Filmkritik: »The First Avenger – Captain America« (2011) – Grandios!

Wir schreiben das Jahr 1941 – der gesamte Erdball ist in Aufruhr, denn es tobt der Zweite Weltkrieg. Der junge Steven Rogers (Chris Evans) ist fest entschlossen, sein Land im Kampf um Frieden und Freiheit zu unterstützen, doch der kleine, schmächtige junge Mann wird immer wieder abgewiesen. Während der Frust über die Nichtberücksichtigung bei der Army immer noch tief sitzt, kommt Rogers ein merkwürdiger Zufall zu Hilfe: Der ebenso sympathische wie mysteriöse Arzt und Wissenschaftler Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) wählt ausgerechnet Steve zur ersten Testperson seines von der Regierung streng geheim gehaltenen Projekts »Supersoldat«. Steves Musterungsbescheid erhält endlich den lang ersehnten Stempel »tauglich«. Aus dem unscheinbaren Mann wird durch das Serum eine unschlagbare menschliche Waffe – Captain America ist geboren! Doch seine bisher größte Prüfung seines Lebens bevor: Der Kampf gegen Red Skull (Hugo Weaving), den Kopf der Organisation Hydra, der als absolut unbesiegbar gilt. Um ihn zu stoppen, muss Captain America zum Helden werden…!

Die Comicwelt
Zur Überraschung vieler Comickritiker erwies sich das Ende der Neunziger bei Marvel zusätzlich zu den normalen Serien gestartete »Ultimative Universum« als kommerziell sehr erfolgreich. Joe Quesada und Bill Jemas von Marvel hatten ihre Idee, das Marvel-Universum von Grund auf zu erneuern, in die Hände von jungen Autoren wie Brian Michael Bendis und Mark Millar gelegt und diese schafften es, den bekannten Helden einen neuen Start in ein neues Jahrtausend zu ermöglichen.

Die Welt der »Ultimativen«, wie die Rächer im Ultimativen Universum heißen, sollte nach dem Wunsch des Autors Mark Millar so real wie möglich aussehen. Deshalb drängte er die Verantwortlichen darauf, unbedingt mit dem Zeichner Bryan Hitch zusammenarbeiten zu dürfen, da er nur diesen für geeignet hielt, den gewünschten Realismus der Serie perfekt aufs Papier zu bringen.

In einem Interview sprach Millar davon, dass er vermeiden wollte, dass die Serie wie eine billige Fernsehproduktion wirke. Mit Hitch als Zeichner sei es hingegen möglich, die Comics wie eine teure Kinoproduktion aussehen zu lassen. Ein interessanter Vergleich, wenn man bedenkt, dass damals z.B. eindeutig Samuel L. Jackson das Vorbild für das Aussehen des neuen Colonel Nick Fury war.

Die Filmumsetzung
Der Captain America, den wir jetzt in der hervorragenden Filmumsetzung von Regisseur Joe Johnston gezeigt bekommen, orientiert sich noch stärker als alle anderen der bislang gesehenen Comic-Umsetzungen an den Ideen und der Modernisierung des Ultimativen Universums. Zusammen mit den Kinofilmen IRON MAN, THOR und dem neuen INCREDIBLE HULK soll CAPTAIN AMERICA natürlich auf den kommenden und für das nächste Jahr versprochenen großen AVENGERS-Kinofilmen überleiten, doch anders als diese spielt CAPTAIN AMERICA fast komplett in der Vergangenheit.

Dies erweist sich als eine grandiose Entscheidung, denn der Film schafft all das problemlos, was andere Filme wie z.B. SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW immer versucht haben: CAPTAIN AMERICA ist ein SF-Abenteuer aus der Vergangenheit, mit viel Charme, Zeitgeist und einem schrecklichen Gegner. Und wo SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW leblos und kühl wirkt, ist Captain America mitreißend, spannend, witzig und lebendig. Der Film spielt natürlich außerdem im durch die Filme etablierten Marvel-Filmuniversum – Tony Starks Vater, den wir in IRON MAN 2 bereits zu Gesicht bekamen, spielt dabei z.B. auch eine wichtige Rolle. Hilfreich ist bei diesem Realismus auch, dass es Dank der CGI-Effekte perfekt gelingt, aus Chris Evans zu Beginn einen schwächlichen Hänfling machen, und aus Hugo Weaving einen glaubhaften Red Skull.

Aber noch einmal: Eigentlich ist es die liebevolle Umsetzung und das sehr gute Drehbuch, die CAPTAIN AMERICA wirklich zu einem Kinovergnügen werden lassen. Das Drehbuch nimmt sich die Zeit uns klarzumachen, warum der Schwächling Steve Rogers tatsächlich der ideale Kandidat für das Supersoldaten-Programm ist, und warum nur aus ihm ein wahrer Captain America werden konnte, der die Massen begeistert und durch seinen Mut zu einem Symbol für den Freiheitskampf. Und genauso wird uns der Red Skull und seine Organisation Hydra als der ebenbürtige Gegner Caps präsentiert – Cap kämpft eben nicht gegen normale Soldaten, sondern gegen die Truppen der abtrünnigen Organisation Hydra. Grandiose Nebendarsteller, wie Hayley Atwell und Tommy Lee Jones, runden den Film gelungen ab. Und für die Comicfans gibt es Bucky Barnes und viele andere Details mehr zu sehen.

Dieses Kinojahr hat uns schon mit »X-Men: First Class« erfreut, und auch »Rise of the Planet of the Apes« hat sich als eine gelungene Neuinterpretation erwiesen. Aber CAPTAIN AMERICA toppt diese beiden Filme problemlos!

[nggallery id=45]


REGIE: Joe Johnston
PRODUKTION: Kevin Feige
BESETZUNG: Chris Evans, Tommy Lee Jones, Hugo Weaving, Hayley Atwell, Sebastian Stan, Dominic Cooper, Toby Jones, Neal McDonough, Derek Luke, Stanley Tucci
Deutschlandstart am 18. August 2011

4 Gedanken zu “Filmkritik: »The First Avenger – Captain America« (2011) – Grandios!”

  1. Schwer zu glauben, dass der Film in Deinen Augen so gut sein soll. Die ganzen Amerikanismen, die in dieser Figur stecken, haben mich schon im Trailer vergrault.

Kommentare sind geschlossen.