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Rezensionen

Richard Matheson – Ich bin Legende

Ich bin Legende, (c) Heyne

Heyne Verlag, Bibliothek der SF-Literatur Band 12
Titel der Originalausgabe: »I am Legend« (1954)
aus dem Amerikanischen von Lore Straßl
Titelbild von Michael Hasted, Innenillustrationen von John Stewart
München, 1982, 6.80 DM, 220 Seiten

Mit »Ich bin Legende« hat Richard Matheson einen ganz und gar untypischen Vampirroman geschrieben. Denn das Buch ist kein blutiger Schauerroman, kein billiger Horror, der an die Urängste des Menschen appellieren will, sondern waschechte Science Fiction. Und so ist Robert Neville zwar der letzte Mensch in einer Welt voller Vampire und lebender Toter, aber kein heldenhafter, stolzer Vampirjäger, der dem Bösen den Kampf angesagt hat.

Nacht für Nacht versuchen viele Untote sein Haus zu stürmen, daß durch Knoblauch und dicke Wände geschützt ist. Nacht für Nacht hört er die Rufe seines ehemaligen Nachbarn, mit dem er früher zusammen zur Arbeit fuhr: „Komm raus, Neville!“. Nacht für Nacht ist er einem Psychoterror ausgesetzt, der ihn oft um den Schlaf bringt und dem er mit Alkohol zu entfliehen versucht.

Robert Neville hat seine Rolle als letzter Mensch vermeintlich akzeptiert. Sein Haus ist abgesichert und voller Lebensmittel, und er ist bereit den Ansturm der Vampire noch länger zu ertragen. Bei Tageslicht zieht er manchmal mit einem Sack voller Holzpfähle auf, um möglichst viele Untote zu vernichten, und mit der Zeit beginnt er auch erste Forschungen anzustellen. Denn alles begann durch eine geheimnisvolle und stark ansteckende Krankheit, die viele Menschen tötete und eben auch den Vampirismus in die Welt brachte. Und nach vielen Rückschlägen muß Robert erkennen, daß er längst zu einer Legende geworden ist und einem Relikt einer vergangenen Zeit.

Richard Matheson hat mit diesem Roman deutlich den Unterschied zwischen dem Horrorgenre und der Science Fiction aufgezeigt. Denn Robert Neville hat seine primitiven Ängste längst überwunden, und leidet die meiste Zeit nicht unter der Furcht vor den wartenden Blutsaugern, sondern unter seiner Einsamkeit (und sein Versuch einen kleinen Hund zu retten ist emotional bewegender als die nächtlichen Attacken) und der Trauer um seine Frau und sein Kind. Der wissenschaftliche Erklärungsversuch für die Existenz des Vampirismus ist Matheson gut gelungen, und obwohl er so das mystische Element beseitigt, wird der Roman nicht weniger interessant. Denn es ist der Mensch, der hier die Hauptrolle spielt – nicht ein Mythos.

»Ich bin Legende« spielt in den Jahren von 1976 bis 1979 und ist gerade durch seine scheinbare Realitätsnähe so bedrückend, denn die wahre Botschaft des Romans ist grausamer, als man zu Beginn glauben und akzeptieren möchte. Denn Robert Neville hat nach vielen Jahren des Kampfes seine Menschlichkeit längst eingebüßt…

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