// science fiction //

Rezensionen

Elizabeth A. Lynn – Sardonyxnetz

Sardonyxnetz, (c) Heyne

Heyne Verlag, TB 06/4033
ISBN 3-453-30974-X
Titel der Originalausgabe: »The Sardonyx Net«
aus dem Amerikanischen von Roland Fleissner
Titelbild von John Harris
München, 1983, 9.80 DM, 510 Seiten

Der kleine Handelskapitän Dana Ikoro hat Pech. Bei einem Schmuggelversuch wird er nicht nur von einer Kollegin übers Ohr gehauen, sondern er landet auch noch in Fängen der SARDONYXNETZ, die Sklaven nach Chabad bringt. Und Zed Yago, der Kapitän der NETZ, ist ein Sadist, der seine Opfer genüßlich und stundenlang quält um ihren Willen zu brechen. 

Dana Ikoro übersteht emotional schwer angeschlagen die „Behandlung“, doch er landet als Sklave bei Rhani Yago, der Schwester von Zed, die eine der vier großen Familienclans auf Chabad leitet. Und hier steht er zwar unter dem Schutz von Rhani, doch die Bedrohung durch Zed bleibt immer vorhanden. Das Sklavensystem auf Chabad, das vor allem auf dem Einsatz einer Droge zur Ruhigstellung basiert, wird währenddessen immer mehr in Frage gestellt, und es kommt auch zu Anschlägen auf das Haus Yago…

Elizabeth A. Lynns Roman ist vielschichtig angelegt. Auf den ersten Blick geht es ganz einfach um die herrschende Klasse auf Chabad, und das scheinbar gerechte Sklavensystem, das Verurteilten die Chance zur Rehabilitation liefert. Doch das das System nicht so perfekt ist, wird schnell klar: die meisten Sklaven ertragen ihre jahrelange Fronarbeit nur unter Drogen, und immer sind sie den Launen ihrer Herren unterworfen.

Doch im Mittelpunkt des Romans steht eigentlich nicht die Gesellschaft auf Chabad, sondern die beiden Geschwister aus dem Hause Yago. In jungen Jahren entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden, die von der Mutter strikt unterbunden wurde – Zed wurde auf einen anderen Planeten zur Ausbildung geschickt, und Rhani wurde zu ihrer Nachfolgerin ausgebildet. Das so jähe Ende ihrer Liebe, führte dazu, daß Zed zu einem Sadisten wurde; unfähig seine Gefühle anders zu kontrollieren und auszudrücken. Statt der Fähigkeit anderen Menschen mit Liebe zu begegnen, blieb ihm nur noch der Haß, und nur der Schmerz den er seinen Opfern bietet, bereitet ihm noch Vergnügen. Die scheinbar so gütige und lebensfrohe Rhani hingegen, wurde zu einer im Grunde selbstsüchtigen Politikerin, die keine wirklichen Bindungen zuläßt. Keine Gefühle sind von Dauer, und jeder Liebhaber ist letztlich nur Mittel zur Befriedigung der eigenen Gelüste. Der eigentlich schüchterne und naive Dana Ikoro wird in diesen Mahlstrom gerissen, und er schafft es nur mit Müh‘ und Not wieder zu entkommen…

„Sardonyxnetz“ ist eine faszinierende Charakterstudie zweier Personen. Über knapp 500 Seiten hinweg erhält der Leser die Möglichkeit hinter die Kulissen zu blicken und er erkennt, daß der vordergründige böse Zed Yago nur ein Opfer ist, und die vordergründig gütige Rhani sehr berrechnend ist und ebenfalls große emotionale Defizite ausweist. Die eigentliche Handlung ist manchmal etwas zäh, aber zum Ende hin wächst die Spannung doch noch… was diesen Roman aber wirklich ausmacht, sind seine faszinierenden Charaktere.

Erwähnen will ich hier noch zwei Dinge, die mir beim Lesen aufgefallen sind: erstens gibt es vereinzelt schöne Stilblüten in der Übersetzung (ein Beispiel auf Seite S. 96, oben: „»Zum Koffertragen? Also, das macht mich wirklich lachen. Tut mir leid« sagte die Wache.„), und außerdem beweist Elizabeth A. Lynn auch Humor, denn in einer Szene betrachtet Rhani einen Bücherschrank… – „Sie mußte den Kopf schräg legen, um die Titel lesen zu können. Die Zeitmaschine, lautete einer. Die Letzten und die Ersten Menschen, Die Entrechteten – wovon das handeln mochte?„.

 

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