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Filmkritik

Filmkritik: »Watchmen« (2009)

In der Erstauflage seines grandiosen Buches »The Greatest Sci-Fi Movies Never Made« widmet Autor David Hughes den fehlgeschlagenen Versuchen »Watchmen« auf die Leinwand zu bringen, komplette acht Seiten. Rückblickend wirkt es fast schon kindlich naiv, wenn man darüber liest, wie sich verschiedene Drehbuchautoren und Regisseure (darunter Terry Gilliam, Darren Aronofsky und Paul Greengrass) darum versuchten, die Geschichte von Alan Moore und Dave Gibbons durch eine Unzahl an Änderungen und Kürzungen verfilmbar zu machen – und letztlich doch immer an der Komplexität der Geschichte scheiterten.Als die Filmrechte Ende 2005 bei Warner Bros landeten, wandten sich die Studioproduzenten an Zack Snyder, der mit »300« gerade seine erste Comicverfilmung mit Bravour gemeistert hatte. »Sie boten mir ein Drehbuch namens Watchmen an. Das wäre auch so eine Comic-Sache und ob ich Interesse hätte«,  erzählte Zack Snyder bei der Vorpremiere seiner Verfilmung in München. »Ich kannte und liebte diese großartige Geschichte und sagte zu. Aber das Drehbuch war grauenhaft: es wimmelte von Anspielungen auf den 11. September und es hatte natürlich ein Happy End, in dem Nite Owl mit einem coolen Spruch auf den Lippen die Welt rettete. Schrecklich.«

»Watchmen« erschien zunächst ab 1986 als zwölfteilige Comicserie bei DC Comics und später auch als Sammelband. Es ist die einzige »Graphic Novel«, die bislang den renommiertesten Science-Fiction-Literaturpreis, den Hugo Award, gewinnen konnte. Und »Watchmen« gelangte auch als einziger Comic auf die Liste der »100 besten Romane von 1923 bis zur Gegenwart«, die das amerikanische Magazin TIME 2005 zusammenstellte.

Die WatchmenWir schreiben das Jahr 1985. Die USA haben, dank der Hilfe des Übermenschen Dr. Manhattan, den Vietnamkrieg gewonnen. Richard Nixon ist zum fünften Mal als Präsident wiedergewählt worden. Der Veidt-Konzern beherrscht die Wirtschaft. Gigantische Luftschiffe schweben über der Skyline Manhattans. Willkommen in der Welt der WATCHMEN – einer etwas anderen Welt, die doch mit der uns bekannten Geschichte zwei entscheidende Gemeinsamkeiten hat: Amerika steht in den 80er-Jahren kurz vor einem Krieg mit der Sowjetunion, der die Auslöschung der Menschheit bedeuten würde. Als Edward Blake alias Comedian (Jeffrey Dean Morgan), ein maskierter Rächer und Auftragskiller für die US-Regierung, umgebracht wird, beginnt sein ehemaliger Teamkollege Rorschach auf eigene Faust zu ermitteln. Der Tod des Comedian ist jedoch nur der Anfang einer Kette von Ereignissen, die nicht nur das Leben seiner ehemaligen Superhelden-Kollegen von Grund auf ändern wird, sondern ebenso das der gesamten Menschheit …

Zack Snyder am Set

»Ich habe immer wieder gehört, daß WATCHMEN unverfilmbar sei«, sagt Zack Snyder bei der Vorpremiere seines Filmes. Eine gewisse Ironie, etwas Schadenfreude, aber auch Stolz schwingt in der Stimme mit. Denn Zack Snyders Wunsch war es von Anfang an, die Geschichte genau so auf die Leinwand zu bringen, wie sie im Comic erzählt wurde. Da erscheint es fast wie ein grausamer Witz, daß Alan Moore nach seinem Ärger über die Umsetzung von »V wie Vendetta« durch die Wachowskis jetzt ausgerechnet Zack Snyder jegliche Hilfe verwehrte.

Denn ausgerechnet der Regisseur, dem jegliches Gespräch mit dem Comicautor verwehrt blieb, zeigt sich als werktreuer Umsetzer, der nicht nur Bild und Texte, sondern auch den Aufbau und die Abfolge der Handlungselemente exakt und mit einer unglaublichen Akribie auf Zelluloid bannte. Schon beim Casting zeigt sich sein Geschick, da er nicht auf einen großen Hollywood-Schauspieler setzt, sondern statt dessen z.B. Jeffrey Dean Morgan als Comedian besetzt. Oder sich traut, Jackie Earle Haley zu Rorschach zu machen, der zwar meist nur in seiner Maske zu sehen ist, aber Dank seiner großartigen Stimme trotzdem einen nachhaltigen Eindruck hinterläßt.

Zack Snyder füllt allenfalls die Lücken, die das Comic offen lässt. Aber auch das mit Bedacht und großer Vorsicht. Also überrascht er uns mit der Musik der Siebziger und Achtziger Jahre, und einmal, Dan Dreiberg führt gerade Laurie Jupiter aus, erklingt sogar Nenas »99 Luftballons«. Und Snyder packte soviel vom Original in seinen Film, wie nur unterzubringen war. 2 Stunden 40 Minuten gesteht man ihm schließlich für die Kinofassung zu.

Doch zum Glück gibt es die DVD. Mit allem drum und dran, und dazu gehören nicht nur z.B. weitere Szenen mit Hollis Mason, dem ersten Nite Owl, sondern auch ein kompletter Zeichentrickfilm, mit dem »Comic im Comic« der Graphic Novel, wird Zack Snyders Film dann schließlich auf 3 Stunden und 30 Minuten kommen. Ein Fest für alle Fans der »Watchmen«.

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