// science fiction //

Rezensionen

Neil Gaiman – American Gods

American Gods

Headline
Originalausgabe
Titeldesign von ?
London 2001, £ 6.99, 632 Seiten

»American Gods« ist ein Roman voller Spannung und Fantasie, der seinen Lesern Amerika von einer ganz anderen Seite und sehr »unamerikanisch« präsentiert. Vielleicht liegt das daran, daß Neil Gaiman Brite ist und daher den Blick eines Außenstehenden beibehält, obwohl er für die Recherchen zum Buch das Land intensiv bereist und erlebt hat. Wer nach der Lektüre von »Good Omens«, das Neil Gaiman zusammen mit Terry Pratchett verfasst hat, ein lustiges Buch voller Humor und Sprachwitz erwartet, liegt mit Gaiman falsch. An den wenigen »witzigen« Stellen bleibt einem das Lachen eher im Halse stecken, denn Gaiman ist viel düsterer als Pratchett. »American Gods« ist von Atmosphäre und Beschreibung eher mit Gaimans »Sandman«-Comics vergleichbar.

Die Hauptfigur des Romans, ein Mann mit dem Spitznamen Shadow, sitzt zu Anfang des Buches im Gefängnis und freut sich auf seine endlich bevorstehende Entlassung. Nur wenige Tage vorher muß er jedoch erfahren, daß seine Frau bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Auf dem Weg nach Hause, wo ihn außer der Beerdigung seiner Frau eigentlich nichts mehr erwartet, begegnet Shadow dem mysteriösen Mr. Wednesday, der viel (zu viel) über ihn zu wissen scheint und ihm einen Job anbietet. Shadow verweigert sich zunächst, läßt sich aber schließlich doch auf das Angebot ein, auch wenn ihm eigentlich nicht ganz klar ist, welchem Beruf Mr. Wednesday nachgeht und welche Rolle er, Shadow, dabei spielen soll. Seine Arbeit für Mr. Wednesday führt Shadow kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten. Auf seinen Wegen begegnet er Personen und Ereignissen, die er nicht versteht und nicht einordnen kann und die auch für den Leser zunächst unbegreiflich bleiben. Die Welt, wie sie Shadow zu kennen glaubte, ist plötzlich nicht mehr das, was sie war, sie ändert sich ständig und wird immer unbegreiflicher und komplizierter.

Das Buch ist gut geschrieben und flüssig zu lesen. Was wie ein normaler Roman anfängt, ist zunehmend mit Fantasy-Elementen durchflochten, die für den Leser genauso unerklärlich und bedrohlich wirken wie für Shadow selbst. Trotz der Fantasy-Elemente schafft es Gaiman, eine Atmosphäre von Realität in der Surrealität aufrecht zu erhalten, die dem Buch eine verstörende Düsterkeit verleiht. Zwar findet man langsam einen roten Faden durch das Buch, ein immer größer werdendes Verständnis für die seltsamen Dinge, die mit Shadow geschehen. Doch trotz dieses roten Fadens bleibt das Buch spannend bis zum Schluß, denn immer dann, wenn man zu wissen glaubt, wohin die Geschichte führt, macht Gaiman eine überraschende Kehrtwendung. Denn letzten Endes geht es – aber auf eine ganz andere Art, als man zunächst vermuten könnte – um genau das, was der Titel verspricht: die Götter Amerikas.

50 queries. 0,498 seconds.