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Filmkritik

Filmkritik: Hollow Man – Unsichtbare Gefahr

Sebastian Caine ist ein genialer Wissenschaftler, der mit seinem Forschungsteam im Auftrag des Militärs die Möglichkeit erforscht einen Menschen auf Zeit unsichtbar zu machen. Caine stellt sich als Versuchsobjekt zur Verfügung und schafft es tatsächlich unsichtbar zu werden. Doch die Umkehr des Prozesses macht überraschend Probleme und Caine erliegt seinen Machtgelüsten. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen einen Unsichtbaren beginnt. Deutschlandstart: 12. Oktober 2000.

Hollow Man - Das Poster
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Dr. Sebastian Caine (Kevin Bacon) ist ein junger, erfolgreicher Wissenschaftler, der ein Forschungsteam leitet, daß die Möglichkeit untersucht ein Lebewesen zuerst unsichtbar, und dann auf Wunsch auch wieder sichtbar zu machen. Dabei hat sich die Unsichtbarkeit nicht als erntshaftes Problem herausgestellt, sondern die Umkehr der Prozesses stellt die Wissenschaftler noch vor Rästel. Da plötzlich hat Sebastian – ausgelöst durch seine schöne Nachbarin, die immer die Jalousien schließt, bevor sie sich auszieht – eine Idee…

Ein Test bringt den Erfolg: Isabel, ein Gorilla-Weibchen, daß unsichtbar gemacht wurde, und immer wieder auszubrechen versucht, wird durch das neue Präparat tatsächlich wieder sichtbar!

Caine, in dessen Team auch seine ehemalige Freundin Dr. Linda McKay (Elisabeth Sue) und deren neuer Freund Dr. Matthew Kensington (Josh Brolin) arbeiten, hält allerdings bei einer Besprechung im Pentagon überraschenderweise mit dieser Erfolgsmeldung zurück. Sein Wunsch ist es zuerst noch ein Experiment am Menschen erfolgreich durchzuführen, bevor er das Projekt und seine Ergebnisse an das Militär übergibt. Seine Partner sind nicht besonders überrascht, als sich Caine slebst als Versuchsobjekt zur Verfügung stellt.

Dr. Sebastian Caine (Kevin Bacon), (c) Columbia TriStar

Im geheimen und unterirdisch gelegenen Versuchslabor nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Caine injiziert sich unter Aufsicht seiner Kollegen das Serum, daß ihn unsichtbar machen wird. Zuerst scheint keine Wirkung einzutreten, doch dann passiert es: Seine Behaarung verschwindet, die Haut zieht sich scheinbar zurück und der Blick auf die Organe wird frei. Blutgefäße, Muskeln und Fettgewebe werden sichtbar, bevor auch sie verschwinden und nur noch das reine Skelett übrig bleibt, das sich schließlich auch aufzulösen scheint… Caine ist unter vielen Schmerzen zum unsichtbaren Mann geworden!

Unsichtbar, (c) Columbia TriStar
Ja, wo isser denn hin?

Ein großartiger wissenschaftlicher Erfolg für Caine, doch dann kommt schlagartig die Ernüchterung: als man ihm nach drei Tagen das Präparat zur Wieder-Sichtbarmachung einspritzt, kommt es zu einem gefährlichen Kollaps, und Caine wird nur kurz wieder teilweise sichtbar, bevor er unsichtbar bleibt. Das Mittel scheint bei Menschen nicht zu wirken!

Latex, (c) Columbia TriStar
Eine Latex-Gesichtsmaske verhilft Caine wieder zu einem Gesicht.

Dabei leidet Sebastian bereits erheblich unter seiner Unsichtbarkeit. Er ist gefangen in seinem unterirdischen Labor und von der Hilfe seiner Kollegen abhängig. Langsam aber sicher erkennt er aber auch die Macht, die er durch seine Unsichtbarkeit besitzt. Heimlich bricht er aus dem Labor aus und fährt nach Hause. Dort fällt sein Blick wieder auf die Wohnung gegenüber, in der seine schöne Nachbarin sich gerade zu entkleiden beginnt…

Sein Team will mittlerweile das Pentagon über das gescheiterte Experiment informieren, doch Sebastian Caine kann und will das nicht zulassen – der Kampf beginnt!

Weitere Informationen
HOLLOW MAN (2000)
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: Andrew W. Marlowe, nach einer Idee von Gary Scott Thompson und Andrew M. Marlowe
Schauspieler: Elisabeth Sue, Kevin Bacon, Josh Brolin, Kim Dickens, Greg Grunberg, Joey Slotnick, Mary Randle, William Devane, u.a.
Produzenten: Douglas Wick und Alan Marshall
Leitung Visual Effects: Scott E. Anderson
HOLLOW MAN
– die offizielle deutsche Website zum Film
Weitere Informationen

Regisseur Paul Verhoeven hat sich mit „Hollow Man“ wieder einmal an ein Filmthema herangewagt, daß sehr aufwendige Spezialeffekte erforderte. Besonders die Aufnahmen, in denen sich der Körper des Gorillas oder von Caine langsam auflöst und später wieder sichtbar wird, sind wirklich beeindruckend und sehenswert. Aber auch der „Unsichtbare“ ist durch die geschickte Inszenierung und vielen Tricks immer wieder in Umrissen für den Zuschauer sichtbar – egal ob nun durch eine Latexmaske, Nebel oder Wasser.

Kevin Bacon musste als Hauptdarsteller deshalb auch viele unangenehme Prodzeduren auf sich nehmen, denn auch in den meisten Szenen in denen er nur „unsichtbar“ ist, stand er – z.B. komplett blau angestrichen – vor der Kamera. Die Wirkung ist nicht zu übersehen, denn die anderen Schauspieler agieren weniger ins Leere (»Und jetzt sprichst du mit dem nicht Unsichtbaren, der ungefähr hier steht.«) und alles wirkt sehr gelungen.

Leider aber läßt Verhoeven auch in „Hollow Man“ seinen Vorlieben freien Lauf. Gewalt und Sex sind wieder einmal zwei zentrale Punkte, während die Logik sehen muß wo sie bleibt. Zwar erspart uns Verhoeven eine explizite Vergewaltigungsszene, aber dafür darf Caine scheinbar beliebig an Brüsten kneten und blutige Morde begehen. Logische Plotholes sind zuhauf vorhanden, denn Caine kann als Unsichtbarer zwar z.B. nur schlecht schlafen, da seine Augenlider durchsichtig geworden sind, doch eigentlich müsste er auch blind sein, denn das Licht durchdringt ja nun seine Augen auch ohne Widerstand. Und die Erklärung, wie er als Unsichtbarer das Gerät zum Auslesen des Fingerabdrucks umgeht, bleibt uns Verhoeven auch kommentarlos schuldig.

Latex 2, (c) Columbia TriStar

»Hollow Man« dauert in der Kinofassung 110 Minuten, doch erst nach ca. einer Stunde beginnt der eigentliche Konflikt. Alles andere zuvor ist eine zwar unterhaltsame, aber doch viel zu lang geratene Einleitung. Aber auch beim Showdown wären deutlich Abstriche nötig gewesen, denn da ist einiges unglaubwürdig und überzogen geraten…

Leere Decke, (c) Columbia TriStar
Der Unsichtbare und Dr. Linda McKay (Elisabeth Sue)

Fazit: Paul Verhoeven beweist wieder einmal, daß er perfekte Spezialeffekte inszenieren und realisieren kann, daß er jedoch unfähig ist auch eine vernünftige Geschichte um diese Effekt- und Actionszenen herum zu erzählen. Alles reduziert sich wieder einmal auf die beiden Punkte Sex und Gewalt und das reicht auch in diesem Fall nicht, um den Film zu mehr als einer nicht wirklich ernstzunehmenden Trickshow zu machen. Natürlich sind die Spezialeffekte sehenswert, aber der Rest ist nur Mittelmaß. Und die fragwürdige Botschaft, daß man mit der Unsichtbarkeit auch von allen moralischen Zwängen befreit wird, ist hier höchst übertrieben dargestellt.

© Florian Breitsameter (Text), Columbia TriStar (Bildmaterial)

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