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Spielekritiken

Mage Knight – der Krieg auf dem Küchentisch!

Tabletop-Spiele, wie Battletech oder Armalion, und Sammelkartenspiele, wie Magic, haben auf den ersten Blick nur wenig gemeinsam. Bei beiden Arten von Spielen geht es jedoch vorrangig darum, seinen oder seine Mitspieler mit den besseren Figuren oder Armeen, bzw. Karten zu besiegen. FanPro hat sich nun die Lizenzen für ein Miniaturenspiel namens Mage Knight Rebellion an Land gezogen, das für sich beansprucht, die beiden Spielsysteme miteinander zu verbinden.

Die Hintergrundgeschichte des Spiels ist schnell erzählt: Rebellen haben das Schießpulver erfunden und damit das Machtgleichgewicht zwischen vier rivalisierenden Magiergilden zerstört. Die Zauberer der Atlantisgilde, der Nekropolissekte und der Elementarliga kämpfen gegen die Schwarzpulverrebellen um die Macht in den Königreichen von Mage Knight. Aus diesen vier Fraktionen kann man sich seine Armeen zusammenstellen. Das Basispack enthält zehn zufällig sortierte Figuren aller Fraktionen, sowie das Regelwerk, zwei Würfel und einen Comic zur Einstimmung. Im Boosterpack sind fünf zufällige Figuren enthalten.

Für die Testspiele standen ein Basispack und ein Boosterpack zur Verfügung. Beim Auspacken der Figuren habe ich mir fast die Finger gebrochen, da besonders der Booster Pack so schmal gebaut ist, dass man die Figuren nur mit einigen Verrenkungen heraus bekommt. Nach Überwindung dieses Hindernisses standen dann 15 Figuren, fertig bemalt und spielbereit, auf dem Tisch. Die Figuren sind aus Plastik und stehen auf einer drehbaren Scheibe. Diese Scheibe enthält alle Informationen, die für das Spiel relevant sind: Trefferpunkte, Rüstungs-, Bewegungs-, Lebenspunkte. Erleiden die Spielfiguren während der Kämpfe Schaden, wird die Drehscheibe gedreht, pro Schadenspunkt ein Klick, d. h. bis zum nächsten Einrasten der Scheibe. Bei jedem Klick ändern sich die Werte auf der Figur, die meisten werden schwächer, einige werden vorher noch stärker und gefährlicher. Nach einer bestimmten Anzahl von Klicks, die von Figur zu Figur unterschiedlich ist, ist die Spielfigur tot und wird vom Spielfeld genommen.

Figurenbedeutung


Gegen die Spielidee ist nichts einzuwenden. Es verbindet das einfache Spielsystem der Sammelkartenspiele mit dem strategischen Konzept von Tabletops, ohne deren komplizierte Regelwerke, die unerfahrene Einsteiger abschrecken, zu übernehmen. Die Verarbeitung der Figuren reizt den Sammeltrieb aber nicht gerade. Erinnert sie doch mehr an billige Kaugummifiguren als an die von den Spieler selbst mit viel Sorgfalt angemalten Figuren bei Tabletopspielen. Auch bei Sammelkartenspielen könnte man sich manches Mal die Karten schon aus rein künstlerischen Erwägungen zulegen, ohne überhaupt spielen zu wollen. Dies kann man von den Mage-Knight-Figuren wahrlich nicht behaupten.

Die Haltbarkeit der Mage-Knight-Figuren dürfte ziemlich begrenzt sein. Zierlichere Figuren lassen sich auf der Scheibe kaum drehen, ohne fürchten zu müssen, sie von ihrem Sockel zu reißen. Auch sind manchmal die Drehscheiben sehr schwergängig oder lassen sich nicht so drehen, daß die Informationen vernünftig im Sichtfenster zu sehen sind.

Die Spielfreude kommt aber nicht zu kurz. Unabdingbare Voraussetzung dafür ist jedoch eine Vorliebe für Tabletops und / oder Sammelkartenspiele. Leute, die bei Battletech oder Magic das kalte Grausen kriegen, sollten die Finger auch von MageKnight lassen, es wird ihnen keinen Spaß machen. Wir haben es in unserer Spielrunde am lebenden Objekt getestet.

Mage Knight

Mit etwas Phantasie kann man sich die Kampfaktionen auch bildlich vorstellen...

Bei den Probespielrunden zeigte sich noch ein Schwachpunkt der Regeln: Eine Figur kann eine anderen entweder angreifen, wenn sie mit dieser Kontakt an den Basen hat oder im Fernkampf mit Schußwaffen. Voraussetzung ist, daß die gegnerische Figur innerhalb des auf der Drehscheibe aufgezeichneten Sichtfeldes ist. Jeder Spieler darf pro Runde eine Figur entweder ziehen, mit ihr angreifen oder passen. In der nächsten Runde darf dieselbe Figur nicht noch mal benutzt werden, wenn doch, überanstrengt sie sich und erleidet Schaden. Wenn ich meine Figur zu einem Gegner ziehe, darf ich sie noch so drehen, daß der Gegener sich im Sichtfeld befindet. Dies gilt als Gratisbewegung. Dummerweise darf der Gegner aber seine Figur dann auch noch gratis drehen. Dies bedeutet, in der nächsten Runde könnte mein Gegner mich schon angreifen, während sich meine Figur noch von der großen Anstrengung erholt. Der Gegenspieler hat also ein leichten Vorteil bei Angriffen. Wir haben uns dann dazu entschieden, diese Regel wegzulassen, und die Gratisdrehung erst beim Angriff zu zulassen.

Mage Knight Rebellion

System: Table Top-Sammelspiel
Hersteller: FanPro – Fantasy Productions
Preise:
Starter-Set: 49,95 DM empfohlen
Booster-Pack: 17,95 DM empfohlen
Umfang der ersten Edition: 160 Spielfiguren

Alles in allem verspricht MageKnight vergnügliche Spieleabende, falls die Mitspieler annähernd gleichwertige Armeen aufbieten können. Den Preis von knapp 50 Mark für die Basispackung und 18 für die Erweiterung finde ich allerdings übertrieben, vor allem da die Verarbeitung der Figuren sehr zu wünschen läßt.

© Olaf Funke (Text, Fotos), FanPro (Illustration)

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