// science fiction //

Klassiker (bis 1990)

»ROBOT JOX – Die Schlacht der Stahlgiganten« (1990)

Fünfzig Jahre nach einem Nuklearkrieg ist die Welt in die Konföderation und das Bündnis aufgeteilt. Kriege gibt es nicht mehr und territoriale Konflikte werden in Arenen mit riesigen Kampfrobotern ausgetragen. Der Gewinner erhält die auf dem Spiel stehende Länderei, die Verliererpartei muss das besagte Land übergeben. Gesteuert werden diese Maschinen von den Robot Jockeys, die den Status von Volkshelden innehaben und im Gegensatz zur verarmten Bevölkerung ein vergleichsweise gutsituiertes Leben führen. Die Crux ist jedoch, dass der verlierende Roboter in der Regel zerstört wird und der dazugehörige Pilot meist den Tod findet. Einer der berühmtesten Jockeys ist Achilles (Gary Graham), der sich nach seinem 10. Kampf – und der damit verbunden Vertragserfüllung – in die wohlverdiente Jockey Rente verabschieden will. Ein Unentschieden bei dieser Auseinandersetzung macht Achilles allerdings einen Strich durch die Rechnung und so muss sich unser Held seinem finalen Kampf stellen.

Fans von Regisseur Stuart Gorden, der mit RE-ANIMATOR (1985) einen der Kultfilme des Horrorgenres inszenierte, werden beim ersten Betrachten vermutlich enttäuscht sein, da ROBOT JOX weder Horror noch Splatter bietet. Vielmehr scheint sich der Film an ein Teenagerpublikum zu richten, das gerade mal seinem Kinderzimmer (und den Transformers1 Actionfiguren) entwachsen ist. Gordon selbst wurde stark von diesen Figuren und Zeichentrickfilmen inspiriert und wollte mit ROBOT JOX einen Life-Action-Film im Mecha-Stil2) realisieren.

Robo Jox Making Of

Obwohl ROBOT JOX, dessen Dreharbeiten 1987 begonnen haben, eigentlich Anleihen bei Homers Ilias nehmen sollte, ist im Film kaum mehr etwas davon zu merken. Tiefe und Vielschichtigkeit findet man nicht, es gibt ganz klar die Guten, die Bösen und Sterotype werden mitunter heftig strapaziert. Die Handlung wurde auch vom Kalten Krieg und einem möglichen Ende des Ost-Westkonfikts geprägt. Das „gute“ Bündnis 3) repräsentiert die USA, die „böse“ Konföderation ist das russische Gegenstück und wie später im echten Leben, schließen die ehemals verfeindeten Kontrahenten Frieden.

Story und Drehbuch haben in der Pre-Produktion zu Streitigkeiten zwischen Drehbuchautor Joe Haldeman und Regisseur Stuart Gorden geführt, denn Haldemann wollte einen seriösen Film machen, Gorden hingegen ein effekt-geladenes Sci-Fi Spektakel.

Rückblickend erinnert sich Haldeman: »I would try to change the science into something reasonable; Stuart would change it back to Saturday morning cartoon stuff. I tried to make believable, reasonable characters and Stuart would insist on throwing in clichés and caricatures. It was especially annoying because it was a story about soldiers, and I was the only person around who’d ever been one.« 4)

»Zerstöre und Verbrenne« (Crash and Burn) ist dann nicht nur Leitspruch der Robot Jockeys, es ist auch die Maxime des Films oder zumindest die der Actionsequenzen. Wenn die Schauspieler das übliche B-Movie Acting mit klischeehaften Dialogen in einem dementsprechendem Set Design abliefern, stört das nicht weiter, sondern erhöht vielmehr den charmanten Trash Faktor des Films.


Letztendlich sind die eigentlichen Hauptdarsteller ohnehin die Kampfroboter. Diese wurden via Stop-Motion manchmal überzeugend, meist etwas schlampig animiert und verfügen von Raketen über Laser, bis hin zu fliegenden Panzerfäusten alles, was das Herz des Fans höher schlägen lässt. Ohne Klischees bedienen zu wollen, fällt dieser Film wohl eher in die Kategorie „Jungenspielzeug“ und so freut sich das Kind im Manne, wenn die mechanischen Protagonisten eine Spur der Verwüstung hinter sich lassen. Kurzum, „crash and burn“ macht auch als Erwachsener noch immer einen Heidenspaß.

Wem Achilles-Darsteller Gary Graham bekannt vorkommt, täuscht sich nicht, denn dieser hatte 1995 einen Gastauftritt als Ocampa in einer Folge von STAR TREK: VOYAGER und spielte von 2001 bis 2005 den vulkanischen Botschafter Soval in STAR TREK: ENTERPRISE. Jeyffrey Combs – ein weiteres Star Trek Stammmitglied und Hauptdarsteller in Stuart Gordons RE-ANIMATOR – hat auch hier einen kurzen Gastauftritt.

Für das produzierende Empire Studio war ROBOT JOX mit $ 10 Mill. die teuerste Produktion überhaupt und was eigentlich als A-Movie mit Kinorelease geplant war, endete für Empire im Konkurs. Der unfertige Film wurde von EPIC Productions gekauft, finalisiert und mit viel Verspätung 1990 ins Kino gebracht, doch konnte er dort weder Publikum noch Kritiker überzeugen. Seine Anhänger fand der Film letztendlich erst in den Videotheken und Kabelsendern dieser Welt.



1)
TRANSFORMERS selbst wurde stark von MAZINGER Z beeinflusst, einer frühen Mecha-Variante, die in den 1970er Jahren als Manga und Anime in Japan und später auch international bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt war.
Heranwachsende, die in den frühen 80er Jahren ihren Sommerurlaub in Italien verbracht haben, erinnern sich vielleicht noch an diverse Merchandising Produkte mit der dortigen Schreibweise MAZINGA Z.

2)
Mecha bezeichnet ein Science Fiction Genre, in dem primär (meist große) roboterähnliche Maschinen von Menschen oder Piloten gesteuert werden. Der Begriff wurde aus der japanischen Abkürzung „meka“ für das englische Wort „mechanical“ abgeleitet. Neben zahlreichen Animes, fallen unter anderem auch die TRANSFORMERS-Serien, PACIFIC RIM oder einige GODZILLA-Filme in dieses Genre.

3)
Im US-Original ist Market (vermutlich auf die freie Marktwirtschaft anspielend) der Name des westlich-orientierten Bündnisses.

4)
http://web.archive.org/web/20110514001111/http://home.earthlink.net/~haldeman/biolong.html

Discussion

One Response to “»ROBOT JOX – Die Schlacht der Stahlgiganten« (1990)”

  1. Der Film hat es nach 25 Jahren auf Blu-ray geschafft, leider. Nein, Spaß beiseite, obwohl doch nicht, der Film ist richtig schlecht. Ich fand ihn so trashig schlecht, dass ich es genossen habe ihn zu schauen. Eine Szene war absurder als die nächste, die Kämpfe der Roboter sahen zum Schießen aus und die Schauspieler, naja… was soll ich sagen, einfach purer Trash und das liebe ich bei manchen Filmen. Ich fühlte mich richtig gut unterhalten und kann allen, die ebenso manchmal gerne schlechte Filme schauen diesen hier empfehlen, denn etwas noch trashigeres hab ich kaum gesehen bisher.

    Posted by Daniel | 29. Oktober 2014, 11:25

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