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Filmkritik

Filmkritik: »Die Mumie« (2017) – Der Fehlstart des Dark Universe

Poster The Mummy
Vor Jahrhunderten war Ahmanet (Sofia Boutella) eine furchtlose Kriegerin. Es war ihr bestimmt, der erste weibliche Pharaonin und Erbin des Throns ihres Vaters zu sein, aber als der König dann doch einen Sohn zeugte, wurde sie verstoßen. Der Verrat trieb sie in den Wahnsinn und sie wurde von den Menschen, die ihre einst ewige Loyalität geschworen hatten, eingekerkert und lebendig bestattet. Ihr Schicksal? Aus den Geschichtsbüchern gestrichen zu werden. Nachdem sie zufällig von der britischen Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) und dem Glücksritter Nick Morton (Tom Cruise) und seinem Freund Chris Vail (Jake Johnson) erweckt wurde, macht sich dieses außergewöhnliche und originelle Monster daran, ihr gestohlenes Königreich wiederzuerlangen und ihren Thron als Pharaonin einzunehmen. Mit zunehmender Macht bindet sich die seltsame und verführerische Ahmanet immer mehr an Nick und verflechtet so ihre beiden Schicksale. Nick ist aber auch der Einzige, der sie daran hindern kann, die gesamte Menschheit zu versklaven…

Mit seiner neuen Version der »Mumie« (OT: »The Mummy«) will Universal seine »Dark Universe«-Filmreihe rund um die legendären Universal-Monster starten. Ein Logo dafür hat man bereits gestaltet und an den Anfang des Films gestellt. Ob das wirklich eine gute Idee war, sei mal dahingestellt. Während Tom Cruise und Sofia Boutella in »Die Mumie« die Hauptrollen spielen, kann sich die Filmwelt auf Javier Bardem als Professor Frankenstein in »Bride of Frankenstein« (OT) freuen, für den Bill Condon als Regisseur bestätigt wurde. Johnny Depp wird in »The Invisible Man« (OT) die Titelfigur verkörpern. Dreh- und Angelpunkt des Monster-Universums ist aber die Geheimorganisation namens »Prodigium«, die in allen Teilen des Franchises übernatürliche, gefährliche Kreaturen erforscht und – falls nötig – ausschaltet. Russell Crowe als Dr. Jekyll fungiert als Kopf dieses mysteriösen Unternehmens. Und natürlich spielen Prodigium und Dr. Jekyll schon in »Die Mumie« eine wichtige Rolle.


Das der Film ein Problem hat, war bereits zu erahnen, als der Verleih die Termine für die Pressevorführungen auf genau eine Tag vor dem offiziellen Starttermin legte und gleichzeitig ein Embargo für die Veröffentlichung jeglicher Kommentare und Kritiken zum Film bis 00:01 Uhr des Tags des offiziellen Kinostarts verhängte. Oder anders ausgedrückt: Der Verleih lud zwar zur Pressevorführung ein, wollte aber gleichzeitig verhindern, dass vor dem Kinostart auch nur eine Kritik zum Film erscheint. Nach etwa zehn Minuten Film konnte ich allerdings sehr gut verstehen, warum man sich dazu entschieden hatte das Embargo auszusprechen. Es war der Moment, als Tom Cruise seinen ersten Auftritt als Nick Morton hatte und wie ein verblödeter Idiot und Angsthase über die Leinwand sprang und einen unsäglichen Dialog mit seinem noch dümmeren Sidekick Chris Vail führte. Mal ganz ehrlich, wer auch immer die grandiose Idee hatte, Tom Cruise hier als eine Kreuzung aus Draufgänger, Dummschwätzer und Kleinkriminellen auf Speed auftreten zu lassen, hat mit dieser Entscheidung den Film ruiniert. Dass die Mumie als Bedrohung eher zahm bleibt, Annabelle Wallis als britische Archäologin aussieht, als wäre sie gerade aus den 1980ern hergebeamt worden und diese ganze Prodigium-Geschichte natürlich immer noch wie ein Abklatsch der »League of Extraordinary Gentlemen« wirkt, ist dagegen belanglos. Das ruiniert so einen Film nicht. Aber ein Hauptdarsteller, der blöd grinsend durchs Bild läuft und ziemlich dumme Dialoge führen muss, schon. Erst wenn man den Film gesehen hat, versteht man auch wie geschickt der Trailer geschnitten wurde, um zu vermeiden auch nur eine dieser Szenen zu zeigen.

Wie und weshalb Universal dieses Desaster so produzierte bleibt unklar. Wollte man vielleicht tatsächlich sein »Dark Universe« wie eine »lustige« Abenteuerfilmreihe der 1980er wirken lassen? Mal was anderes wagen als Marvel und DC? Mal was lustiges, albernes, nicht perfektes probieren? Einen Film, der eher Mitleid hervorruft und am ehesten noch als Trash durchgehen kann? Ich weiß es nicht. Ich hatte aber zumindest bis zuletzt die Hoffnung, dass Universal diese Idee gut umsetzt und irgendwie was originelles produziert. Vielleicht bin ich auch zu alt dafür und man muss 12 Jahre alt sein um das cool zu finden. Ich befürchte aber, dass es diese 12-jährigen nicht mehr gibt heutzutage. Und auch niemand mehr eine »Verwandlung« von Dr. Jekyll in einen Mr. Hyde beeindruckend finden, bei der Russell Crowe nur eine etwas dunklere Hautfarbe annimmt.



Die Mumie (OT: »The Mummy«)
Besetzung: Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Marwan Kenzari und Russell Crowe
Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: David Koepp, Christopher McQuarrie und Dylan Kussman
Produktion: Alex Kurtzman, Chris Morgan, Sean Daniel und Sarah Bradshaw

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