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Rezensionen

A.E. van Vogt – Slan

Slan

Orb Books, Paperback
ISBN 0-312-85236-3
New York März 1998, $12.95, 256 Seiten

Im September 1940 erschien im amerikanischen SF-Magazin »Astounding« der erste Teil der Fortsetzungsgeschichte »Slan« von A.E. van Vogt. Herausgeber John W. Campbell und die Leser waren begeistert, und so kam 1946 eine erste Romanfassung als Hardcover in den Handel, die 1951 nochmals überarbeitet wurde. 1967 erschien eine deutsche Übersetzung als Heyne-Taschenbuch (06/3094).

Im Alter von neun Jahren verliert Jommy Cross seine Mutter. Auf offener Straße wird sie erschossen, denn wie Jommy ist sie ein »Slan«, ein Mutant mit besonderen Fähigkeiten. Eine maschinell erzeugte Mutation führte offenbar zu dieser neuen Menschenrasse, die über zwei Herzen, ein vergrößertes und leistungsfähigeres Gehirn und Dank ihrer Fühler über die Fähigkeit der Telepathie verfügt. Die Slans werden von der »normalen« Menschheit (die vom Diktator Kier Gray beherrscht wird) gejagt, und wie es scheint, wurden sie in den letzten vierhundert Jahren fast komplett ausgerottet.

Jommy kann dem Jagdkommando entkommen, und wächst in einem Armenviertel bei einer Säuferin auf. Erst Jahre später macht sich Jommy daran das Erbe seiner Eltern anzutreten, denn sein Vater, ein genialer Wissenschaftler, hinterließ ihm seine Forschungsergebnisse. Doch Jommy sucht vergeblich nach anderen seiner Art. Was er findet sind jedoch andere Slan-Abkömmlinge, die keine verräterischen Fühler besitzen, aber dafür scheinbar ganz normal mit den „normalen“ Menschen zusammenleben. Diese Slan-Abkömmlinge hassen allerdings Slans wie Jommy und wollen alle anderen Menschen unterjochen…

Der Roman kann seine Entstehung als Fortsetzungsgeschichte nicht verleugnen. Zu sehr ist die Dramatik des Aufbaus auf einzelne Kapitel ausgelegt, da diese eben damals in den Heften auch einzeln funktionieren mussten. So bildet sich kein umfassender Spannungsbogen aus, und man wird bei der Buchausgabe immer wieder neu in die Handlung geworfen. Auch die Zeichnung der Charaktere ist sehr einfach gehalten: Jommy, die Hauptperson, ist vom Guten beseelt und gleichzeitig der Übermensch, der auf das Böse, das auf ihn hereinprasselt, nur entsprechend reagiert.

Die Zeit ist nicht spurlos an diesem Roman vorbeigegangen. Vieles, was A.E. van Vogt schildert und beschreibt, klingt aus heutiger Sicht seltsam oder ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt, daß »Slan« vor sechzig Jahren geschrieben wurde. Das fängt damit an, daß hier immer noch die Atomkraft als Heilbringer der Zukunft propagiert wird. Ein Traum, der sich nur wenige Jahre später in Hiroshima und Nagasaki in einem Alptraum verwandelte.

Auch die Entstehung der Slans (sowohl Propaganda, als auch die spätere Wahrheit) hat einen durchaus schalen Beigeschmack. Unkritisch wird dies von van Vogt beschrieben und manches erinnert an faschistische Menschenversuche und gesteuerte Zuchtprogramme. Und der Genozid an den Slans wird nur nebenbei abgehandelt.

»Slan« von A.E. van Vogt war in den 40er und 50er Jahren ein großer Erfolg bei den SF-Fans, die sich auch wie verkannte Genies fühlten und so entstand im amerikanischen Fandom der Spruch »Fans are Slans«. Aus heutiger Sicht ist »Slan« ein zwar immer noch flüssig geschriebener Roman, der jedoch so viele Schwächen aufweist, daß man als Leser leicht enttäuscht sein kann. Als heute noch empfehlenswerter »Klassiker« ist er unbrauchbar, ein wichtiger Bestandteil der Geschichte des Genres SF ist er jedoch auf alle Fälle.

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