Filmkritik: »Planet der Affen: Prevolution« – So soll Science Fiction sein!

In Pierre Boulles (1912-94) Roman »Le planète de singes« aus dem Jahr 1963 reist der französische Journalist Ulysee Mérou zu einem fremden Planeten. Hier lebt eine Zivilisation intelligenter Menschenaffen, während die Menschen nur stumme Tiere sind, die in Zoos gehalten und ausgestellt werden. Boulle kehrt die Realität um, und präsentiert damit – wie schon Jonathan Swift – eine neue Sicht auf bekannte Dinge. Ist der Mensch, der sich doch über viele Jahrtausende als Krönung der Schöpfung angesehen hat, seinen Vorfahren vielleicht gar nicht so weit überlegen? Und wie würde eine Gesellschaft aus Affen aussehen?

Bereits Ende 1963, also nur wenige Monate nach dem Erscheinen von Pierre Boulles Roman, wurde Rod Serling, der bei der Kultserie »Twilight Zone« sein Talent ausgiebig bewiesen hatte, von der Produktionsfirma King Brothers beauftragt, ein Drehbuch zu schreiben. Von Anfang war klar, dass der Film, statt Sozialkritik zu üben, eher actionbetont sein musste. Rod Serling aber gelang das Kunststück, den Film zu einem Meisterwerk werden zu lassen. Der Affenplanet ist in seiner Version keine fremde Welt mit einer umgekehrten Evolution, sondern die Erde! Die Menschen haben sich selbst durch einen Atomkrieg vernichtet, und die Affen sind ihre legitimen Nachfolger. Unvergessen, wie Charlton Heston in den Sand hämmert und schreit: »Ihr Wahnsinnigen! Ihr habt die Erde in die Luft gesprengt! Ich verfluche euch! Ich verfluche euch, euch alle!«

Der kommerzielle Erfolg von »Planet der Affen« sorgte dafür, dass in schneller Abfolge vier weitere Kinofilme gedreht wurden: »Rückkehr zum Planet der Affen« (1970), »Flucht vom Planet der Affen« (1971), »Eroberung vom Planet der Affen« (1972) und »Die Schlacht um den Planet der Affen« (1973). Obwohl die Qualität kontinuierlich abnahm, gelang es doch immerhin die Handlung des ersten Films einigermaßen sinnvoll fortzuführen und in einen Gesamterzählrahmen einzugliedern. Dazu ging man im dritten Film aus der Zukunft zurück in die Gegenwart und schilderte nun, wie die Erde zum Planet der Affen werden konnte…

2001 schließlich – nach vielen gescheiterten Versuchen – kam schließlich Tim Burtons Interpretation des »Planet der Affen« in die Kinos. Allerdings konnte der Film mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle (und dem damals schon schwerkranken Charlton Heston in einer Nebenrolle) nicht überzeugen: so gelungen die Affenmasken damals doch geraten waren, so wenig überzeugend war schließlich die Handlung, die nicht annähernd an die Qualität des großen Entwurfs von Rod Serling herankam.

Rise of the Planet of the Apes

Planet der Affen: Prevolution
Mit Regisseur Rupert Wyatt als Regisseur wagte sich 20th Century Fox nun schließlich doch an einen neuen Versuch, die einst so erfolgreiche »Planet der Affen«-Reihe wiederzubeleben. »Rise of the Planet of the Apes«, so der Originaltitel, ist allerdings kein weiterer Versuch den Roman von Pierre Boulle zu verfilmen, sondern eigentlich eine neue Version des vierten Films »Eroberung vom Planet der Affen« von 1972.

James Franco spielt darin einen Wissenschaftler namens Will Rodman, der in einem Pharmaunternehmen in San Francisco an einem Medikament gegen Alzheimer forscht. Das Mittel ALZ-112 soll das Wachstum von Gehirnzellen stimulieren und damit den Ausfall bei Alzheimerkranken kompensieren. Ein Test an der Schimpansin »Bright Eyes« erweist sich als vielversprechend, sie entwickelt Intelligenz. Doch bei der etwas voreilig anberaumten Vorstellung für den Vorstand kommt es zu einer Katastrophe – »Bright Eyes« dreht durch und muss schließlich erschossen werden. Was allerdings übersehen wurde: die Schimpansin war nicht verrückt geworden, sondern wollte eigentlich nur ihr Neugeborenes schützen. Das Projekt wird trotzdem abgebrochen und alle Versuchstiere sollen getötet werden. Doch Will Rodman bringt es nicht übers Herz, das kleine Schimpansenbaby Cäsar umzubringen und nimmt es schließlich mit nach Hause…

Was gleich zu Beginn bei Rupert Wyatt auffällt, ist die Tatsache, dass der Film von der ersten Sekunde richtig in die Handlung einsteigt. Darum umfasst die kurze Inhaltsangabe oben nur ca. die ersten fünf bis zehn Minuten. Und mehr sollte und braucht man eigentlich auch gar nicht unbedingt über den Film im Vorfeld wissen. Etwas fühlte ich mich in den ersten Minuten an den misslungen Streifen »Splice« von Vincent Natali erinnert, der mit einer vergleichbaren Situation und sogar einem sehr ähnlichen Set eines Forschungslabor beginnt, aber die Ähnlichkeit verschwindet schnell wieder. Der Film schafft nämlich tatsächlich das, was das Pressematerial zum Film nicht müde wird zu betonen: er erzählt uns seine Geschichte aus dem Blickwinkel des Tieres. So subtil der Wechsel der Erzählperspektive zu Beginn abläuft, so wirkungsvoll ist er schließlich auch: der Besucher nimmt die Welt plötzlich aus der Sicht des Affen war, der zwar Intelligenz entwickelt hat, aber manche Dinge eben zu Beginn nicht verstehen kann. Und mit viel Liebe zum Detail wird aus dem Schimpansen, der bei Rodmann aufwächst, schließlich der Anführer einer Revolution.

Sicherlich hilft es hier, dass dieser Film erstmals auf Affenkostüme verzichtet hat, und die Affen aus dem Computer stammen – und mit dem Motion Capture-Verfahren belebt wurden. Solange man nicht bewusst darauf achtet, akzeptiert man Cäsar als eine lebende Figur und vergisst die Tatsache, dass er aus dem Computer stammt. Von der optischen Perfektion hat sich diese Technik seit Gollum, King Kong und Avatar noch einmal einen großen Schritt weiterentwickelt und Andy Serkis lässt Cäsar wirklich lebendig werden. Schauspielerisch fallen ansonsten James Franco und James Lithgow so positiv auf, wie Freida Pinto unauffällig bleibt. Schöne Hommage an den Originalfilm aus dem Jahr 1968 – ein Protagonist sieht eine kurze Szene mal im Fernsehen und natürlich fällt auch der berühmte Satz: »Take your stinking paws off me, you damned dirty ape!«

Ganz ehrlich: die Kampfszenen zwischen Affe und Mensch im letzten Drittel des Films sind sicher nicht schlecht geraten, aber seine Stärke spielt der Film an anderer Stelle aus: mit seinem grandiosen Drehbuch, dass erklärt, warum Cäsar zur Anführer eines Revolution wird und mit der geschickten Beantwortung der Frage, wie unsere Welt zu einem Planet der Affen wird.
Eine Fortsetzung dürfte diesem grandiosen Science-Fiction-Abenteuer sicher sein – und ich freue mich schon darauf!

6 Gedanken zu „Filmkritik: »Planet der Affen: Prevolution« – So soll Science Fiction sein!“

  1. Hmm, ein paar Affen brechen aus dem Labor aus und schon wenige Tage später überrennen Legionen von Affen die Welt? Vermehren die sich wie Bakterien durch Zellteilung? :)

    …und noch was: ein Gorilla springt zig Meter weit von einer Brücke in einen Hubschrauber. Yeah right! Die sind zwar sehr kräftig, aber miese Springer.

    Warum musste man denn aus einer Satire (Buch) einenEndzeitthriller (alle Filme) machen? Da kann doch nur Bullshit-Science rauskommen (seufz).

    • Wer hat behauptet, dass Legionen von Affen die Welt übernehmen? Ich nicht. Und der Film tut’s auch nicht.

  2. Ich mach es wie üblich, logiksektor im hirn etwas runterfahren und den film geniessen, ist ja keine DOCU. Das der film es schwer hat steht wohl ausser frage da die alten filme kultstatus haben. App „Bullshit“ die orginal filme strotzen vor ungereimtheiten aber stören tut sich kaum jemand dran.. warum auch, KINO.

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