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Filmkritik

Filmkritik: »Ready Player One« (2018) – Zurück in die Vergangenheit und die Zukunft

Im Jahr 2045 ist die reale Welt nur schwer zu ertragen. Wirklich lebendig fühlt sich Wade Watts (Tye Sheridan) nur, wenn er in das gigantische virtuelle Universum OASIS entfliehen kann, in dem die Grenzen der Geografie, der Gesetze und auch der Identität aufgehoben sind – solange man nur seiner Fantasie freien Lauf lässt. Dort verbringen die meisten Menschen ihre Tage. Entwickelt wurde OASIS vom genialen, exzentrischen James Halliday (Mark Rylance), der sein ungeheures Vermögen und die totale Kontrolle über OASIS der ersten Person hinterlässt, die siegreich aus einem dreiteiligen Wettbewerb hervorgeht: Dadurch will Halliday sicherstellen, dass ein würdiger Erbe sein Nachfolger wird. Als Wade die erste Aufgabe der realitätsverändernden Schatzsuche löst, geraten er und seine Freundesclique, die High Five genannt wird, in ein fantastisches Universum voller Entdeckungen und Gefahren und bemühen sich, OASIS und ihre Welt zu retten.




Im Alter von 71 Jahren wagt sich Steven Spielberg mit »Ready Player One« an einen Film, der zum einen eine Hommage an die Spiel- und Filmkultur der 1970er und 1980er Jahre darstellt, zum anderen aber auch zur Hälfte in künstlichen, virtuellen Welten spielt und deshalb größtenteils am Computer entstand. Als Vorlage diente der Erfolgsroman »Ready Player One« von Ernest Cline, der mit viel Liebe zum Detail eine Geschichte entwickelte, die moderne virtuelle Welten, Nerdkultur der 1980er und ein rasantes Abenteuer vereinte. Der Roman ist eine klare Leseeempfehlung, aber für den Film wurde die Handlung in manchen Punkten verändert und angepasst.




So sind es vor allen die Rätsel, die für die Verfilmung verändert wurden. Im Mittelpunkt stehen deshalb weniger alte Konsolenspiele, sondern die Filme, die James Halliday als Jugendlicher gerne sah. Und »Ready Player One« nutzt dieses Füllhorn an Ideen aus – die OASIS ist randvoll mit Versatzstücken und Figuren und Gerätschaften aus unseren Lieblingsfilmen der 1980er. So fährt Parzival, wie sich Wade Watts in der OASIS nennt, natürlich einen DeLorean DMC-12, wir sehen den IRON GIANT, King Kong und vieles mehr. Dazu dröhnt Van Halen mit »Jump« gleich am Anfang des Filmes los. Wie gesagt: Spielberg leert das Füllhorn an möglichen Ideen tüchtig aus – es ist wirklich eine Freude für jemanden, der in den 1980ern jung war und im Kino bereit ist in eine Filmwelt abzutauchen. Wobei man durchaus sagen muss, dass die OASIS sich in den meisten Szenen auch optisch immer künstlich anfühlt, sie entstand am Computer und sie soll auch so aussehen. Sie wirkt in ihrer bonbonartigen Farbigkeit wie ein Computerspiel, Wade und seine Mitstreiter wie Figuren aus Final Fantasy, World of Warcraft und Co.




Die Änderungen an der Handlung sorgen auch dafür, dass die anderen Mitglieder der High Five auch etwas mehr in den Fokus gerückt werden. Relativ früh im Film lernen sie sich bereits in der realen Welt kennen und der Handlungsstrang zur Infiltration von IOI, den Bösewichtern der Geschichte, wird mehr als zur Hälfte auf Art3mis verlegt. Damit muss man aber auch auf die Schwachstellen der Verfilmung verweisen: Wades Erzgegner, Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn), entstammt direkt einem Drehbuch der 1980er. Er soll zwar böse sein, aber nicht so richtig, damit die Altersfreigabe ab 12 bestehen bleibt. Er ist ein Bösewicht, wie ihn sich ein Kind vielleicht vorstellt: er ist gemein zu unseren Helden, aber auch dumm und zu blöd, um sich sein Passwort für die OASIS zu merken. Er will die Macht über die Welt, benimmt sich dabei aber so ungeschickt, dass er auch ohne Gegner gescheitert wäre. So sehr der ganze Film an die bunte Filmwelt unserer Jugend erinnern will, so hätte er sich doch einen besseren Gegner gönnen sollen, der dieser ansonsten schönen Geschichte auch würdig wäre. Und er hätte sich auch trauen können, die Slums von Wades Heimat auch als solche zu zeigen, und nicht nur als sonst fast traute Welt in aufeinander gestapelten Wohncontainern. Alles in allem ist der Film aber ein buntes Abenteuer mit tollen Ideen und einer rasanten Handlung – und Schauspielern, die dabei in den Hintergrund treten. Nur wenn Spielberg in die Welten Kubricks abtaucht, dann ändert sich das etwas…




Am Ende von Löwenzahn regte Peter Lustig die Kinder an, den Fernseher jetzt auszuschalten. »Ready Player One« will uns die gleiche Botschaft vermitteln – habt Spaß, aber vergesst nicht die reale Welt – so, wie man das halt auch in den 1980ern gemacht hätte. Als buntes, rasantes und weichgespültes Abenteuer. Dafür gibt es große Kinoleinwände!




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