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Filmkritik

Filmkritik: »Red Planet« (2000)

Poster Red PlanetDie Erde ist im Jahre 20xx (konnte ich mir nun wahrlich nicht merken) ökologisch im Eimer. Mit Hilfe von Blaualgen versucht man dem Mars eine atembare Atmosphäre zu verschaffen, um 12 Milliarden Menschen umzusiedeln. Nach einigen Jahren verschwinden die Blaualgen plötzlich. Ein Team von Astronauten soll die Ursache herausfinden. Nach einigen Problem krachlandet man jedoch auf dem roten Planeten. Zur großen Überraschung ist genug atembare Luft vorhanden. Nun müssen nur noch aus diversen vorzeitlichen Fluggeräten (u.a. der Pathfinder-Sonde) die Teile für eine Rettungskapsel zusammengebaut werden. Ach ja, und dann ist da noch der gelenkige Roboter AMEE, dessen System beim Absturz beschädigt wurde, und der nun permanent im »Military-Mode« den Astronauten das Lebenslicht auspusten möchte…

Kennt ihr das? Da geht man in einen Film, weil… naja, es ist halt Science Fiction, was anderes läuft nicht, und die Füße werden kalt. So ging es mir und meinem Kumpel bei »Red Planet«. Viel erwarteten wir nicht, denn…

  • Val Kilmer spielt mit
  • Der Drehbuchautor war für »Hard Target« mit Van Damme verantwortlich
  • Das Studio hat das Wettrennen mit »Mission 2 Mars« verloren

Andererseits: Viele Leute stehen seit »Matrix« auf Carrie Anne Moss (ich nicht), und vielleicht würde die längere Produktionsphase sich in einem besseren Endprodukt widerspiegeln, nachdem sich »Mission 2 Mars« als dröger pseudo-esoterischer Kram entpuppt hatte.
Aber es kam, wie es kommen mußte: »Red Planet« stellte sich als Rohrkrepierer raus. Und das nicht zu knapp. Selten ist mir ein Hollywood-Streifen der A-Kategorie untergekommen, der so sehr in jeder Beziehung versagt.

Das fängt mit den Darstellern an: Val Kilmer gibt sich so wenig Mühe, als warte er ständig auf das Wort »Action!« aus der Richtung des Regiestuhls. Mehr als anwesend ist er in keiner Sekunde. Terence Stamp holt sich seinen Scheck dafür ab, daß er uns am Anfang ein wenig in die Handlung einführt, und dann konsequenterweise auch schnellstens beseitigt wird (der Mohr hat seine Schuldigkeit getan und so…). Miss Moss beteiligt sich an der Action auf der Planetenoberfläche erst gar nicht, sondern bleibt brav auf dem Raumschiff. Besonders viel zu tun hat sie dort nicht, aber Cybergeeks wird gefallen, daß sie sich zumindest auf die platteste Nummer einläßt, um pubertierende »Matrix«-Fans ins Kino zu locken: Eine Duschszene. Der Rest der Darsteller ist sowieso Kanonenfutter, kann man sich also jede Erwähnung schenken.

Die Trickeffekte sind nicht weniger misslungen. Der Absturz der Marskapsel ist dank aufwendiger Modellarbeit (ausnahmsweise mal keine Computertricks) recht gut. Die Inszenierung kann aber mit dem Absturz des Raumschiffes in »Pitch Black« nicht mithalten. Sämtlich Szenen im Weltraum sind verwaschen und detailarm. So etwas bekommt jede TV-Serie besser hin. Der AMEE-Roboter ist toll gemacht und bewegt sich auch sehr flüssig, aber das ist schon ein Standard, den man erwarten darf. Dafür sind die Szenen mit den Blaualgen und den Alien-Krebsen so durchschaubar, daß nicht mal Budgetkürzungen oder Terminprobleme als Entschuldigung durchgehen dürften. Insgesamt ein Mischmasch, der an keiner Stelle überzeugt, und bei dem besonders die Effekte negativ auffallen, die wir NICHT sehen (zum Beispiel verkneift sich der Film jede potentiell teure Aufnahme der angeblich ökologisch zerstörten Erde).

Carrie Ann Moss

Simon Baker

Terence Stamp

Tom Sizemore

Schwierig ist es, sich über die Story von »Red Planet« auszulassen, denn hier ist wirklich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Die Handlung wird so holperig erzählt, daß ein Sprecher am Anfang die Personen vorstellen muß, damit wir überhaupt eine Ahnung haben, worum es geht. Szenen, die eine Entwicklung der Beziehungen unter den Figuren zeigen, werden weit hinten im Film als Rückblenden untergebracht. Damit sind sie dann völlig wertlos.

Die Handlung hat außerdem Löcher, durch die man bequem einen Sternenzerstörer schicken könnte: Die Erde ist ökologisch im Eimer, aber es ist technisch und finanziell einfacher, einen kompletten Planeten zu terraformen und 12 Milliarden Menschen dorthin umzusiedeln? Die Energie-Bilanz möchte ich mal sehen. Und wieso kann man von der Erde aus feststellen, daß die Blaualgen auf dem Mars verschwunden sind, während unsere Helden von der Umlaufbahn her nicht einmal feststellen, daß es auf dem Mars Sauerstoff zur Genüge gibt? Man braucht nicht viel von Terraforming zu verstehen, um sich klarzumachen, daß eine Umwandlung der Atmosphäre des Mars mehrere Jahrhunderte dauern würde (okay, der Fehler wurde bei »Total Recall« allerdings auch gemacht). Über die »Schlußpointe« mit den Alien-Krebsen mag ich gar nicht reden, denn die kann man nicht mal einem Dreijährigen andrehen.

Besonders amüsant/ärgerlich (je nach Stimmung) sind die technischen Dummdreistigkeiten, die uns Chuck Pfarrer auftischt: Da vergleichen die Astronauten in ca. 60 Jahren immer noch die Hits ihrer Webseiten (als ob es so etwas dann noch geben würde), und die Antriebe, Modems, und Energiezellen von verschiedenen Raumschiffen aus verschiedenen Epochen und verschiedenen Ländern können problemlos verstöpselt werden. Sicher, solange die Software nicht von Microsoft stammt…

All‘ diese Probleme wären allerdings zweitrangig, wenn »Red Planet« wenigstens Spannung aufzubieten hätte. Aber Pustekuchen: Außer der Bedrohung durch AMEE suhlt sich der Film in seiner Belanglosigkeit. Worauf läuft der ganze Kram denn hinaus? Ein paar Typen werden in der Wüste von einem Monster gejagt. Nichts sonst. Im Kern ist »Red Planet« ein ganz banaler C-Film, dessen Handlung nicht einmal für eine »Outer Limits«-Episode ausgereicht hätte.

Man sieht dem Streifen an, daß nach Ende der Dreharbeiten von allen Seiten daran herumgedoktort wurde: Die Erzählerstimme am Anfang, die später eingeschobenen Rückblenden, das hastige Ende – ich bin ziemlich sicher, daß einiges davon nicht geplant war. Das mag zwar eine Erklärung sein, eine Entschuldigung ist es jedoch nicht. »Supernova« hatte mit noch mehr Produktionsproblemen zu kämpfen, und im Vergleich zu »Red Planet« ist er Gold wert.

Man darf mit Fug und Recht, daß »Red Planet« in die »Hall of Shame« der »beschissensten Big Budget-Filme aller Zeiten« gehört. Dort kann er neben »Wild Wild West«, »Batman & Robin«, »Battlefield Earth« und »Sphere« in einer Ecke stehen und sich schämen. Andererseits: Für jeden »Red Planet« produziert Hollywood einen »Pitch Black«. Und dafür sollte man dankbar sein.

RED PLANET (2000)
Regie: Antony Hoffman
Drehbuch: Chuck Pfarrer
Schauspieler: Val Kilmer, Carrie-Anne Moss, Benjamin Bratt, Tom Sizemore, Simon Baker, Terence Stamp, Jessica Norton, Caroline Bossi, Bob Neill, u.a.

© Torsten Dewi (Text), Warner Bros. (Bildmaterial)

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