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Klassiker (bis 1990)

Ein Rückblick: TRON 1.0

1982 existierte das Internet im heutigen Sinne nicht, Handys mit einem Gewicht von 10 kg waren einer elitären Schicht von Politikern und Managern vorbehalten, Computerfans haftete das Image von asozialen Freaks an, und der Begriff Cyberspace war noch gar nicht erfunden.

1982 war auch das Jahr, in dem der Commodore C64 in Europa erhältlich war und gemeinsam
mit seinen Kollegen wie dem Atari XL, dem Sinclair Spectrum oder dem TI99 den Siegeszug in den Haushalten der 1980ger Jahre angetreten ist.

1982 erblickte TRON das Licht der Leinwand.

TRON war der erste Film, dessen Handlung nicht nur zu einem großen Teil innerhalb eines Computers spielte, sondern dessen Bildwelten auch zum ersten Mal mit Hilfe von Computergrafiken und -animationen visualisiert wurden. Obwohl TRON ein Meilenstein der Computeranimation war, beliefen sich – im Gegensatz zur viel verbreitenden Meinung – die computergenerierten Effekte lediglich auf 15 bis 20 Minuten der gesamten Filmlänge. Für einen großen Teil der Szenen im Computerinneren wurden Schauspieler und Teile der Requisite schwarz/weiß gefilmt, danach auf großformatigen Planfilm umkopiert, händisch koloriert, von hinten beleuchtet, im Anschluss abfotografiert und in die verschiedenen Hintergründe einkopiert. Diese Methode nennt sich Backlit-Animation und gibt dem Film den bis heute einzigartigen organisch-elektronischen Neon-Look. Das Backlit-Verfahren wurde aufgrund des extrem hohen Aufwands und der damit verbunden Kosten bis zum heutigen Tage nie wieder für einen Spielfilm angewandt.

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Tron: Entwurf von Moebius

Tron: Entwurf von Moebius

Dass TRON zu einem audiovisuellen Erlebnis wurde, ist letztendlich dem Regisseur Steven Lisberger (der von Computern tatsächlich etwas verstand und auch bei der Fortsetzung TRON: LEGACY wieder mit an Bord war) und dem damaligen Kreativteam zu verdanken.

So wurde ein großer Teil der Flug- und Fahrobjekte, wie etwa das berühmte Lichtrad (Lightcycle) oder der Aufklärer (Recognizer), vom etablierten Industriedesigner Syd Mead geschaffen, der nicht nur für die NASA tätig war, sondern dessen Kreationen auch in BLADE RUNNER, einem weiteren Sci-Fi Klassiker aus dem Jahr 1982, zu bewundern waren. Außerdem war der französische Comiczeicher Jean Giraud alias Moebius, der zuvor schon für Ridley Scott’s ALIEN die Raumanzüge entwarf, bei TRON für die Kostüme und Teile des Sets verantwortlich und schließlich überzeugte Musikpionierin Wendy Carlos für den Soundtrack

mit einer Synthese aus elektronischer und orchestraler Filmmusik.

Trotz dieser Voraussetzungen konnten die hohen Erwartungen der Walt Disney Studios an TRON nicht erfüllt werden, da der Film damals nur mit mittelmäßigen Kritiken bedacht wurde und an den Kinokassen gnadenlos floppte. Obwohl Anfang der 80iger die elektronischen Spielhallen (Arcades) boomten und die erste Generation von Heimcomputern und Spielkonsolen in den Kinderzimmern Fuß fasste, waren das Konzept von Cyberspace und das Wissen um Computer im Mainstream noch nicht genug verankert, um TRON einen Erfolg zu garantieren.

Viele der damaligen Kinobesucher (und auch zahlreiche Filmkritiker) konnten trotz simpler Dialoge und einfacher schauspielerischer Performance keinen Bezug zur Geschichte herstellen und verstanden schlicht und einfach den technischen Plot nicht. Erst später, als Multimedia und Unterhaltungselektronik Bestandteile des normalen Alltags wurden, war der Weg zum Kultfilm, der eine ganze Generation von Filmemachern, Musikern, Grafikdesignern und Künstlern beeinflusst hat, geebnet. Auch wenn man die nostalgische Verklärung beiseite lässt, überzeugt TRON im Gegensatz zu anderen Filmen die auf CGI (Computer Generated Imagery) und Cyberspace setzten, wie z.B. THE LAWNMOWER MAN aus dem Jahr 1992, auch 28 Jahre nach seiner Uraufführung noch immer durch seine gelungene Ästhetik.

Es ist fraglich, ob TRON für Teenager des 21. Jahrhunderts, die mit Smartphone, Internet und Facebook groß geworden sind, die gleiche Faszination ausübt wie für die Kinder der 1980ger Jahre. Auf den den ersten Blick mag er antiquiert wirken, aber vielleicht entdeckt im Zuge von TRON: LEGACY auch diese neue Generation den Detail- und Ideenreichtum, sowie die Kreativität und wegbereitende Vision dieses Films.

End of Line!

Discussion

2 Responses to “Ein Rückblick: TRON 1.0”

  1. Hier ist ein schöner Rückblick zum 1. Teil:

    http://www.sf-fan.de/klassiker-bis-1990/ein-ruckblick-tron-1-0.html

    Posted by Maximassimiliano | 26. Januar 2011, 11:14

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  1. […] Lisberger, der Regisseur des legendären SF-Kinofilms »Tron«, hat Gerüchte bestätigt, daß er an der Planung zu einer Fortsetzung arbeitet. Dabei werden […]

    Tron 2.0 | SF-Fan.de - 27. Juni 2014

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