Filmkritik: »Starship Troopers« (1997)

Kinoposter Starship TroopersGenre: Science Fiction, USA 1997; Regie: Paul Verhoeven; Buch: Ed Neumeier (nach dem gleichnamigen Roman von Robert A. Heinlein); Darsteller: Michael Ironside & Brenda Strong; Volontäre: Caspar Van Dien, Dina Meyer, Jake Busey Denise Richards u.a. ; 129 Minuten (meines Lebens).

Abgesehen davon, daß es sich um den geistigen Zustand einiger Kritiker („Kill the bugs!“) fürchten ließe, wandelte eine grundsätzlichere Kontroverse durch die vielen Statements hierzu: Verherrlicht Paul Verhoeven in seinem aktuellen Homevideo den Faschismus, oder ist alles nur genial versteckte Satire!

Pech für beide Seiten ist nur, daß STARSHIT TROOPERS an keine (!) dieser konträren Ambitionen heranarbeiten kann – dafür versteht Möchtegern Verhoeven entschieden zuwenig von diesem Job. Sein Werbespot ist und bleibt ein kleiner, kontinental-dummer (!) Film, der sich eine Preisetage tiefer in jedem drittklassigen  Videoverleih aufspüren läßt. Umsomehr scheint es Paule wichtig zu sein, mit dem Trugbild einer gewollten Satire hausieren zu gehen. Erfolgreich immerhin, denn es verblüfft einen grundsätzlich, wie willig die einschlägige Fachpresse diesem „Potemkin“ aufspringt; „wenn der Regisseur es so sagt, dann wird es auch so sein müssen“, scheint hierbei die Devise zu sein, die es den Genrejüngern immerhin abnimmt sich um journalistisches Rüstzeug (wie kritisches Nachhaken) zu kümmern. Solchermaßen unbefleckt läßt sich recht unbeschwert drauflostippen.
Keinerlei Magendrücken scheint Marc Hertling (SPACE VIEW) zu befallen, wenn er in seinem – immerhin um den Hauch Skepsis bemühten – Text vermerkt, daß diverse Macher offen von einem „Kriegsfilm“ reden , den sie da produziert haben. Eigentlich sollten solche Statements eher kritisch stimmen (wenn es angeblich um eine Satire geht), aber da sich in der Besprechung auch Sätze wie „Ricos Odyssee vom Söldner zum hartgesottenen, loyalen Soldaten“ finden, bleibt diese, angeblich im Film existierende, Brechung solcher Begriffe eher ein Wunschtraum. Ähnlich unhinterfragt bleiben die reaktionären Sichtweisen aus  Heinleins Buch, die freudestrahlend vom Hauptvolontär („Ich bin Johnny Rico“) im Interview eingeworfen werden („Mir gefällt der Gedanke…“). Aber „Spaß“, „Spaß macht“ STARSHIT TROOPERS, wie der Autor als Resümee festhält (was wären wir nur ohne oberflächliche Unterhaltung!? Nachdenklicher?! Vielleicht).
MOVIESTAR-Chefredakteur Manfred Knorr zieht in seinem Vorwort kräftiger vom Leder, indem er Dilettant Verhoeven in den Olymp des „Hollywood-Kino(s) mit Ecken und Kanten“ pfeffert und weiters anmerkt S.SHI.T. sei ein „brillantes SF-Spektakel über Diktatur, Manipulation, Militär und Krieg, das…vor Augen führt, wie…Propaganda junge Soldaten in einen…sinnlosen Teufelskreis der Gewalt hineinjagt, aus dem es kein Entkommen gibt“. Nun ist mir nichts über Manfred Knorrs weitergehenden Filmhorizont bekannt, aber wenn er tatsächlich bereits Paules Schmalspurkriegsfilm für engagiert (!), kritisch (!) und schonungslos offen (!) hält, was müßte es dann erst zu Wickis DIE BRÜCKE, Coppolas APOCALYPSE NOW, Kubricks PATHS OF GLORY, oder Milestones ALL QUIT AT THE WESTERN FRONT schreiben?!
Angesichts schmalbrüstiger Inhalte (vom teils erbärmlichen Handwerk einmal völlig abgesehen) relativieren sich solche vollmundigen Editorials wie von selbst.
In einer gänzlich anderen Ecke als sein Chefredakteur jubelt derweil Rezensent Arnulf Hinkel herum, wenn er S.SHI.T. gleich komplett unter dem Begriff „Monsterfilm“ parkt; für den Normalo „zu hart“ in der Gewaltdarstellung würden die Genrefreaks den Film absolut zu schätzen wissen. „Rundum ein gelungenes Sehvergnügen“, wie das Resümee lautet. Ein Urteil, das eigentlich zu Denken geben sollte (vielleicht abgesehen davon, daß es Leute gibt, die rundum mit ihren schlechten Filmgeschmack zufrieden sind). Ob sich der vergnügte Rezensent auch Filme wie BENNYS VIDEO oder FUNNY GAMES so locker reinziehen könnte?!
Dort wird (!) Gewalt als das definiert was (!) es ist! Gnadenlos und ohne „Unterhaltungselement“!
Denn just hier liegt das Terrain, in dem Verhoevens Film versagt wie ein Rohkrepierer nur versagen kann. Offensichtlich werden Menschen verbrannt, aufgespießt, zerstückelt und auf tausend andere Arten getötet, aber diese Offensichtlichkeit ist reinster Selbstzweck. In keiner Sekunde geht es hierbei um wirklich nachvollziehbare Ängste und Schrecken von lebendigen Charakteren, die uns zerwühlen könnten. Nein, Verhoeven spult in Jahrmarktsmanier eine „Kuriositätenschau“ ab, die den Betrachter nicht an sich heranläßt, just weil sonst die Leere dahinter sichtbar würde. Die narzißtisch zelebrierte Gewalt verendet bereits auf der Leinwand und trifft deswegen auch nicht dort wo sie als heilsames  Schreckchaos ankommen sollte: In Herz, Bauch und Hirn.
Um allerdings das wirkliche Grauen eines kriegerischen Gemetzels bis in die Fasern nachvollziehbar zu machen, dafür braucht es Voraussetzungen, die bei guten Schauspielern anfangen, über eine aufwühlende Story gehen und mit einem fähigen (!) Regisseur noch lange nicht aufhören. Alles Ansprüche, die sich in S.SHI.T. nicht einmal ansatzweise auffinden lassen. Ein Armutszeugnis, das allerdings typisch für Verhoevens Amateurvideos bleibt.

Und Wer schrieb noch?…
Wenn es eine durchgehende Gemeinsamkeit der Lobeshymnen in CINEMA, über TV SPIELFILM bis hin zum SPIEGEL gibt (Verfasser ist hier übrigens Helmut Krausser, für den bereits DINO 2 – LOST STORY ein „unübertroffenes Meisterwerk“ war), dann die von der „satirischen Aussagekraft der eingeblendeten Propagandaspots“. Satire aber auf welchem Niveau bitte?! Popcorn oder Couchpotatoe!?
Ich weiß nicht; bin ich persönlich zu anspruchsvoll was gelungene, treffende Satire (BRAZIL, M.A.S.H, CATCH 22, oder DR. STRANGELOVE) angeht, oder sollten sich einige Leute besser fragen wo sie die letzten drei Jahrzehnte gründlich verschlafen haben?

Der Film an sich?! Viele Worte laßen sich zu dieser Dummdreistigkeit nicht finden:
Der propere Johnny Rico (Casper Van Dien) liebt die schöne Carmen Ibanez (Denise Richards), die wiederum das Militär liebt. Selbiges scheint die, unter ihrer Fuchtel vereinte, Menschheit in eine Art Daily Soap verwandelt zu haben. All diese schönen Menschen leben im sorgenfreien Wohlstand und ihre einzige Einschränkung (neben gesetzestreuem Verhalten) betrifft die Ausübung des Wahlrechts. Nur wer dem Staat (besser noch dem Militär) gedient hat ist fortan berechtigt sein Kreuz für die eine Regierung zu machen. Zusammen mit seinen Schulkumpels Ace (Jake Busey) und Dizzy (Dina Meyer) meldet sich der ausgemachte Torfkopf konsequenterweise freiwillig zum Militär.
Augenscheinlich ist die Ausbildung hart; schließlich kann einem der Drill-Instructor einmal fix den Unterarm brechen, oder ein Schlachtermesser in die Handfläche rammen. Tut allerdings nicht sonderlich weh, hebt die ausgelassene Pfadfinderstimmung aller und komisch ist das ganze auch. Hurra, wir sind die Infanterie, brüllt es aus einer Kehle und Talent Rico ist bald Zugführer.
Ein Unglück zwingt den so herzensguten Johnny fast zur Aufgabe, als die Käfer von Klendathu nichts besser zu tun finden, als Buenos Aires mit einem gut gezielten Steinwurf (von der anderen Seite der Milchstraße übrigens!) auszulöschen. Emotional aufgewühlt (Van Diem gibt dabei den Gesichtsausdruck „habe meinen Bus verpaßt“ zum besten) reagiert er auf den Tod seiner Eltern und schwört „Tod und Vergeltung“.
Szenenwechsel…
…und ein paar dicke Hunde nachgelegt: 100 000 Männer und Frauen Infanterie landen (wieso eigentlich?) auf einem Käferplaneten und werden nahezu aufgerieben. Außer Strammstehen und sich gelegentlich die Knochen brechen zu lassen, scheint man/frau  als Infanterist (laut Skript) nichts zu lernen, denn die taktische Vorgehensweise ist selbst für den militärische Laien haarsträubend verantwortungslos. Luftunterstützung bleibt ebenso nicht vorhanden, wie schweres Material. Dafür rennt alles im dichten Pulk durch die Landschaft, zersiebt zwei, drei Käfer (5000 Schuß pro Exemplar) und rennt dann wie ein Mann wieder zurück („Sperrfeuer“ & „Sicherung der Rückzugslinie“?! Fehlanzeigen!).
Wenn dann Soldaten, die dem Inferno erst mit knappster Not entkommen sind, sich über eine Beförderung („Mein Leutnant ist tot. Sie sind mein neuer!“) in einer Aufgeräumtheit freuen als wäre man/frau im Club Med, dann sagt uns das doch noch einiges mehr über die handwerkliche Inkompetenz aller Beteiligten.
Et cetera, et cetera, perge, perge…
Sei´s drum, auch diese filmische Zumutung liegt irgendwann überstanden hinter einem. Was aber Paul Verhoeven sicher nicht daran hindern wird, weiter Inhalte in sein Fiasko hineinzureden, die sich nie & nimmer dort finden lassen. Was schert es Verhoeven, solange er sein dankbar applaudierendes Publikum findet.

„…INDEPENDENCE DAY, das ist ein großartiger Unterhaltungsfilm, der mir beim Anschauen viel Spaß gemacht hat“ (Paule in einem Interview).

Für manche wird Unfähigkeit eben mit der Zeit zur Zierde.
(3. März ´98 – robert musa)

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