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Rezensionen

Iain Banks – Blicke windwärts

Blicke Windwärts

Originaltitel: »Look to Windward«
Übersetzung aus dem Schottischen von Irene Bonhorst
Titelbild von Chris Moore
550 Seiten, Taschenbuch
Heyne SF-Reihe, 06/6443
ISBN 3-453-87066-2, 8.95 €

Als sich herausstellt, daß es bei einem Kastenkrieg der Chelgrianer die meisten Verluste gab, nachdem sich die Kultur in die Politik der Welt Chel eingemischt hatte, besinnt man sich nach dem Krieg auf Rache an der Kultur. Durch den Tod etwa gleich vieler Kulturbewohner, soll den nach chelgrianischen Glauben verlorenen Seelen ein ehrenvoller Übergang in das übergeordnete Reich ermöglicht werden.

Zu diesem Anlaß wird der schwerverletzte Major Quilan für ein Attentat vorbereitet – er wird nach seiner Genesung geschult und zusätzlich noch in einem Seelentank mit dem Bewußtsein des im Krieg verstorbenen Generals Huygens ausgestattet wird, der ihn bei der Tat unterstützen soll. Quilan ist durch den Tod seiner Frau in dem damaligen Bürgerkrieg eh des Weiterlebens müde, so daß er der ideale Kandidat für den Selbstmordauftrag ist.

Ziel des Attentats ist die Nabe des Masaq‘-Orbitals,  das Steuerungsgehirn einer drei Millionen Kilometer durchmessenden künstlichen Ringwelt mit etwa fünfzig Milliarden Bewohnern. Im Verlauf der Geschichte stellt sich heraus, daß eine im Hintergrund stehende unbekannte Macht die Chelgrianer mit der für das Attentat zur Verfügung stehenden Waffe (welches ein Ende eines Wurmloches in das Zentrum der Nabe plazieren soll, durch den dann der eigentliche Anschlag erfolgt) versorgt hat. Gleichzeit kommt ein Forscher der Kultur etwas unfreiwillig der chelgrianischen Verschwörung auf die Spur und versucht die Kultur zu warnen.

Der Schotte Iain Banks, welcher mit dem Roman »Bedenke Phlebas« den Grundstein des Kultur-Zyklus‘ legte, beschreibt auch hier ein facettenreiches Universum mit phantasievollen, detailliert beschriebenen Welten und deren Bewohnern. Künstliche Luftsphären im All mit kontinental großen Lebewesen, wie auch das Leben und Reisen auf dem Masaq‘-Orbital werden spannend erzählt. Allerdings lassen sich in der Geschichte, meiner Meinung nach,  sehr wohl Parallelen ziehen zum aktuellen Zeitgeschehen. Und wie im Roman, rächte sich die damalige Einmischung dann auch, wie es dann der Anschlag vom 11. September zeigte. Der Roman endet sehr überraschend, aber die Lösung wirkt meines Ermessens auch sehr konstruiert.

An und für sich war »Blicke windwärts« aber ein spannender, teilweise aber auch verwirrender Roman. Doch sollte man auch die anderen Geschichten aus dem Kultur-Universum gelesen haben, um einige Zusammenhänge besser zu verstehen.

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