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Rezensionen

Tad Williams – Shadowmarch 3: Die Dämmerung

Shadowmarch 3: Die DämmerungOriginaltitel: Shadowrise
Übersetzt von Cornelia Holfelder von der Tann
Fantasy Roman, Hobbit-Presse, Klett-Cotta 2010
ISBN 978-3-608-93719-0, Hardcover, 700 Seiten, 26,95 Euro

Ganze drei Jahre mussten die treuen Leser und Fans von Tad Williams auf diesen dritten Band seiner neuen Fantasy-Serie warten, dem 2011 (die englische Ausgabe erscheint bereits im November 2010) noch ein vierter und (hoffentlich!) abschließender Band folgen wird. Für all jene, die ein Problem damit haben, über so lange Zeit sämtliche Handlungsfäden und Figuren im Kopf zu behalten, gibt es eine nützliche Zusammenfassung der ersten beiden Teile zur Auffrischung des Gedächtnisses. Dies erweist sich diesmal als wirklich notwendig, den Williams schreibt keine Geschichten, in denen Ziele und Motive der Figuren von Anfang an klar sind – so beruht die Spannung auch nicht auf einer losen Folge von Kämpfen zwischen Gut und Böse, sondern vor allem auf einer schrittweisen Enthüllung des mythologischen Hintergrundes, der zunehmend als Schlüssel zu den geschilderten Konflikten in den Vordergrund rückt.

Oberflächlich betrachtet, ist „Shadowmarch“ ein konventioneller Fantasy-Schmöker, der in einer zwangsläufig feudalen, pseudo-mittelalterlichen Welt spielt, in der sich Menschen und Elbenvölker (in diesem Fall „Quar“ oder „Zwielichter“ genannt) feindlich gegenüberstehen und die jungen Helden tapfer versuchen, den Konflikt auf eine Weise zu lösen, die nicht zum Untergang beider Völker führt. Doch Williams fügt noch zahlreiche weitere Elemente hinzu: Eine eigene Mythologie, deren Götter und Halbgötter keine wirkliche Macht mehr besitzen, aber als eine eher dunkle Bedrohung durchaus präsent sind, eine Familiengeschichte, die bis in jenes mystische Zeitalter zurückreicht, einen verrückten Tyrannen, der sich das Wissen um die rätselhafte Vergangenheit zunutze machen will, um unsterblich zu werden. Was will man mehr? Und der Autor versteht es wirklich, diesen komplexen Hintergrund lebendig und überraschend detailiert zu schildern.

Die Handlung des 3. Bandes schließt nahtlos an Band 2 an: Prinzessin Briony, die aus ihrer Heimat fliehen musste, hat sich bis an den Hof eines befreundeten Königs durchgeschlagen, wird aber allzubald von den Intrigen ihrer Feinde eingeholt. Ihr Vater, inzwischen Gefangener des wahnsinnigen Autarchen von Xis, wird gezwungen, dessen Armee nach Norden zu begleiten, wo er als Blutopfer für ein vergessenes Ritual dienen soll. Das Tempelmädchen Quinnitan, das bei diesem Ritual offenbar auch eine Rolle spielen soll, versucht unterdessen ihrem gefühllosen Wächter zu entkommen und einen Kontakt zu Brionys Bruder Barrick herzustellen, mit dem sie auf rätselhafte Weise verbunden ist. Barrick durchquert unterdessen die unheimlichen Zwielichtlande, um einen Schwur zu erfüllen und einen magischen Spiegel zum König der Qar zu bringen … und dies sind nur ein paar von einem guten Dutzend Handlungsebenen, die wohl erst im letzten Band zusammengeführt werden.

Wie gut die „Trilogie“ wirklich ist, wird sich wohl erst in Band 4 zeigen, doch hat auch der vorliegende 3. Teil einige Qualitäten, die ihn zumindest zu einem hervorragenden Stück Unterhaltungsliteratur machen, das jugendliche Leser begeistern wird und mit dem sich auch anspruchsvollere Gemüter bedenkenlos amüsieren können. Die phantastischen Wesen, Abenteuer und Intrigen wirken nie billig oder beliebig. Die besten Stellen – wie Barricks Flucht aus der unheimlichen Stadt der Traumlosen – sind so fesselnd und atmosphärisch geschrieben, dass es am Ende nur einen Grund gibt, sich über dieses Buch zu ärgern: die Tatsache, dass man ein weiteres Jahr auf die Auflösung der spannenden Geschichte warten muss.

Fazit: Ein großes Lesevergnügen für Freunde klassischer Fantasy, das auf eine gelungene Fortsetzung hoffen lässt.

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