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Rezensionen

Robert J. Sawyer – Golden Fleece

Golden Fleece

TOR Books
ISBN 0-312-86865-0
Nachdruck
Titelbilddesign von Lisa Pifher
New York, November 1999, $13.95, 252 Seiten

1990 erschien mit »Golden Fleece« der erste SF-Roman von Robert J. Sawyer. In den nächsten Jahren folgten mehr als zehn weitere Bücher und auch der Erfolg beim Publikum stellte sich bald ein. So wurde »The Terminal Experiment« mit dem NEBULA-Award der SFWA ausgezeichnet, und »Starplex« und »Frameshift« erreichten die Endrunde des HUGO-Awards.

»Golden Fleece« war über viele Jahre hinweg vergriffen (was bei amerikanischen Taschenbuchausgaben meist sehr schnell der Fall ist), und ist erst seit dem November 1999 wieder als Paperback von TOR Books erhältlich.

Das Raumschiff ARGO ist mit über 10.000 Menschen an Bord auf einer mehrjährigen Forschungsreise zum Sternensystem Eta Cephei, wo der erste erdähnliche Planet untersucht werden soll. Die Menschheit im 22. Jahrhundert hat noch keinen Überlichtantrieb entwickelt, aber für die erste interstellare Forschungsmission wurde ein fast lichtschneller Antrieb entwickelt. Da kommt es zu einem mysteriösen Todesfall – die Astronomin Diana Chandler hat anscheinend Selbstmord begangen. Doch der Leser weiß mehr: der Bordcomputer hat sie getötet…

Natürlich beginnt man bei einem Plot, der sich um einen tötenden Bordcomputer dreht, sofort an »2001: A space odyssey« zu denken. Doch Sawyer erzählt in Folge eine andere Geschichte, denn der Leser weiß natürlich, daß der Computer ein Geheimnis hat, doch es bleibt unklar, wie es lautet. Und auch Aaron Rossmann, der eigentliche Held des Romans, erkennt er ganz am Ende die Wahrheit, die dann doch noch eine Überraschung für den Leser birgt und den Rahmen der Erwartungen sprengt.

Leider merkt man, wenn man die späteren Werke von Sawyer kennt, dem Buch durchaus an, daß es ein Erstling ist. Zwar konzentriert sich der Autor auch diesmal auf seine Hauptpersonen und legt mehr Wert auf Psychologie, als auf Action, doch der Geschichte fehlt der letzte Schliff, der Kick, der sie zu einer runden Sache machen würde.

Interessant ist es aber, daß viele Ideen, die schon in »Golden Fleece« ihre Erwähnung finden, in späteren Romanen von Sawyer nochmals aufgegriffen und ausführlicher behandelt wurden. Das Thema einer interstellaren Forschungsreise erinnert an »Starplex«, die Enträtselung außerirdischen Botschaften an »Factoring Humanity« und das Konzept einer Bewußtseinskopie an »The Terminal Experiment«.

Alles in allem ist »Golden Fleece« eine durchaus unterhaltende Lektüre, doch beileibe nicht das Beste von Robert J. Sawyer, und als Einstieg in das Werk des Autoren, ist »Starplex« oder »Factoring Humanity« wesentlich besser geeignet. Wer aber die späteren Bücher schon kennt, wird auch an »Golden Fleece« seine Freude haben und vieles »wiedererkennen«.

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