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Spielekritiken

Spaceforce – Rogue Universe

Was haben die Kroaten denn eigentlich gegen die Buchstaben G und H? Denn diese beiden sind die einzigen auf der großen weiten Tastatur, welche das Entwicklerstudio Provox Games aus Zagreb im Weltraumactionspiel SPACEFORCE nicht belegt hat. Irgendeine Funktion wäre doch wohl auch als Tastenkürzel für diese Buchstaben übrig geblieben: Ich wäre ja zum Beispiel für »Schnellspeichern«, das habe ich nämlich vermisst. Hierfür wären zwar weder G noch H sinnvoll, aber da die sonstigen Abkürzungstasten ebenso planlos verstreut scheinen, wäre dies auch egal gewesen.

Die Fülle an Funktionen deutet es bereits an: SPACEFORCE – ROGUE UNIVERSE ist kein einfaches Weltraumballerspiel, sondern ein recht komplexes Actionspiel mit einem Handels- und Rollenspielanteil. »Action RPG Space Simulation« nennt das der Publisher JoWood. Dass dieser auf Qualität setzt, weiß man spätestens, seit sich JoWood vom »Gothic«-Spieleentwickler Piranha Byte getrennt hat. Schuld waren wohl unter anderem die verbuggten »Gothic 3«-Versionen und die hohen Hardwareanforderungen. Man hat bei JoWood also einen gewissen Standard, den man nicht unterschreiten will.

Macht Spaceforce dies nun besser? Immerhin ist Provox Games bisher nur durch solche »Spieleperlen« wie die Versoftung von »Alarm für Cobra 11« oder »Hinter Gittern« bekannt geworden.

»Atemberaubende Grafik bei vernünftigen Hardwareanforderungen« wird versprochen. Wie schon aus dem Einstellungsmenü ersichtlich, bietet das Spiel moderne HDR-Lichteffekte. Shader 3.0 lassen sich ebenfalls einstellen. Auflösungen bis 1920 x 1080 (für Leute, die ihren Full HD-Fernseher am Computer anschließen) sind möglich. So richtig »State of the Art« sieht dies gleichwohl nicht aus, dafür wirkt die Grafik einfach zu bieder. Die Raumschiffe wirken in den höheren Auflösungen lediglich weniger kantig und sehen immer ein wenig in den Hintergrund einkopiert aus. Das Design der Schiffe reißt mich ebenfalls nicht vom Hocker. Die Raumstationen wirken nicht groß und mächtig, dazu sind sie zu detailarm und viele der sonstigen Raumfahrzeuge glaubt man irgendwo schon einmal gesehen zu haben.

Wie spielt sich SPACEFORCE denn nun? Das nicht sonderlich hübsche Intro macht zunächst keine große Hoffnung auf eine innovative Geschichte: Bei einem Angriff auf die Erdentruppen verliert der kleine Jim seinen Vater, weil Papa lieber Bilder seiner Lieben anschaut, anstatt sich auf den Kampf zu konzentrieren. 20 Jahre später ist Jims Schwester in den Weiten des Alls verloren gegangen und Jim muss sie natürlich suchen und als junger Pilot seine ersten Einsätze fliegen. Am Anfang hat man die Wahl zwischen dem freien und dem missionsbasierten Spiel – der Unterscheid ist jedoch nicht sonderlich groß. Denn volle Handlungsfreiheit ist eine der Grundmaxime dieses Spiels.

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Schnell zeigt sich, dass das Balancing in der vorliegenden Preview-Version 0.7 noch sehr unausgeglichen ist. Da man nicht genügend Geld hat, sich eine vernünftige Ausrüstung zu kaufen, sind bereits die ersten Gegner ein harter Brocken. Auch wird man direkt ins Spiel geworfen. Ein Tutorial fehlt, auch eine allmähliche Einführung in die unzähligen Funktionen habe ich schmerzlich vermisst. Hier müsste noch nachgebessert werden.

Für Fans von derartigen Weltraumshootern wird allerdings einiges geboten: die Gegnerintelligenz ist gut, die grafische Darstellung flüssig und die unzähligen Missionen können den Spieler stundenlang an den Bildschirm fesseln. Hinzu kommt ein Rollenspielelement, denn die 10 galatischen Zivilisationen reagieren durchaus auf die Handlungen des Spielers, was insbesondere Auswirkungen auf den Handel und somit auf die Ausrüstung seines Raumschiffes hat. Die funktioniert im Grunde ähnlich wie beim Fantasyrollenspiel: durch bessere Waffen und Geräte kann man immer stärkere Gegner besiegen.

Genreüblich ist dieses Spiel fast komplett humorlos. Und obwohl ich nicht wieder die alten »Wing Commander«-Zeiten mit ausufernden filmischen Storyelementen heraufbeschwören möchte, hätte ich mir in SPACEFORCE doch etwas mehr als die hörspielartige Erzählweise gewünscht. Aber das sind Äußerlichkeiten, im Kern steckt gleichwohl ein sehr komplexes, forderndes Spiel, an dem Freunde von Weltraumshootern sehr viel Spaß haben werden.

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