Filmkritik: »Jupiter Ascending« (2015) – Eine Russische Putzfrau als Erbin des Universums

Inhalt: Jupiter Jones (Mila Kunis) wurde unter dem Nachthimmel geboren – man sagt ihr eine große Zukunft voraus. Als erwachsene Frau träumt Jupiter von den Sternen, wird aber immer wieder vom nüchternen Alltag eingeholt, denn sie bekommt nichts auf die Reihe und hält sich mit Toilettenputzen über Wasser. Erst als der genetisch manipulierte Ex-Soldat Caine (Channing Tatum) auf der Erde landet, um sie zu finden, bekommt Jupiter eine Ahnung von dem Schicksal, das ihr von Geburt an vorherbestimmt ist: Ihre Gene weisen sie als Anwärterin auf ein außergewöhnliches Erbe aus, das den gesamten Kosmos aus den Angeln heben könnte.

Kinoposter Jupiter Ascending


Vor fast 16 Jahren besuchte ich meine erste Pressevorführung – »The Matrix« der Wachowskis. Ich wusste nichts über den Film, nun fast nichts: es sollte ein SF-Film sein, und er war in den USA gerade sehr erfolgreich angelaufen. Zwei Stunden später verließ ich mit weit geöffneten Augen und einem sehr seltsamen Gefühl das Kino: ich hatte ein atemberaubendes Filmerlebnis hinter mir.

Seitdem haben mich die Filme der Wachowskis aber nicht mehr zufrieden gestellt. »Matrix Reloaded« und »Matrix Revolutions« waren blutleere Fortsetzungen ohne den Charme des ersten Filmes, aufgebauscht mit schier endlosen Spezialeffektszenen und hanebüchenen Dialogen. Und »Cloud Atlas«, ein gemeinsames Projekt der Wachowskis mit Tom Tykwer, blieb ein fast dreistündiges Mosaik, das manchmal wunderbar ein glänzendes, schillerndes Ganzes ergibt, und dann wieder in seine Einzelteile zerfällt und insgesamt betrachtet vor allem an den Qualitätsschwankungen scheitert. »Speedracer« habe ich nicht gesehen.

Jupiter Ascending (3D)  Copyright: © 2015 WARNER BROS. ENT. INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS NORTH AMERICA INC. AND RATPAC-DUNE ENT. LLC - U.S., CANADA, BAHAMAS & BERMUDA  © 2015 WARNER BROS. ENT. INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS (BVI) LIMITED AND RATPAC-DUNE ENT. LLC - ALL OTHER TERRITORIES  Photo Credit: Murray Close  Caption: CHANNING TATUM as Caine Wise and MILA KUNIS as Jupiter Jones in Warner Bros. Pictures' and Village Roadshow Pictures' "JUPITER ASCENDING," an original science fiction epic adventure from Lana and Andy Wachowski. A Warner Bros. Pictures release.

Und was bieten uns Lana & Andy Wachowski diesmal? Ein billiges Schmierentheater auf der großen galaktischen Showbühne. Man kann es nicht anders sagen, denn an diesem Film ist so vieles misslungen, dass man es kaum anders ausdrücken kann. Nicht nur das Drehbuch und die Handlung versagen hier kläglich, sondern vor allem auch die Hauptdarstellerin, Mila Kunis, die zwar hübsch aussehen mag, aber ansonsten wie ein Dummchen durch die Handlung stolpert und dabei nie intelligent, aber auch kaum jemals authentisch wie eine Putzfrau wirkt. Dabei mag die Idee, dass eine interstellare Herrscherin auf der Erde wiedergeboren wird, vielleicht ganz amüsante Ansätze für eine Handlung bieten, aber gemacht wird daraus nichts. Wie in einer schlechten Soap wird hier jedes Klischee bedient: die russische Großfamilie, der treue Soldat, der verkommene Adlige. Und es gibt das große galaktische Geheimnis über die wahre Bedeutung der Erde. Doch was bringt das alles, wenn die Geschichte nichts daraus machen kann? Die drei Kinder der galaktischen Herrscherin werden hintereinander besucht, das Geheimnis aufgedeckt, die Verschwörung verhindert. Langweilig. Dazwischen wird vom scheinbar unverwundbaren Helden gekämpft und immer gesiegt.

Jupiter Ascending (3D)  Copyright: © 2015 WARNER BROS. ENT. INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS NORTH AMERICA INC. AND RATPAC-DUNE ENT. LLC - U.S., CANADA, BAHAMAS & BERMUDA  © 2015 WARNER BROS. ENT. INC., VILLAGE ROADSHOW FILMS (BVI) LIMITED AND RATPAC-DUNE ENT. LLC - ALL OTHER TERRITORIES  Photo Credit: Murray Close  Caption: CHANNING TATUM as Caine Wise and MILA KUNIS as Jupiter Jones in Warner Bros. Pictures' and Village Roadshow Pictures' "JUPITER ASCENDING," an original science fiction epic adventure from Lana and Andy Wachowski. A Warner Bros. Pictures release.

Etwas Farbe bringen im wörtlichsten Sinne hier nur die Kulissen ins Spiel. An den Spezialeffekten und Ideen für großartige Sets wurde hier nicht gespart. Für Herrscher über ganze Sonnensysteme und Angehörige galaktischer Dynastien angemessen wirken sie gigantisch und eindrucksvoll. Aber was hilft das alles, wenn in den schönsten digitalen Kulissen billigstes Schmierentheater vorgeführt wird? Da können auch die schönsten Aufnahmen aus den Wolken des Jupiters nichts mehr retten.

Sowohl die Idee, als auch das Drehbuch zu »Jupiter Ascending« stammen von den Wachowskis, die dem Film sogar ein Ende spendieren, das auf eine Fortsetzung hindeuten soll. Ich bin sicher, diese wird es nicht geben. Überhaupt wird der Film im Kino nur ein kurzes Gastspiele geben. Aus gutem Grund, denn die Hoffnung, dass hier ein neuer Science-Fiction-Film neben den zahlreichen Superhelden-Verfilmungen und Reboots im Kino brillieren könnte, hat sich zerschlagen.






Jupiter Ascending
Darsteller: Channing Tatum, Mila Kunis, Sean Bean, Eddie Redmayne, Douglas Booth, Tuppence Middleton
Regie und Drehbuch: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Produzenten: Andy Wachowski, Lana Wachowski, Grant Hill
Executive Producers: Roberto Malerba, Bruce Berman
Kamera: John Toll
Produktionsdesign: Hugh Bateup
Schnitt: Alexander Berner
Kostüme: Kym Barrett
Masken und Frisuren: Jeremy Woodhead
Musik: Michael Giacchino
Visuelle Effekte: Dan Glass, John Gaeta
Deutscher Filmstart: 5. Februar 2015 im Verleih von Warner Bros. Pictures Germany a division of Warner Bros. Entertainment GmbH, www.JupiterAscending.de

2 Gedanken zu „Filmkritik: »Jupiter Ascending« (2015) – Eine Russische Putzfrau als Erbin des Universums“

  1. Bei jedem der Bilder fällt mir irgendein Film ein in dem ich das jeweilige Motiv schon gesehen habe. Bei Matrix war die „Welt am Draht“-Story zwar auch nich ganz neu, aber der Look war schon sensationell
    neu

  2. Ich hatte im Kino ständig das Gefühl, der Film will viel zu viel. Es werden unglaublich viele SF-Themen angesprochen, aus denem man jeweils einen Film machen könnte, der dem einzelnen Thema gerecht wird. Beispiel: Bienen erkennen in der Putzfrau eine Königin. Aha, da könnte man ja mal drüber nachdenken. Wie schaffen es die Insekten die Artgrenze zu überspringen und was bedeutet es, wenn Tiere die Putzfrau beschützen wollen (und warum merken die Bienen das jetzt erst?)? Für den weiteren Verlauf des Filmes bedeutet es gar nichts, rein gar nichts. Es ist nur eine hübsche Szene mit Blumenwiese. Das ist so ziemlich der dümmste Schnitzer, den man in einem Drehbuch machen kann (googelt mal das Stichwort: Chekhov’s gun).
    So bleibt es immer nur bei der Andeutung einer guten Idee und der Film wird einfach durch eine brachialen Stunt aufgelöst. Eine riesige Fabrik in Mitten des Großen Roten Flecks von Jupiter zerbricht wie ein Streichholz, nur weil ein Held mit seinem X-Wing-Dingsbums die Schützhülle durchbricht. Sehr dämlich.
    Was überhaupt an den Actionszenen nervt, ist der Hang Hollywoods zu fliegenden Helden. Das schwebende Motorrad der Kopfgeldjägerin ist ja noch echt cool, aber Stiefel, mit denen man wie Superman um die Wolkenkratzer brettern kann? Auch sehr dämlich. Warum versteckt sich der Held mit der Königin nicht einfach irgendwo in den Straßenschluchten? Das wäre atmosphärisch viel spannender, als das Alberne rumgefliege und rumgeballere.
    Die junge russische Putzfrau macht in der Tat im ganzen Film eigentlich nichts. „Es kommt nicht darauf an, was Du machst, sonder wer Du bist“, heißt es ja auch im Trailer. Letztlich ist ihre Existenz aufgrund einer bürokratischen Gesetzgebung ein Hindernis. Diese Bürokratie wird in einer grotesken Szene kurz dargestellt. Es ist aber gar nicht klar, welche politische oder militärische Macht wirklich hinter dieser Bürokratie steckt. Warum können die supermächtigen Dynastien mit Superdupertechnologie nicht einfach mal eben eine Putzfrau beseitigen? Wer ist die Macht in der Galaxie, der sie schützt? Ist es eine Demokratie, gibt es einen Präsidenten oder galaktischen Imperator? Wir werden es wohl nie erfahren und das ist vielleicht auch gut so.

Kommentare sind geschlossen.