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Filmkritik

Filmkritik: »Planet der Affen« (2001)

Am 27. Juli 2001 ist es in den USA soweit: die Affen erstürmen wieder die Leinwand!
33 Jahre nach der ersten Verfilmung des Romans »Le planète de singes« des französischen Autors Pierre Boulle (1912-94), die uns mit der halb vergrabenen Freiheitsstatue eine der einprägendsten Szenen der Filmgeschichte bescherte, kehrt Hollywood mit Tim Burton zum »Planet der Affen« zurück. – Deutschlandstart: 30. August 2001
Poster, (c) 20th Century Fox

Die Romanvorlage von Pierre Boulle schildert die Reise eines französischen Journalisten zu einem fremden Planeten, auf dem er eine erschreckende Erkenntnis macht: die dort lebenden Menschen sind in ein primitives Stadium zurückgefallen, und intelligente Affen haben ihre zurückgelassene Zivilisation einfach übernommen. Boulles Helden gelingt es die Affen von seiner Intelligenz zu überzeugen, und schließlich auch – zusammen mit der ehemaligen Wilden namens Nova – den Planet der Affen zu verlassen. Doch als er nach seiner viele Jahre dauernden Reise endlich zur Erde zurückkehrt, macht er dort eine erschreckende Entdeckung…

Vieles läßt vermuten, daß Tim Burton und der Drehbuchautor William Broyles Jr. den Roman von Pierre Boulle gelesen haben, denn so sieht ihre Geschichte vom »Planet der Affen« aus: Im Jahre 2029 ist Leo Davidson (Mark Wahlberg) als Astronaut an Bord der Raumstation Oberon für das Flugtraining der Schimpansen zuständig. Denn die Oberon erforscht eine seltsame temporale Verwerfung im Weltall und man will kein Menschenleben dabei riskieren, sondern nur mit Affen besetzte Raumsschiffe aussenden.

Als es dann aber tatsächlich zum Einsatz kommt, und die Sonde samt Schimpanse urplötzlich vom Bildschirm verschwindet, hält nichts Leo zurück: er will einen Affen retten, der so tapfer losgeflogen ist.

Schimpanse und Leo, (c) 20th Century Fox

Leo fliegt trotz Prostesten aus der Zentrale los und folgt der Spur des anderen Shuttles. Der temporale Strudel erfaßt ihn und schickt ihn – wie man einer wild laufenden Datumsanzeige erkennt – in die Zukunft. Und plötzlich erscheint direkt vor ihm ein Planet mit vielen Monden! Leo kommt mit seinem Schiff der Atmosphäre zu nahe und stürzt in einer atemberaubenden Szene ab und landet mitten in einem Dschungel. Und kaum, daß er aus seiner in einem kleinen See versunkenen Kapsel aussteigt und einmal durchatmet, befindet er sich mitten in einer Treibjagd – doch es sind wild aussehende Gorillas und Schimpansen, die hier in Felle gekleidete Menschen jagen. Leo sieht kurz jemand, der der Anführer der Menschen zu sein scheint (Kris Kristofferson) und seine schöne Tochter Daena (Estella Warren), doch dann schließlich wird auch er gefangen und in die Stadt der Affen gebracht. Das Abenteuer beginnt!

 

Daena, Leo und Ari, (c) 20th Century Fox

Daena (Estella Warren), Leo Davidson (Mark Wahlberg) und Ari (Helena Bonham Carter)


Legte Tim Burton bei »Sleepy Hollow« und »Edward mit den Scherenhänden« noch viel Wert auf eine deutlich
sichtbare Künstlichkeit des Szenarios, so ist ihm mit »Planet der Affen« genau das Gegenteil gelungen: nicht nur die Affen, sondern auch ihre Welt sieht verblüffend echt aus. Obwohl natürlich die Schimpansen im Film so groß wie Menschen sind (denn es steckt ja ein Mensch unter der Maske), so wirken sie doch gleichzeitig auch so unglaublich echt, daß einem manchmal eher die Menschen im Film etwas künstlich erscheinen. Und die Lebendigkeit der Affen liegt nicht nur am meisterlichen Makeup von Rick Baker – auch die Schauspieler leisten hervorragende Arbeit. Vor allem Tim Roth als General Thade und Helena Bonham Carter als Ari sind die Highlights des Films. Während nämlich Mark Wahlberg eine eher stumme und uncharismatische Hauptfigur ist, und die anderen Menschen auch kaum viel an Dialogszenen haben, sind die Affen die wahren Helden. Estella Warren, die als schöne Menschenfrau Daena auftritt und wohl den Eindruck verhindern soll, daß Leo nur auf die Äffin Ari scharf ist, bleibt meist nur stumme Betrachterin mit Schmollmund. Denn eine Liebesszene mit der schönen Schimpansin hätte sicher für eine Altersfreigabe ab 18 gesorgt…

Tim Burtons Affen sind keine 1:1 Kopie der Menschen, sondern eine eigenständige Zivilisation. So hangeln sich die Schimpansen bei Aufregung immer noch an Seilen herum und Gorillas schlagen sich wild auf die Brust. Und die tiefe Angst vor Wasser zeigt sich durch wildes Gekreische. Damit wirken die Affen um vieles echter und lebendiger als in den alten Filmen.

Haendler und Thade, (c) 20th Century Fox

Aber so überzeugend die Optik des Films auch ist, sie kann nicht ganz über ein paar Fehler hinwegtäuschen. Und damit meine ich noch nicht einmal die immer wieder auftretenden Logikfehler: die sich schnell drehende Datumsanzeige (wie soll die Raumschiffuhr die tatsächlich vergehende Zeit messen, wenn wir doch sehen, daß sie innerhalb des Schiffes ganz normal abläuft?), die Tatsache, daß Mark Wahlberg schon mit einem zerrissenen und dreckigen Hemd landet und einiges mehr.Nein, etwas störend ist vielmehr, daß die Geschichte nach gut einer Stunde und nach dem Verlassen der Affenstadt etwas an Schwung verliert. 

Und dabei soll gerade jetzt die Action doch erst richtig losgehen – doch statt dessen werden die Dialoge träge und langweilig und die Handlung zieht sich etwas. Der Showdown kommt dann aber, bringt eine mittelstarke Überraschung mit und leitet dann, als es das Publikum schon gar nicht mehr erwartet, zu einer Schlußszene über, die so beeindruckend und mutig, wie aber auch unerklärbar ist.

Und damit ist »Planet der Affen« alles in allem sicher die beste der Sommer-Großproduktionen aus Hollywood (und
wie ich meine, auf alle Fälle besser als »Final Fantasy«, »Jurassic Park III« oder »Pearl Harbor«), aber leider halt auch ein Film mit kleinen und großen Fehlern in der Handlung. Amüsant ist der Film allemal, aber ist er einen Kinobesuch wert? Nein.

Die Filmmusik von Danny Elfman kann man sich übrigens auch diesmal wieder unbesehen als CD kaufen. Der Soundtrack ist typisch Elfman, wenn auch diesmal passend zur Affenwelt viel getrommelt wird und mancher Track sehr martialisch klingt.

Charlton Heston, der im Originalfilm von 1968 den Menschen Taylor spielte, ist diesmal auch wieder mit dabei, und zwar als alter, sterbender Vater des Schimpansen Thade (Tim Roth).

 

© Florian Breitsameter (Text), 20th Century Fox (Bild)

 

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