Filmkritik: »Matrix Revolutions« (2003)

Nachdem sich Neo (Keanu Reeves) im Finale von »Matrix Reloaded« nach seinem Ausflug zum Architekten der Matrix wieder in der realen Welt befand, wurde er nach einem aufreibenden Kampf gegen die Maschinenwächter bewußtlos.

Matrix Revolutions
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Nun treibt Neos Bewußtsein im Niemandsland zwischen Matrix und Maschinenwelt. Während Trinity (Carrie-Anne Moss) den im Koma liegenden Neo bewacht, muß Morpheus (Laurence Fishburne) die Erkenntnis verarbeiten, daß der Eine, auf den er seinen Glauben, sein gesamten Leben gesetzt hat, auch nur ein weiterer Kontrollmechanismus ist, den sich die Architekten der Matrix ausgedacht haben.

In »Matrix Revolutions«, dem letzten Kapitel der »Matrix«-Trilogie, mündet der epochale Kampf zwischen Mensch und Maschine in sein Finale: Verzweifelt versuchen die Zion-Soldaten mit Hilfe mutiger Zivilisten wie Zee (Nona Gaye) und Kid (Clayton Watson) die Invasion der Wächter zu stoppen, die sich schier unaufhaltsam in ihre Festung bohren. Angesichts der drohenden Katastrophe kämpfen die Bewohner der letzten menschlichen Bastion nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern um die Zukunft der gesamten Menschheit.

Was sie nicht wissen können: Ihre Kräfte werden von innen unterminiert. Das außer Kontolle geratene Programm Smith (Hugo Weaving) hat das Hovercraft-Besatzungsmitglied Bane (Ian Bliss) übernommen und je mehr Zeit vergeht, desto mächtiger wird Smith.

Nicht einmal die Maschinen können ihn mehr im Zaum halten, und schon bald droht er damit, nicht nur die reale Welt und die Matrix, sondern auch das Maschinenimperium zu vernichten. Ein letztes Mal gibt deshalb das Orakel (Mary Alice) Neo Ratschläge – er akzeptiert sie in dem Wissen, daß sie ebenfalls einem Programm entstammen: Sie könnten ebenso Täuschung sein wie alles andere im gewaltigen Konzept der Matrix.

Und während in Zion der Kampf gegen die Wächter verloren scheint, dringen Neo und Trinity weiter vor, als die Menschen es je gewagt haben: über die Ruinen der Erdoberfläche bis ins Herz der bedrohlichen Maschinenstadt. Im mechanischen Konvolut dieser gigantischen Metropolis stellt sich Neo der entscheidenden Macht der Maschinenwelt – dem Deus ex machina.

Heute Nacht wird der Krieg enden. Doch wie soll Neo gegen die geballte Macht von Agent Smith bestehen, der immer noch mehr Bewohner der Matrix in seine Gewalt bringt…? Aber noch immer gilt: Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende!

Hugo Weaving als Agent Smith, (c) Warner Bros.
Hugo Weaving als Agent Smith ist bereit zum Endkampf

Nach »Matrix Reloaded« blieben viele Fragen offen. Warum kann Neo nun auch in der realen Welt die Maschinen beeinflussen? Schaffte er überhaupt jemals den Übergang in die reale Welt, oder ist dies nur ein weiterer Level der Matrix? Und warum wurde in »Matrix Reloaded« so unglaublich viel Unsinn gelabert?

Manche dieser Fragen werden in »Matrix Revolutions« beantwortet, andere nicht. So bleibt es wohl ein für alle Mal offen, welche Kräfte Neo nun wirklich zum »Auserwählten« werden lassen, und warum er auch außerhalb der Matrix Einfluß auf die Wächter nehmen kann. Für viele Fans, die sich nach »Matrix Reloaded« in den Internetforen die Köpfe heiß redeten, was wohl der Grund dafür sei, ist dies wohl eine arge Enttäuschung. Aber obwohl »Matrix Revolutions« direkt an »Matrix Reloaded« anschließt, entwickelt er sich bald anders und wird zu einem handfesten Actionstreifen. Nicht zuletzt deswegen stellt man sich als aufmerksamer Zuschauer nach dem Abspann auch die Frage, worum denn nun unbedingt zwei Kinofilme nötig waren, um die Geschichte von Neo, Trinity und Agent Smith zu Ende zu erzählen. Wozu mußte man sich die vielen sinnentleerten Worte eines Schlüsselmeisters, Merowingers, Trainmasters und eines Architekten anhören, wenn sich schlußendlich herausstellt, daß man die Geschichte auch ohne diese Streckenposten einer nervigen Schnitzeljagd durch die Matrix hätte erzählen können? Die Antwort darauf lautet leider, daß ohne diesen ganzen Hindernislauf viele der mit riesigem technischem Aufwand gedrehten Actionszenen keine Existenzberechtigung mehr gehabt hätten und noch unmotivierter in die Handlung eingebettet gewesen wären.

Trinity

Auffällig wird dies auch noch zuletzt zu Beginn von »Matrix Revolutions«, wenn unsere wackeren Kämpfer Seraph, Trinity und Morpheus auf ihrer Suche nach Neo die Matrix durchstreifen und mit viel Ballerei und Kung Fu in den Club Hell stürmen… dabei aber letztlich kaum in der Geschichte weiterkommen und eigentlich nur die Lobby-Szene aus dem ersten Matrix-Film nachspielen.

Da ist es durchaus eine willkommene Abwechslung, daß in »Matrix Revolutions« viele der Actionszenen eben NICHT in der Matrix spielen und dem Zuschauer mehr geboten wird, als nur eine Kung Fu-Prügelei an Drähten nach der anderen.

Aber so sehr der Angriff der Wächter auf Zion und der verzweifelte Abwehrkampf mit den BattleMech-ähnlichen APUs auch optisch überwältigend inszeniert ist, so bleibt trotzdem das Problem, daß es auch den Wachowski-Brüdern nicht gelingt, um all diese Spezialeffekte herum auch noch eine fesselnde und interessante Geschichte zu erzählen. So aber sehen wir unsere Helden leiden und sterben und fühlen dabei nichts… außer vielleicht Enttäuschung über die platten Worte, die schnell zwischen zwei Explosionen gewechselt werden.

Fazit: Zusammen mit seinem Vorgänger »Matrix Reloaded« bedeutet »Matrix Revolutions« sicher eine Revolution im Bereich Spezialeffekte. Aber für die Handlung wäre es wahrscheinlich besser gewesen, wenn man die beiden Filme stark gekürzt und zu einem zusammengefasst hätte.

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