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Rezensionen

Klaus Frühauf – Die Stadt der tausend Augen

Die Stadt der tausend Augen

H&F Verlag Scheibenberg, Originalausgabe
Titelbild von Hendrik Heidler
Scheibenberg, Juli 2000, 12.90 DM, 242 Seiten

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Diese klugen Worte gelten nicht nur in der Politik, sondern auch in der Literatur. Und Klaus Frühaufs Roman, der noch 1988 in der DDR wegen »offensichtlicher und gefährlicher gesellschaftlicher Nähe« abgelehnt wurde, hat mittlerweile seine politischen Gegner überlebt und damit auch den Großteil seiner Brisanz verloren.

Aaron Monk ist Überwacher im Amt für Stabilität und gehört einer privilegierten Schicht an. Seine Aufgabe ist es, die Bewohner der abgeschlossenen Stadt Armitage zu überwachen und bei Übertretungen der Gesetze die Eingrifftruppen zu mobilisieren. Dabei scheinen die meisten Fälle, die er zu bearbeiten hat, verbotene Sexualkontakte zwischen Angehörigen unterschiedlicher Sozialschichten zu sein.

Als Aaron aber eines Tages die wunderschöne Lynn de Rocco kennenlernt, muß er feststellen, daß die Gesetze, die er zuvor noch emotionslos betrachtete, nun ihn selbst gefährden. Denn seine Geliebte gehört der Unterschicht der Stadt an. Und in Aaaron erwachsen immer mehr Zweifel über den Sinn der geforderten »Stabilität«…

Nun ist es ja fast schon zu offensichtlich, daß mit dem »Amt für Stabilität« die ehemalige Staatssicherheit gemeint ist, und die Kuppel um die Stadt Armitage ist natürlich nur ein Sinnbild für die Mauer und die Sperrzäune. Leider aber beläßt es Klaus Frühauf bei seiner Geschichte dabei, als eigentliches Problem die Einteilung der Gesellschaft in reich und arm zu thematisieren, während andere Themen (die Überwachung, das Fehlen anderer Freiheiten) fast völlig untergehen. Damit gerät der Roman aber ins Ungleichgewicht.

Seltsam und unausgegoren ist aber auch das Ende, denn es führt zu einem Ergebnis, das so auch bereits zuvor möglich gewesen wäre (denn Aaaron verläßt die Stadt durch eine verborgene Lücke im Schutzschirm). Fast scheint es also, als ob der Autor mehr gegen die Ungerechtigkeit im System, als gegen das System selbst rebellieren würde.

Sonderlich überraschend ist an diesem Roman also kaum etwas. Er ist zwar nicht mitreißend, aber doch zumindest eine angenehme Lektüre. Allerdings sind fast alle Figuren nur auf ihre Funktion im Roman reduziert und ohne Tiefe geschildert.

Um auch heutzutage noch interessant zu sein, fehlt dem Roman die Tiefe und Relevanz. Er ist zu spät dran – und das bestraft der Leser.

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