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Rezensionen

Tad Williams – Shadowmarch 4: Das Herz

Tad Williams Shadowmarch 4OT: »Shadowheart«
Übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann
Roman, Hardcover, Hobbit Presse/ Klett-Cotta 2011
ISBN 978-2-608-93720-6, 880 Seiten

Ein Jahr nach dem dritten Band ist nun endlich der letzte Teil der großen Fantasy-Serie »Shadowmarch« erschienen, in dem die zahlreichen Handlungsstränge zu einem actionreichen Finale verknüpft werden: Die Armeen des Autarchen belagern die Südmarksfeste. Das Ziel des wahnsinnigen Despoten ist, in das Höhlensystem unter der Burg einzudringen, um ein Ritual durchzuführen, das ihm die Unsterblichkeit sichern soll. Prinz Barrick kehrt aus den Zwielichtlanden zurück, um an der Seite der Qar gegen den Autarchen zu kämpfen. Seine Schwester Briony hat ebenfalls Verbündete gefunden, die ihr im Kampf gegen den Thronräuber Tolly beistehen, während Hauptmann Vansen gemeinsam mit den Funderlingen das Höhlenlabyrinth gegen die Eindringlinge verteidigt.

Nach dem dritten Band, mit seinen eindrucksvoll atmosphärischen Episoden, konzentriert sich der Abschlussband auf Schlachtengetümmel und Kämpfe gegen allerlei Monster, Dämonen und Schurken. Eigentlich schade, denn Tad Williams zeigt sich immer dann von seiner besten Seite, wenn er fremdartige und unheimliche Szenerien beschreibt, während seine episch geschilderten Schlachten ein wenig austauschbar wirken – dergleichen hat man in Fantasyschmökern schon viel zu oft gelesen. Ebenso unoriginell erweisen sich letztlich die Schurken des Romans: der Thronräuber Tolly und der Autarch. Beiden fehlt es an Tragik und interessanten Motiven, beide könnten auch aus einer schlichten Conangeschichte stammen, nur dass der gute alte Barbar sie schon nach dreißig Seiten erledigt hätte, während Williams’ Helden fast viertausend Seiten bis zum Happy End benötigen. Was die Romanreihe dann doch lesenswert macht, sind die liebenswert gezeichneten Nebenfiguren, denen man auf den vielen, vielen Seiten immer wieder gern begegnet, und die eigentlich sympathischer und interessanter sind als die (zuweilen etwas nervigen) Hauptfiguren. Dass der Rabe Skurn – der in Band 3 ein humorvolles Gegengewicht zu dem üblichen Fantasypathos darstellte – allerdings erst im letzten Kapitel des 4. Bandes wieder auftaucht, ist eigentlich unverzeihlich!

Dennoch: Wer traditionelle epische Fantasyserien schätzt, kommt bei Tad Williams garantiert auf seine Kosten. Dieser Autor kann mit leichter Hand komplexe Geschichten entwerfen und sie über tausende Seiten zu einem Finale führen, ohne dass dabei der merkliche Spaß am Erzählen verlorenginge. Das Problem der „Shadowmarch“-Buchreihe ist dann auch eher ein Problem des Genres: Es gibt wenig Neues zu entdecken. Im Grunde sind nur die Namen der Länder, Völker, Fabelwesen, Monster und Götter anders – die geschilderten Abenteuer sind altbekannt und werden lediglich aus den üblichen Versatzstücken neu zusammengebastelt. Fantasy sollte doch etwas mehr mit Phantasie zu tun haben! So sind die Shadowmarch-Romane zwar besser geschrieben und unterhaltsamer als der Durchschnitt der aktuellen Fantasyliteratur, erreichen aber auch nicht das Niveau von Klassikern wie Tolkien und Peake oder innovativen Jungautoren wie China Miéville und Jeff Vandermeer.

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