Filmkritik: X-Men: First Class – erstklassige Mutanten-Action im Jahr 1962!

Der Film beginnt mit einer Rückkehr ins Jahre 1944 – in ein Ghetto in Polen. Ein Kind wird von deutschen Soldaten brutal von seinen Eltern getrennt, die zusammen mit vielen anderen Menschen in ein Lager für Juden getrieben werden. Der Hass und die Angst die sich in diesem kleinen Jungen aufbauen, lösen etwas in ihm aus, befreien seine Fähigkeiten. Plötzlich beginnt sich das eiserne Lagertor zu verbiegen und knickt ein… Doch er hat keine Chance etwas am Schicksal seiner Eltern und all der anderen zu ändern. So begann bereits Bryan Singers erster »X-Men«-Kinofilm aus dem Jahr 2000, der der Auftakt für die äußerst erfolgreiche X-Men-Filmtrilogie (»X2: X-Men 2«, 2003 und »X-Men 3: The Last Stand«, 2006) war – und Regisseur Matthew Vaughn greift diese Szene auf und unterlegt sie sogar mit der Musik von Michael Kamen aus dem ersten Film. Damit macht Vaughn gleich klar, dass sein Film sich der Trilogie verbunden fühlt, die Vergangenheit ihrer Hauptpersonen aber näher beleuchten will und uns eine eigene Geschichte erzählen wird.

»X-Men: First Class« zeigt uns nämlich, wie es für den jungen Erik Magnus Lensherr weiterging – er wird nach dem Vorfall am Tor aufgegriffen und sitzt nun dem Naziwissenschaftler Klaus Schmidt gegenüber, der ein großes Interesse an seiner speziellen Fähigkeit zeigt. Das Kind ist dem Monster ausgeliefert, das sich rücksichtslos nur für Eriks Fähigkeit Metall beeinflussen zu können interessiert… Eine Szene, die einerseits bedrückend ist, und stark an Christoph Waltz‘ Performance aus »Inglourious Basterds« erinnert, aber auch irgendwie unfreiwillig komisch wirkt, wenn man sich die Originalfassung ansieht, in der die Dialoge tatsächlich auf Deutsch geführt werden. Denn Kevin Bacon spricht seine deutschen Texte mit einem so starken Akzent, dass er immer wieder eher amüsant, als bedrohlich wirken kann. Der Konflikt mit Klaus Schmidt, der sich nicht für den Menschen, sondern nur für seine Gabe interessiert, wird prägend für Erik Magnus Lensherr – denn fast zwanzig Jahre später, 1962, ist er als junger, gefährlicher Mann immer noch auf seinem persönlichem Rachefeldzug und auf der Suche nach diesem Naziwissenschaftler, der sein Leben so veränderte, aber nach dem Krieg untertauchen konnte…

Der junge Charles E. Xavier wächst dagegen in einem bestens behüteten Elternhaus auf, er hat alle Möglichkeiten seine Fähigkeiten der Telepathie schon als Kind in aller Ruhe auszutesten und beginnt sich als junger Mann in Oxford zu einem Experten für die menschliche Evolution zu entwickeln. Aber während wir Professor X bisher nur als distinguierten alten Mann im Rollstuhl kannten, sehen wir nun, dass Charles als junger Mann im Jahre 1962 durchaus charmant sein konnte und mit Charisma ausgestattet war. Er empfindet eine unglaubliche Faszination für Mutanten und ihre Fähigkeiten, hat aber noch keine Ahnung, wohin der Weg ihn führen wird…

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Der wahre Clou an dem Schritt mit »X-Men: First Class« zurück ins Jahr 1962 zu gehen, ist allerdings nicht nur die Tatsache, dass nun erzählt werden kann, wie Charles Xavier zu Professor X und von Erik Magnus Lensherr zu Magneto wurden. Nein, der Film greift auch den Stil der Agentenfilme dieser Zeit auf und präsentiert uns Sebastian Shaw mit seinem Hellfire-Club als würdigen Bösewicht von Weltformat in einer wichtigen Epoche des Kalten Krieges. Wer hier an James Bond mit Mutanten denkt, liegt genau richtig! Shaw und seine böse Mutantentruppe sind keine Klosterschüler und das Drehbuch von Bryan Singer baut geschickt eine Verschwörung rund um die Kubakrise auf, die die gesamte Welt gefährdet.

Dazu passend gibt’s am Ende übrigens auch einen Abspann im 60er-Jahre-Stil, der auch prima zu einem Sean-Connery-Bond gepasst hätte… aber eine Szene nach dem Abspann gibt’s diesmal nicht. Aber dafür ist Hugh Jackmans Auftritt als Wolverine sehr sehenswert (»Fuck off!«). Und natürlich sollte man James McAvoy und Michael Fassbender explizit noch erwähnen, die grandios ihre Rollen ausfüllen und ohne Probleme von Patrick Stewart und Ian McKellen übernehmen, als hätte es diese niemals gegeben. Der Film nimmt sich aber auch die Zeit die anderen Personen des X-Men-Kosmos vorzustellen und einzuführen (nur bei den Mitgliedern des Hellfire-Club fällt das flach): u.a. Banshee, Havoc, Hank McCoy, Mystique und Moira McTaggert.



»X-Men: First Class« (dt: »X-Men: Erste Entscheidung«) ist nicht das erste Mal, dass Regosseur Matthew Vaughn mit den X-Men zu tun hatte. Bereits 2005 war er im Gespräch für die Regiearbeit an »X-Men: The Last Stand«, der dann aber nach Vaughns Absage schließlich von Brett Ratner inszeniert wurde. Aber wie Vaughn schon eindrucksvoll mit »Kick-Ass« bewiesen hatte, liegt ihm das Superhelden-Genre durchaus – denn er hat aus einem guten Drehbuch einen grandiosen und spannenden Action-Mutanten-Film gemacht, der auf ganzer Linie begeistert! »X-Men: First Class« ist – wie der Titel schon sagt – erstklassig!

2 Gedanken zu “Filmkritik: X-Men: First Class – erstklassige Mutanten-Action im Jahr 1962!”

  1. Ich wollte nur anmerken – oft wrd das Deutsch von Kevin Bacon im Film kritisiert – das ist ungerecht und obendrein totaler Humbug! Kevin Bacon spricht perfektes Deutsch in dem Film – NEIN, KEIN modernes Hochdeutsch, sondern DEN ost-preussischen Dialekt, der in der Gegend, wo der Film spielt, und auch noch in manchen Gegenden rund um Berlin auch heute noch GENAU SO gesprochen wird!

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