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Filmkritik: »Marvel’s The Avengers« (2012) – Joss Whedon läßt’s krachen!

Als nach den Credits von »Iron Man« in einer kurzen Szene Samuel L. Jackson als Nick Fury einen Gastauftritt hatte und Tony Stark einlud, am »Avengers«-Projekt teilzunehmen, war den Fans des Marvel-Universums klar, dass die Verantwortlichen des neu gegründeten Marvel Filmstudios etwas Einmaliges planen könnten – einen Kinofilm mit dem legendären Superhelden-Team »The Avengers« (im dt. eigentlich nur als »Die Rächer« bekannt). Knapp vier Jahre und vier Filme später, in denen uns der Hulk, Thor und Captain America vorgestellt wurden (hier ist dazu eine Aufstellung mit allen Filmen und den wichtigsten Stationen zu finden), ist es nun tatsächlich soweit: die »Avengers« kommen ins Kino. Die eigentlich äußerst undankbare Aufgabe, aus den Figuren, die einzeln im Kino erfolgreich waren, nun ein Team zu formen, das auch gemeinsam auf der Leinwand funktionieren kann, übernahm dabei Regisseur und Drehbuchautor Joss Whedon (»Buffy – Die Vampirjägerin«, »Firefly«).

Zu diesem Superhelden-Team gehören bei der Kinoumsetzung Captain America, Thor, Iron Man, der Hulk, Hawkeye, Black Widow und natürlich S.H.I.E.L.D.-Chef Nick Fury. Also eine lange Zeit eingefrorene Ikone des amerikanischen Kampfes gegen die Nazis, ein nordischer Gott, ein Wissenschaftler, der sich in ein grünes Monster verwandeln kann – unbesiegbar, aber auch nicht besonders schlau, ein perfekter Bogenschütze und eine Geheimagentin.

Kinoposter Avengers


Aber worum geht’s eigentlich genau bei den »Avengers«? Ein Experiment mit dem Kosmischen Würfel – auch Tesserakt genannt – geht schrecklich schief. Nick Fury (Samuel L. Jackson), führender Kopf der mächtigen internationalen Friedensorganisation S.H.I.E.L.D., sieht sich gezwungen, das eine Team zusammenzustellen, das die Welt vor dem Absturz in die Katastrophe bewahren kann, und beginnt eine den Erdball umfassende, nie dagewesene Rekrutierungsaktion. Denn Thors rachsüchtiger Bruder Loki (Tom Hiddleston), der dank des Kosmischen Würfels über unbegrenzte Macht verfügt, bedroht den Weltfrieden und die globale Sicherheit.
Doch bevor Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Black Widow (Scarlett Johansson), Hulk (Mark Ruffalo), Captain America (Chris Evans) und Hawkeye (Jeremy Renner) als ultimatives Dreamteam auch nur die Chance zur Gegenwehr bekommen, müssen die Superhelden von Fury und seinem Vertrauten Agent Coulson (Clark Gregg) überzeugt werden, miteinander zu arbeiten – und nicht gegeneinander … Und Loki ist kein Gegner, den man unterschätzen sollte – denn er hat mächtige Verbündete.

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Die Aufgabe, die Joss Whedon hatte, war, diese unterschiedlichen Figuren zu fassen und um sie herum eine Geschichte zu erzählen, die all diesen aus den Vorgängerfilmen bekannten Einzelcharakteren die Chance gibt, auch im Team ihre jeweiligen filmischen Stärken auszuspielen. Und tatsächlich ist Joss Whedon genau das gelungen. Denn wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann ist es allenfalls die Tatsache, dass hier fast schon zuviel Handlung in 140 Minuten gesteckt wurde und anscheinend die eine oder andere Szene dem Zwang, eine bestimmte Laufzeit einzuhalten, zum Opfer gefallen ist. Ansonsten aber spielt Joss Whedon fast perfekt mit den Stärken der unterschiedlichen Figuren: Robert Downey jr. darf als Tony Stark wie im ersten »Iron Man«-Film seine große Klappe aufreißen und Coolness ausstrahlen (und auch hier hört er gerne Heavy Metal in seinem Anzug), Chris Hemsworth ist immer noch der nordische Donnergott, der sich für unbesiegbar hält, und Chris Evans spielt fast perfekt den gerade erst aufgetauten Captain America, der sich in der Jetztzeit immer noch ein wenig fremd fühlt. Eine besondere Freude ist es aber zu sehen, dass Mark Ruffalo als dritter Schauspieler, der mittlerweile in einem Kinofilm Bruce Banner spielt, nun Dank der Motion Capture Technologieals auch dem CGI-Hulk so viel Leben und Mimik einhauchen kann, dass nun erstmals sowohl der Wissenschaftler, aber auch das grüne Monster mit den anderen Figuren mithalten können. Dass Scarlett Johansson als Black Widow sehenswert ist, muss wohl kaum extra erwähnt werden, oder?

»Marvel’s The Avengers « ist selbstverständlich ein Actionfilm, bei dem es mächtig kracht. Da prügelt sich Thor mit Iron Man, dann Iron Man mit dem Hulk, Thor mit Captain America und schließlich treten alle gemeinsam gegen außerirdische Angreifer an und schlagen nebenbei halb New York zu Klump. Das könnte stinklangweilig sein (und in der Tat sind solche Prügelorgien im Comic oft nicht besonders spannend) oder eine hirnlose CGI-Orgie wie in den Transformers-Filmen, wenn nicht jede Menge gut Schauspieler und ein brillantes Drehbuch dafür sorgen würden, dass sowohl die Figuren funktionieren, aber dadurch auch die Handlung vorangetrieben wird. Und natürlich kommen hier auch die ausgefeilten Dialoge von Joss Whedon zum Tragen, die für eine ganze Reihe Lacher sorgen. Wunderbar, wenn der Hulk Loki zeigt, wie wenig Respekt er vor ihm als Gott hat. Oder wenn Cap Hulk den Auftrag gibt »Hulk Smash!«, Iron Man und Cap tatsächlich wie im Comic das perfekte Team bilden, usw. usf.

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Es ist wirklich eine wahre Freude zu sehen, wie sehr Joss Whedon es verstanden hat, den Schauspielern die richtigen Worte in den Mund zu legen und sie so agieren zu lassen, dass aus den einzelnen Helden am Ende tatsächlich ein glaubhaftes Superhelden-Team wird! Da verzeiht man es ihm dann auch, dass die Königsstraße in Stuttgart im Film kein bisschen wie die echte Königsstraße aussieht…

Noch ein Hinweis: Natürlich lohnt es sich wieder, bis etwa zur Mitte der Credits sitzenzubleiben, denn auch in diesem Film bekommen wir wieder eine kleine Vorschau auf kommende Ereignisse, oder besser gesagt: auf den nächsten Gegner der Avengers!

»Marvel’s The Avengers« (2012)
Regie und Drehbuch: Joss Whedon
Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Evans, Mark Ruffalo, Chris Hemsworth, Scarlett Johansson, Jeremy Renner, Tom Hiddleston, Stellan Skarsgård, Samuel L. Jackson
u.v.a.
Deutscher Kinostart: 26. April 2012
Im Verleih von Walt Disney Studios Motion Pictures Germany
– in Disney Digital 3DTM –
www.theavengers-derfilm.de


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