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Filmkritik

Filmkritik: Superman – Man of Steel (2013) – Ein Alien in Metropolis

man_of_steel_ver7_xxlgZack Snyders Superman soll es für DC und Warner retten. Denn während die Marvel Studios mit mittlerweile praktisch jeder Superhelden-Verfilmung einen Treffer landen und zuletzt sogar mit den »Avengers« und »Iron Man 3« so richtig fett an den Kinokassen abräumen konnten, sieht es für die Kollegen vom DC-Universum nicht so dolle aus. Bryan Singers »Superman Returns« (2006) und auch »Green Lantern« (2011) waren Flopps, die dem Studio Geld kosteten, und Christopher Nolan hat seine zugegeben sehr erfolgreiche Batman-Trilogie bereits abgeschlossen.

Kein Wunder also, dass man Zack Snyder (»300«, »Sucker Punch«), die Chance gab, es sieben Jahre nach »Superman Returns« es noch einmal neu mit dem klassischen Superhelden Superman zu probieren. Sicherheitshalber holte man aber trotzdem auch noch Christopher Nolan mit ins Boot – als Produzent, aber auch als Mitautor für das Drehbuch von David S. Goyer. Denn so ganz vertraute man Snyder dann doch nicht, und Goyers Vision soll ja das Fundament für ein erfolgreiches DC-Filmuniversum legen.

Die Handlung klingt in der offiziellen Kurzzusammenfassung simpel: »Ein kleiner Junge erfährt, dass er über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt und nicht von der Erde stammt. Als junger Mann will er herausfinden, woher er kommt und welche Aufgabe ihn hier erwartet. Doch er muss zunächst den Helden in sich entdecken, um die Welt vor der Vernichtung zu bewahren und selbst zum Symbol der Hoffnung aller Menschen aufzusteigen.«

Der Film beginnt auf Supermans Heimatwelt Krypton (wer hätte anders erwartet) als SF-Spektakel – und erinnert damit frappierend an den Beginn von »Green Lantern«. Auch hier gibt es erst einmal eine Rebellion gegen den Rat der Alten – General Zod (gespielt von Michael Shannon), seine bösartige Partnerin Faora (Antje Traue, demnächst in »The Seventh Son«) und andere Getreue wollen den drohenden Untergang Kryptons nicht hinnehmen. Jor-El (Russell Crowe) und Lara Lor-Van (Ayelet Zurer) aber haben andere Pläne, und sie schicken ihren frisch geborenen Sohn Kal-El zur Erde, was Zod nicht so richtig klasse findet, da Jor-El auch den Codex der Kryptonier dazu packt. Und so gibt’s erst einmal eine richtig fette SF-Schlacht als CGI-Spektakel an deren Ende der ganze Planet Krypton über die Wupper geht…

Der erste Trailer von »Man of Steel« hatte uns einen Film versprochen, der anders sein wollte – auf alle Fälle ganz anders, als Bryan Singers gesichtsloser, perfekter, aalglatter und damit super-langweiliger Superman aus »Superman Returns«. Ein Wesen, das allen Menschen auf diesem Planeten überlegen ist und sich doch gleichzeitig verstecken muss, nicht auffallen darf. Ein Superman, der eben nicht entweder als Naivling mit Brille durchs Bild taumelt, oder in blauen, langen Unterhosen mit rotem Cape, als unfehlbarer, perfekter, unnahbarer Schönling mit Schmalztolle das Perfekte symbolisiert und gottähnlich über die Bösen richtet. Sondern Clark Kent, der unter Menschen aufwächst, von seinen Eltern geliebt wird und seine Kräfte verheimlichen muss – dem dies aber nicht immer gelingt. Der fast ein wenig wie Wolverine durch das vergessene Amerika wandert.

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Zack Synder löst dieses Versprechen ein, und dieser Teil des Films ist richtig stark geworden. Kevin Costner ist als Stiefvater von Clark Kent eine ebenso perfekte Besetzung wie Russel Crowe als Jor-El – er ist ein Vorbild für den verunsicherten Jungen, der akzeptieren muss, dass er zwar bei den Kents mitten in Kansas aufwächst, aber doch letztlich irgendwie immer ein Außenseiter bleiben wird, der seine wahren Kräfte verstecken muss. Clark Kent wandert scheinbar ziellos durch Amerika und gerät dabei irgendwie immer wieder in Situationen, in denen er um Menschen zu helfen seine Kräfte einsetzen muss. Doch die Situation ändert sich, als am Nordpol ein unbekanntes Objekt im Eis gefunden wird – ein altes Scoutschiff der Kryptonier – und Clark auf die Journalistin Lois Lane (Amy Adams) trifft.

MAN OF STEEL

Durch die Entdeckung kommt es zum Wandel von Clark Kent zu Superman und auch die Bedorhung der Erde durch General Zod beginnt. Und sie kann letztlich natürlich in besten Comicmanier nur so enden: Die Erde steht kurz vor ihrem Untergang, New Yor… Metropolis wird angegriffen und irgendwann prügeln sich General Zod und Superman durch die Stadt und kennen dabei kein Pardon – da fliegt man schnell mal durch ein, zwei Wolkenkratzer durch. Wer hätte schon etwas anderes erwartet? Anleihen bei »Independence Day«, »Transformers 3« und »Avengers« sind da selbstverständlich.

Man of Steel

Ist der Film klasse? Wird er DC den Weg für weitere DC-Superhelden-Filme und schlussendlich auch eine Justice-League-Verfilmung ebnen? Ich war mit Torsten Dewi in der Presse und wir waren uns schlussendlich nicht einig. Torsten Dewi war vom Film nicht sehr überzeugt (hier ist seine Kritik nachzulesen), während ich zwar einige seiner Kritikpunkte voll und ganz bestätigen kann, aber doch auch einiges positives entdecken kann.

MAN OF STEEL

Zack Snyder hat die Action wie in all seinen Filmen im Griff, hier kann nichts schiefgehen. Aber auch ihm gelingt eines nicht: So interessant Clark Kent wirkt, so langweilig ist er auch letztlich als Superman. Und so humorlos. Wenn Lois Lane fragt, wofür das große S auf seinem Anzug steht, so antwortet er pathetisch »Das ist kein S. Bei uns steht es für Hoffnung«. Er stellt seine Position nicht in Frage, mit seinem Anzug wird er zum Instrument Jor-Els.

»Man of Steel« leistet sich opulenten Gigantismus, einen Superman der Superkräfte besitzt und richtig zuschlagen kann und eine wunderbar gelungene Einführung der Person Clark Kents. Aber leider eben auch eine etwas dusslige, verwirrende Hetzjagd um die im Grunde simple Handlung etwas aufzumotzen. Man kann den Film »Man of Steel« nicht spoilern, da es nichts zu spoilern gibt.

Wird der Film in Deutschland ein großer Erfolg? Ich glaube nicht. Wird er in den USA ein Erfolg? Das wird spannend.

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