kann nichts schiefgehen. Daran hat sich nichts geändert, und der ganze Film zeigt eine sehr große Detailverliebheit. Batmobil, Batcave (Wow!), die Kämpfe – alles bestens. Aber auch die Sequenz, in der auf die potentiellen Mitglieder der Justice League hingewiesen wird, ist schön gemacht. Wenn Batman gegen Superman antritt, dann wirkt das tatsächlich glaubhaft und nicht wie ein Angriff einer Ameise auf einen Stahlblock. Batman als Hirn hat tatsächlich gute Ideen entwickelt, wie man gegen Superman bestehen kann.

Aber mit Figuren umgehen, das wird Zack Snyder in seinem Leben nicht mehr lernen. Denn dem Film fehlt jegliche Leichtigkeit, jede Menschlichkeit, die das Marvel-Filmuniversum so erfolgreich machten. Ja, man wollte deutlich düsterer sein als Marvel, und das ist gelungen. Aber man hat dabei die Figuren auch etwas blutleer werden lassen. Sie kämpfen angeblich für etwas, das sie aber selbst nicht kennen und nicht verstehen: die Menschlichkeit.

»Batman v Superman: Dawn of Justice« ist deshalb ein rasanter, gewaltiger Film, der aber auch stellenweise so voller Pathos steckt, dass er vor lauter Kraft und Ernsthaftigkeit kaum Laufen kann. Ob dies wie von Warner erhofft die Kinokassen klingeln lässt, bleibt abzuwarten.






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