Oliver Henkel – Die Zeitmaschine Karls des Großen

Die Zeitmaschine Karls des Großen

Book-on-Demand, Originalausgabe, ISBN 3-8311-1661-X
Titelbild von Jaevelin
2001, 20.40 €, 380 Seiten

Im Jahre 796 wird der Ostgote Andreas Sigurdius in geheimer Mission von Rom aus in das Fränkische Königsreich geschickt, um die dort stattfindenden seltsamen Veränderungen genauer zu untersuchen. Denn im weströmischen Reich befürchtet der Chef des Geheimdienstes, daß sich im Reich von König Karl eine schreckliche Gefahr für Rom zusammenbraut. Laut ersten Berichten läßt sich Karl nämlich plötzlich »Karl der Große« nennen und er scheint den Titel eines Kaisers für sich beanspruchen zu wollen. Es sieht so aus, als ob Karl von einem verirrten Zeitreisenden von seiner »wahren« Bestimmung als Begründer des Heiligen Römischen Reichs erfahren hätte…

Oliver Henkel schildert in seinem Alternativweltroman »Die Zeitmaschine Karls des Großen« eine Welt, in der das Weströmische Reich im Jahre 796 immer noch existiert. Durch das Eingreifen des Feldherrn Rufus Scorpio wurde das Reich im Jahre 476 vor dem Untergang gerettet und ist im Jahre 796 ein immer noch mächtiger Machtfaktor. Das Christentum hat sich als Religion durchgesetzt, doch durch die bleibende Macht der weströmischen Kaiser entstand kein starkes Papsttum, und deshalb existieren hier das arianische und das nicaeische Christentum in beinahe friedlicher Koexistenz. Und dies ist nur eine von vielen kleinen Abweichungen von der uns bekannten Geschichte, die der Autor gekonnt in seine lebendige Schilderung seiner Alternativwelt eingebaut hat.

Und tatsächlich ist die größte Stärke des Romans seine historische »Genauigkeit« (wenn man bei einem Alternativweltroman von so etwas sprechen kann). Oliver Henkel hat eine wirklich wunderbar stimmige Welt erschaffen, die so wirklich hätte existieren können. Seine Hauptfiguren (allen voran der römische Ostgote Andreas Sigurdius) lassen uns ein »modernes« römiches Reich erleben, gigantische Schlachten gegen die Perser und Franken und lebendige Geschichte. Da der SF-Anteil manchmal etwas in der Hintergrund tritt (was kein Fehler ist!), sollte man deshalb als Leser durchaus auch einen gewissen Faible für historische Romane mitbringen.

Am Ende des Romans rechtfertigt Oliver Henkel dann doch noch einmal die Einordnung des Romans als Science Fiction, auch wenn das Buch für mich auch ohne diese Ende gut funktioniert hätte, da »Die Zeitmaschine Karls des Großen« ist in seiner Erzählweise sowieso nicht auf eine Endpointe hin ausgerichtet ist. Und so bleibt schlußendlich die Frage offen, warum dieser Roman als »Book on Demand« erschien. Denn »Die Zeitmaschine Karls des Großen« hätte eine Veröffentlichung in einem großen Verlag verdient, um so ein noch größeres Publikum erreichen zu können!

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