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Filmkritik

Filmkritik: »Die 5. Welle« | »The 5th Wave« (2015)

Plakat 5thWaveWer dachte, dass Hollywood mit dem letzten Teil der TRIBUTE VON PANEM-Filmreihe auf die lukrative Cashcow der Young-Adult-Verfilmungen verzichten würde, hat sich geirrt. Nicht nur, dass für PANEM ein Prequel und Spin Offs geplant sind, darüber hinaus startet dieses Wochenende mit DIE 5. WELLE eine weitere Jugendbuchfilmadaption, basierend auf dem 2013 erschienenen Erfolgsroman von Rick Yancey.

Cassie Sullivan (Chloë Grace Moretz) ist ein All-American-Girl das mit ihrem kleinen Bruder Sammy und ihrer Familie irgendwo in den Vereinigten Staaten lebt. Eines Tages erscheint am Himmel ein Raumschiff und bald zeigt sich, dass Die Anderen – so werden die Aliens von den Menschen genannt – nichts Gutes im Sinn haben. In mehreren Angriffswellen wird nahezu die gesamte Menschheit ausgelöscht und mit der bevorstehenden 5. Welle sollen die letzten Überlebenden vernichtet werden. Cassie flieht mit ihrer Familie in ein Flüchtlingscamp und wird dort von ihrem Bruder getrennt. Nachdem ihr Vater ermordet wird, macht sie sich auf die Suche nach Sammy.

Das Buch – Teil einer Trilogie, deren letzter Band 2016 erscheinen wird – erhielt in den USA durchwegs sehr gute Kritiken. So lobte die renommierte New York Times den Roman als eines der besten Jugendbücher des Jahres 2013, das für junge Leser und Erwachsene gleichermaßen ansprechend ist. Leider ist der Film meilenweit davon entfernt und hinterlässt den Kinobesucher ratlos und gelangweilt. Die Geschichte an sich ist schon sehr dünn, denn im Grunde genommen ist DIE 5. WELLE ein schlechter Mix aus SEELEN (2013), ENDER’S GAME (2013), INDEPENDENCE DAY (1996), DIE ROTE FLUT (1984/2012) und SKYLINE (2010). Nach der gefühlten hundertsten Verfilmung läuft das Young Adult-Genre mittlerweile Gefahr sich endgültig totzulaufen, denn mittlerweile werden inhaltlich nur noch Variationen von Variationen geboten. Manches, was zu Beginn noch als Logikloch interpretiert wird, ergibt im Laufe des Films zwar (einigermaßen) Sinn, jedoch sind die Handlungsstränge und Charakterentwicklung dermaßen vorhersehbar, dass man nur auf deren Eintreffen wartet, um sich bestätigt zu fühlen.

Eine der größten Schwächen ist das Drehbuch von Susannah Grant, Aktiva Goldsman und Jeff Pinkner was an sich überrascht, denn Grant war unter anderem für 28 DAYS (2000) oder ERIN BROCKOVICH (2000) zuständig; letzteres erhielt sogar eine Oscarnominierung für das beste Drehbuch. Auch Goldsman ist kein unbeschriebenes Blatt. Neben den Skripts für I, ROBOT (2004) und THE DA VINCI CODE (2006) gewann dieser den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch für A BEAUTIFUL MIND (2001). Möglicherweise trifft auch hier die Regel zu, dass viele Köche den Brei verderben, denn was hier an platten Dialogen geboten wird, lässt einen entweder den Kopf schütteln oder vor Langweile gähnen.

Zielgruppengerecht wird natürlich auch eine zarte Romanze – die Vampirkonkurrenz hat es vorgemacht – gleich mit zwei Feschaks geboten, eingebettet in Dialoge, welche die schlimmsten Momente der TWILIGHT-Filme in Erinnerung rufen. Aber sogar das kann noch getoppt werden! Wenn die Militärkommandantin dem jungen Nachwuchs Zucht und Ordnung beibringen will, hat man den Eindruck, dass Jean-Claude Van Damme für das Drehbuch zuständig war und in solchen Momenten ist man sich nicht mehr sicher, ob man nicht doch aus Versehen in einer Parodie gelandet ist.

Der Cast macht zu Beginn noch Hoffnung, denn niemand Geringerer als Hit Girl Chloë Grace Moretz übernimmt die Hauptrolle. Ihre Filmrollen mögen nicht immer Glücksgriffe gewesen sein, aber ihre Leistungen waren meist überzeugend, egal ob im amerikanischen Mainstream oder in einer europäischen Arthouse-Produktion unter der Regie von Olivier Assayas. Sie liefert eine solide Leistung und bemüht sich redlich, doch an eindimensionalen Charakteren scheitert auch die beste Schauspielerin. Vielleicht war es auch nur die Gage oder die Hoffnung einen ähnlichen Karriereschub wie Jennifer Lawrence mit der HUNGER GAMES Reihe zu erlangen, die Chloë Grace Moretz dazu bewogen hat an dieser Produktion teilzunehmen. Auch Liev Schreibers Motivation wird kaum die künstlerische Herausforderung gewesen sein, denn seine Darstellung des Colonel Vosch, hätte auch ein beliebiger 08/15 Schauspieler zustande gebracht.

Verantwortlich für das Machwerk ist der Brite J Blakeson, der mit seinem Erstling THE DISAPPEARANCE OF ALICE CREED (2010) einen respektablen Achtungserfolg hinlegte. Eventuell ist auch Unerfahrenheit mit ein Grund für den Reinfall von THE 5th WAVE, der bisher (nach eine Pause von 6 Jahren) lediglich sein zweiter Spielfilm ist. Sollte Regisseur Blakeson – wie im Young Adult-Genre üblich – versucht haben, eine kritische Message zu transportieren ist das gründlich misslungen, denn lediglich ein paar gedrillte Kindersoldaten in den Kampf zu schicken reicht dazu nicht aus.

Dreharbeiten mit Chloë Grace Moretz (links), Regisseur J Blakeson (Mitte), Alex Roe (rechts)

Dreharbeiten mit Chloë Grace Moretz (links), Regisseur J Blakeson (Mitte), Alex Roe (rechts)

Wer nun glaubt, dass zumindest die Spezialeffekte über die Story und Inszenierung hinwegtrösten wird enttäuscht sein, denn diese sind zwar ganz passabel, doch sind 90 Prozent davon bereits im Trailer zu sehen und allzu vertraut. Tsunamis die Küstenstädte zerstören kennt man zur Genüge und das Raumschiff der Aliens sieht aus wie eine gotische Version des berühmten Mutterschiffs aus UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER DRITTEN ART (1977), mit einem ordentlichen Schuss SKYLINE (2010) und DISTRICT 9 (2009).

Für Columbia Pictures und seine Koproduzenten war die Aussicht, ein weiteres gewinnbringendes Young Adult-Franchise zu schaffen verlockend, doch mit der Präsentation von DIE 5. WELLE kann diese Hoffnung begraben werden. Eine Fortsetzung wird, nach einem vermutlich äußerst schwachen Startwochenende und einem starken Absturz in der Folgewoche, so gut wie ausgeschlossen sein. Dass es ein Rezensionsembargo bis zum Filmstart gab, bis vor kurzem nicht klar war, ob der Film in Österreich  überhaupt in die Kinos kommt und in der Schweiz (Verleih: Disney) gar nicht erst gestartet wird, zeigt schon sehr deutlich, dass auch die Verleiher keine allzu großen Erwartungen haben.

»DIE 5. WELLE« (2015)
Originaltitel: The 5h Wave
Regie: J Blakeson
Verleih DE + AT: Sony Pictures
Kinostart DE + AT: 14. Jänner 2016
FSK DE: ab 12 Jahren
Zensur AT: ab 14 Jahren
Länge: 117 Minuten
Deutsche Homepage: http://www.die5welle.de/

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