Filmkritik: »Edge of Tomorrow« (2014) – Tom Cruise auf dem langen Weg zum Endgegner

Die nahe Zukunft: Mit unerbittlicher Härte fällt eine außerirdische Spezies über die Erde her – keine Armee der Welt kann sie aufhalten. Das europäische Festland scheint verloren, doch eine internationale Armee versucht von Großbritannien aus Europa zurückzuerobern. Ein überraschender Erfolg nach vielen verlorenen Schlachten gelingt dabei der Soldatin Sgt. Rita Vrataski (gespielt von Emily Blunt) in ihrem Kampfanzug, der es gelingt mehr Mimics zu töten, als es je anderen gelang. Sie ist die in der Öffentlichkeit als »Engel von Verdun« gefeierte Kriegsheldin, während ihre Kameraden sie eher als »Full Metal Bitch« bezeichnen. Voller Hoffnung aufgrund dieser gewonnen Schlacht startet man eine Großoffensive gegen die Aliens, die Landung in der Normandie steht direkt bevor….

Der Gegner: Die Mimics sehen aus wie Bündel aus Tentakeln, sie sind blitzschnell und absolut tödlich. Die Außerirdischen haben Europa regelrecht überrollt. Die Soldaten tragen deshalb Kampfanzüge, mechanische Exoskelette mit schwerer Bewaffnung, die ihnen zumindest eine minimale Chance im Kampf gegen die Aliens ermöglichen.

Der Held, ein Angeber: Major William Cage (Tom Cruise) ist ein cleverer PR-Offizier der US Army – er hat diesen Job angenommen, weil seine Karriere in der Werbebranche aufgrund der weltweiten Krise stagniert. Als Schreibtischtäter hat er sich nie eine Verletzung zugezogen – ja, er kann nicht einmal Blut sehen. Als er plötzlich den Befehl bekommt, mit den UDF-Truppen im Zuge einer letzten Offensive – die ironischerweise Operation Untergang heißt – an der Front zu kämpfen, ist er nicht nur völlig unvorbereitet, sondern auch starr vor Angst. Cage wird innerhalb weniger Minuten getötet, landet aber unbegreiflicherweise in einer Zeitschleife, die ihn dazu verdammt, dasselbe grausige Gefecht ständig aufs Neue zu durchleben: Wieder und immer wieder muss er kämpfen und sterben …
Doch mit jeder Auseinandersetzung gewinnt Cage an Erfahrung und reagiert immer versierter auf die Gegner, wobei ihn die Kämpferin Rita Vrataski (Emily Blunt) von den Special Forces tatkräftig unterstützt. Indem sich Cage und Rita dem Kampf gegen die Außerirdischen stellen, ergibt sich aus jedem wiederholten Einsatz eine neue Chance, die Alien-Invasoren zu überwinden.

Edge of Tomorrow (3D)  Copyright: © 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.

Caption: BRENDAN GLEESON als General Brigham and EMILY BLUNT (Monitor) als Rita, Photo Credit: David James
Edge of Tomorrow (3D) Copyright: © 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.



In vielen Filmkritiken wird »Edge of Tomorrow« mit »Und täglich grüßt das Murmeltier« verglichen. Das ist nicht ganz falsch, denn filmisch und in Bezug auf die Art und Weise, wie uns die Geschichte von William Cage (Tom Cruise) erzählt wird, passt das eigentlich ganz gut. William Cage durchläuft die Invasion an der Normandie immer und immer wieder – manchmal scheitert er an seiner Dummheit, manchmal an unerwarteten Problemen. Mancher Durchlauf dauert für uns nur einige Sekunden – ein Fehler, Reset, zurück zum Start der Zeitschleife. Cage muss schließlich alles lernen: Wie man mit einem Exoskelett kämpft, wie man die Waffen bedient und wie man überhaupt die ersten Sekunden nach der Landung in der Normandie überleben kann (die Landung erinnert in ihrer Inszenierung übrigens an die entsprechende Szene aus »Saving Private Ryan« – es ist weniger ein Kampf, als vielmehr ein Gemetzel). Während Bill Murray aber nach einem Weg sucht, der Schleife zu entfliehen, ist für Cage die Zeitschleife die Rettung, denn er sucht nach einem Weg den Krieg für die Menschheit zu gewinnen. Bill Murray erwacht automatisch immer wieder am selben Morgen – Tom Cruise aber stirbt tausend Tode um zum Start zurückzukehren.

Edge of Tomorrow (3D)  Copyright: © 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.
Edge of Tomorrow (3D) Copyright: © 2014 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC.



Deshalb ist ein anderer Vergleich passender, der auch die Schwächen der Geschichte aufzeigt: »Edge of Tomorrow« erinnert im Aufbau an eines der alten Computerspiele, bei denen man den Spielstand nicht speichern konnte und beim Tod seiner Spielfigur einfach wieder von vorn beginnen musste. Denn genau das ist das Schicksal von Cage – er muss immer wieder von vorn beginnen, jeder kleine Etappenerfolg, den er erreicht hat, ist am nächsten Tag weg und er muss von vorn beginnen. Ihm bleibt nur die Möglichkeit aus seinen Fehlern zu lernen und es im nächsten Durchgang besser zu machen. Und dies immer und immer wieder… Und wie bei einem Computerspiel erwartet ihn schlussendlich ein Endgegner, der unbesiegbar erscheint.

Originalität abseits von der Grundidee darf man hier deshalb nicht erwarten, aber dafür ist die Umsetzung perfekt. Die Kampfszenen sind ebenso gelungen, wie die schauspielerische Leistung von Tom Cruise und Emily Blunt. Aber man sollte nicht über die Idee nachdenken, die eigentlich zur Zeitschleife führt, denn viel kann man hier nicht erwarten. Das Phänomen wird zwar begründet (William Cage »badet« wie einst Siegfried ihm Blut eines besonderen Mimics), aber logisch ist das Konzept selbst im Rahmen eines Science-Fiction-Filmes deshalb noch lange nicht. Aber egal: Der Film funktioniert trotzdem wunderbar.







Kinoposter Edge of Tomorrow

»Edge of Tomorrow« (2014)
Regie: Doug Liman
Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Bill Paxton, Brendan Gleeson
Produzenten Erwin Stoff, Tom Lassally, Jeffrey Silver, Gregory Jacobs, Jason Hoffs
Drehbuch: Christopher Mcquarrie, Jez Butterworth & John-Henry Butterworth
Nach Der Kurzgeschichte »All You Need Is Kill« von Hiroshi Sakurazaka
Executive Producers: Doug Liman, David Bartis, Joby Harold, Hidemi Fukuhara und Bruce Berman
Kamera: Dion Beebe
Produktionsdesign: Oliver Scholl
Schnitt: James Herbert
Deutscher Filmstart: 29. Mai 2014
Laufzeit: 113 Min., freigegeben ab 12 Jahren

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