Filmkritik: »Star Wars: Episode 3 – Die Rache der Sith«

Warum nicht gleich so, George?

Plakatmotiv, (c) 20th Century Fox

Im letzten Akt der »Star Wars«-Saga wüten immer noch die Klonkriege und sie führen dazu, daß sich die Kluft zwischen Kanzler Palpatine (Ian McDiarmid) und dem Jedi-Rat immer weiter vergrößert. Dabei gerät der junge Jedi-Ritter Anakin Skywalker (Hayden Christensen) zum Spielball zwischen den beiden Mächten und dadurch in einen schweren Gewissenskonflikt – ratlos, wem er nun dienen soll. Doch schließlich trifft er seine Entscheidung, denn nur so glaubt er denen helfen zu können, die ihm alles bedeuten…

Es beschleicht einen ein seltsames Gefühl, kurz bevor der Film beginnt. Man weiß, daß man in wenigen Momenten den letzten Teil der »Krieg der Sterne«-Saga sehen wird, endlich den Film sehen wird, auf den man Jahre warten mußte. Nach den Enttäuschungen über »Episode 1« und »Episode 2« erwartet man mit Anspannung, aber auch ein wenig trotzig den letzten Abschnitt der Skywalker-Geschichte.
Aber dann geht es endlich los, 146 Minuten lang sollen einen die bunten Bilder auf der  Leinwand verzaubern und tatsächlich, als die Worte »A long time ago in a galaxy far, far away…« erscheinen, sind alle Zweifel verflogen. Es herrscht Krieg! Aber unsere edlen Helden Anakin und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) trotzen dem Tod, um gegen das Böse anzutreten. Denn Kanzler Palpatine wurde von General Grievous, dem Anführer der Droidenarmee, entführt! Und in gewissem Sinne wiederholt George Lucas nun den Beginn von »Episode 1«, denn wieder stehen zwei Jedi tödlichen Droiden gegenüber. Doch wie anders diesmal doch alles verläuft! Die beiden Jedi sind nicht gekommen, um zu verhandeln, sondern um zu kämpfen und ihnen hilfreich zur Seite steht dabei der tapfere, kleine… R2D2!

Schnell wird einem hier klar, daß dieser Film sich deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet. Es gibt keine Szenen mehr, die nur deshalb enthalten zu sein scheinen, weil man sie prima in einem Computerspiel verwerten könnte. Es gibt keine Schmusestunden mehr, denn Amidala und Anakin sind keine kichernden Teenager mehr, sondern erwachsen geworden.

Das Drama nimmt seinen Lauf! Und irgendwann sind schlußendlich die Fronten geklärt und Anakin und Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) stehen sich in einem finalen Duell auf Leben und Tod gegenüber. Sie kreuzen die Lichtschwerter in dem Wissen, über die Zukunft der Galaxie zu entscheiden… Und dieser Kampf zeigt nun auch, um wieviel erwachsener
dieser Film geworden ist. Vorbei ist die Zeit alberner Plänkeleien und der sterilen Kämpfe, wie man sie vor allem aus »Episode 1« kennt.

Szenenbild, (c) 20th Century Fox

Denn genau hier spielt »Revenge of the Sith« seine Stärken aus! So wie sich einst Luke vom unsicheren jungen Hüpfer zum selbstsicheren Jedi-Meister entwickelte, so wird in »Episode 3« schließlich aus dem zwar begabten, aber immer etwas problematischen jungen Jedi Anakin der mächtige und von Haß geprägte Darth Vader, der bereit ist über Leichen zu gehen, nur um sein Ziel zu erreichen. Und es überrascht, wie konsequent George Lucas bereit ist, dies auch auf die Leinwand zu bannen. Er erspart uns nichts, zeigt uns alles: den Haß, den Mord an den Jedi und schließlich auch die Gründe, warum Darth Vader später seine schwarze Rüstung trägt…

Gut gelungen sind aber auch viele der kleinen Verknüpfungen zur alten »Krieg der Sterne«-Trilogie: wie bereits bekannt, hat Chewabacca einen Gastauftritt, wir erleben aber auch die Geburt von Leia und Luke, erfahren die Gründe, warum Yoda und Obi-Wan ins Exil flüchten mußten und bekommen sogar den Rohbau des Todessterns präsentiert!

Was fehlt ist einzig und allein eine Figur wie Han Solo (Harrison Ford), der in der alten Trilogie immer sehr gut als Gegenpol zum theatralischen und ernsten Gehabe der Jedi-Ritter funktionierte, ohne dabei selbst lächerlich zu wirken. Doch auch so ist »Star Wars: Episode 3 – Die Rache der Sith« trotz mancher Sterilität vor allem eins: ein guter und spannender Science Fiction-Film, der endlich die Versprechen einlöst, die George Lucas vor langer Zeit machte, als er sagte, daß die Prequel-Trilogie zeigen würde, wie aus dem hoffnungsvollen jungen Jedi Anakin Skywalker schließlich der grausame und gefürchtete Darth Vader werden konnte… Bleibt nur noch die Frage offen: Warum nicht gleich so, George?


Star Wars: Episode 3 – Die Rache der Sith

OT:
Star Wars: Episode 3 – The Revenge of the Sith
Kinostart: 19. Mai 2005Drehbuch und Regie: George Lucas
Produzent: Rick McCallum
Executive Producer: George Lucas
Darsteller: Ewan McGregor, Natalie Portman, Hayden Christensen, Ian McDiarmid, Samuel L. Jackson, Frank Oz als Joda, u.v.a.