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Oscars 2016 – Die Science-Fiction-Perspektive

UPDATE 29.02.2016

Oscar_Statue

Die Filmparty des Jahres ist vorbei und wie zu erwarten reüssierten die Science-Fiction-Filme primär in den technischen Kategorien. Der große Gewinner ist hier MAD MAX: FURY ROAD, der sechs Auszeichnungen mit nach Hause nehmen konnte. EX MACHINA setzte sich überraschenderweise bei den Specialeffekten durch und konnte hier die begehrte Statue einheimsen. STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT als auch DER MARSIANER gingen in allen nominierten Kategorien komplett leer aus. Trotzdem hat die diesjährige Preisverleihung gezeigt, wie schon zuvor GRAVITY im Jahr 2013, dass das Genre nicht länger eines der Stiefkinder der Academy ist.

Doch nicht nur bei den Oscars war die Science-Fiction vertreten. Wie jedes Jahr wurden einen Tag vor den Academy Awards die Goldenen Himbeeren vergeben und hier gewann FANTASTIC FOUR (2015) – ex aequo mit FIFTY SHADES OF GREY – die Himbeere für Schlechtester Film des Jahres genauso wie in der Kategorie Schlechteste Neuverfilmung oder Fortsetzung. Eddie Redmayne wurde als Schlechtester Nebendarsteller in JUPITER ASCENDING ausgezeichnet.

Am 28. Februar 2016 ist es wieder soweit, dann wird der wichtigste Filmpreis der Welt, der Academy Award of Merit – besser bekannt als Oscar, verliehen. Erfreulicherweise sind wie schon bei den Golden Globe Awards auch bei der heurigen Oscarverleihung Science-Fiction-Produktionen stark vertreten. Mit zwölf Nominierungen führt zwar THE REVENANT die Rangliste an, gleich dahinter folgen aber schon MAD MAX: FURY ROAD mit zehn und DER MARSIANER mit sieben Nominierungen. Abgerundet wird das Ranking von STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT mit fünf und EX MACHINA mit zwei Nominierungen. In der Kategorie Bester Animierter Kurzfilm finden sich noch WE CAN’T LIVE WITHOUT COSMOS und WORLD OF TOMORROW. Ob und wie viele Preise dann tatsächlich eingeheimst werden, wird sich am Sonntag zeigen, doch es ist höchst erfreulich, dass – nicht wie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Science-Fiction-Filme ausschließlich in technischen Bereichen, sondern auch in „künstlerischen wichtigen“ Kategorien wie Bestes Drehbuch, Beste/r Darsteller/in, Beste Regie etc. nominiert werden.

Wie schon seit jeher, ist bei den Oscars das Vorher fast genauso wichtig wie die Gewinner selbst. Wer trägt was am Roten Teppich, wer kommt mit welcher Begleitung oder wessen Facelift ist ge- oder misslungen. Nebenbei bietet die Preisverleihung auch oft eine Bühne für politische Statements. Von den Produzenten offiziell nicht gewünscht, sind aber gerade diese Wortmeldungen das Salz in der Suppe der manchmal schleppenden Inszenierung. Aufgelockert wird die Übertragung manchmal von grandiosen (Whoppi Goldberg) und sehr guten (Billy Crystal) Gastgebern genauso wie schlechte Moderatoren (James Franco und Anne Hathaway) manche Übertragung noch langatmiger werden ließen.

Nach seinem Oscar-Debüt vor elf Jahren wird Chris Rock wieder durch die heurige Veranstaltung führen und es ist anzunehmen, dass seine Zunge, den einen oder anderen spitzen Kommentar von sich geben wird, da bereits zum zweiten Mal in Folge farbige Künstler in den Hauptkategorien komplett ignoriert wurden. Wenn Matt Damon für eine gute, aber nicht überragende Leistung eine Nomierung als Bester Hauptdarsteller in DER MARSIANER erhält, so hätte sich Michael B. Jordan eine solche für CREED genauso wie Will Smith für CONCUSSION allemal verdient.

 

Die Kritik an den Nominierungen ist nicht ganz unberechtigt, da die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in der Tat eine ziemlich homogene Gruppe von weißen, heterosexuellen Männern über 60 Jahren ist und diese, bewusst oder unbewusst, wohl bis zu einem gewissen Grad selektiv (aus den eingereichten Filmen) nominiert und wählt. Nur der Academy die Schuld zu geben ist allerdings auch falsch, da die Verleihung eben am Ende und nicht am Anfang des filmischen Schaffens steht. Wenn – aus was für Gründen auch immer – wenig (nominierenswerte) Filme mit schwarzen Darstellern gedreht werden, schlägt sich das natürlich auch in den Nominierungen nieder. Die Problematik betrifft jedoch nicht nur Farbige, sondern alle ethnische Minderheiten, genauso wie Homosexuelle oder Frauen. Regisseurinnen die nominiert wurden oder einen Oscar gewannen, lassen sich im wahrsten Sinne des Wortes an einer (!) Hand abzählen. Die Gesellschaft prägt die Filmindustrie, doch genauso hat Hollywood einen enormen populärkulturellen Einfluss auf die Gesellschaft und in diesem Sinne wird viel Anstrengung von beiden Seiten notwendig sein, um diese Gräben zu überbrücken. Ein empfehlenswerter und detaillierter Artikel zur demographischen Repräsentanz der unterschiedlichen Ethnien im Film findet sich auf The Economist.

Doch nicht nur Menschen werden unterschiedlich behandelt, ganze Genres sind davon betroffen, denn wie schon eingangs erwähnt, haben Science-Fiction und Fantasy seit jeher einen schweren Stand, von Horror gar nicht zu reden. Nicht viel besser sieht es bei der Komödie aus, wenngleich diese zumindest bei den Golden Globes eine eigene Kategorie hat – wenn sie nicht von Studios zweckentfremdet wird.

Ein ordentliches Drama, im Idealfall mit ein paar Tränen gepaart und einem Schuss Overacting ist in vielen Kategorien nach wie vor ein nicht zu unterschätzender Startvorteil auf dem Weg zum Gewinn. Hier unterscheiden sich die Oscars auch nicht von den europäischen Filmfestivals, bei denen zusätzlich allzu oft die Attribute grau, depressiv und nichtssagend mit künstlerisch wertvoll verwechselt werden.

Wie alle Filmpreise sind auch die Academy Awards eine subjektive Angelegenheit und zeigen immer nur einen kleinen Ausschnitt aus einem ganzen Kosmos von sehenswerten Filmen. Trotz aller Kritik bleibt der Oscar der bedeutendste Filmpreis der Welt und auch wenn manch Filmschaffender verächtlich seine Nase über den „kommerziellen“ Preis rümpft, am Ende möchte dann doch wieder jeder die Statue sein Eigen nennen. In diesem Sinne, lasset die Olympischen Spiele der Filmwelt beginnen!

PRO 7 überträgt die Preisverleihung live mit Werbung. Der ORF ist ebenfalls live dabei, dort analysieren und führen in den amerikanischen Werbepausen der Direktor des Österreichischen Filmmuseums, Alexander Horwath, sowie ZIB-Moderatorin Nadja Bernhard durch die Nacht. Der Livestream auf ABC ist aus rechtlichen Gründen außerhalb der USA nicht zu sehen.

Unten aufgelistet findet sich eine Übersicht der Kategorien, in denen Science-Fiction-Filme nominiert sind. Eine Übersicht aller Nominierungen findet sich auf der Homepage der Academy Awards.

Bester Film

The Big Short – Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner

Bridge of Spies – Der Unterhändler (Bridge of Spies) – Steven Spielberg, Marc Platt, Kristie Macosko Krieger

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Brooklyn) – Finola Dwyer, Amanda Posey

Mad Max: Fury Road – Doug Mitchell, George Miller

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian) – Simon Kinberg, Ridley Scott, Michael Schaefer, Mark Huffam

Raum (Room) – Ed Guiney

The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant) – Arnon Milchan, Steve Golin, Alejandro G. Iñárritu, Mary Parent, Keith Redmon

Spotlight – Michael Sugar, Steve Golin, Nicole Rocklin, Blye Pagon Faust (Winner)

 

Beste Regie

Lenny Abrahamson – Raum (Room)

Alejandro G. Iñárritu – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant) (Winner)

Tom McCarthy – Spotlight

Adam McKay – The Big Short

George Miller – Mad Max: Fury Road

 

Bester Hauptdarsteller

Bryan Cranston – Trumbo

Matt Damon – Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)

Leonardo DiCaprio – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant) (Winner)

Michael Fassbender – Steve Jobs

Eddie Redmayne – The Danish Girl

 

Bestes adaptiertes Drehbuch

Emma Donoghue – Raum (Room)

Drew Goddard – Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)

Nick Hornby – Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Brooklyn)

Phyllis Nagy – Carol

Charles Randolph, Adam McKay – The Big Short (Winner)

 

Bestes Originaldrehbuch

Matt Charman, Ethan und Joel Coen – Bridge of Spies – Der Unterhändler (Bridge of Spies)

Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley (Story von Pete Docter, Ronnie del Carmen) – Alles steht Kopf (Inside Out)

Alex Garland – Ex Machina

Jonathan Herman, Andrea Berloff (Story von S. Leigh Savidge, Alan Wenkus, Andrea Berloff) – Straight Outta Compton

Josh Singer, Tom McCarthy – Spotlight (Winner)

 

Beste Kamera

Roger Deakins – Sicario

Ed Lachman – Carol

Emmanuel Lubezki – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant) (Winner)

Robert Richardson – The Hateful Eight

John Seale – Mad Max: Fury Road

 

Bestes Szenenbild

Adam Stockhausen; Rena DeAngelo, Bernhard Henrich – Bridge of Spies – Der Unterhändler (Bridge of Spies)

Eve Stewart; Michael Standish – The Danish Girl

Colin Gibson; Lisa Thompson – Mad Max: Fury Road (Winner)

Arthur Max; Celia Bobak – Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)

Jack Fisk; Hamish Purdy – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

 

Bestes Kostümdesign

Paco Delgado – The Danish Girl

Jacqueline West – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

Sandy Powell – Carol

Jenny Beavan – Mad Max: Fury Road (Winner)

Sandy Powell – Cinderella

 

Beste Filmmusik

Ennio Morricone – The Hateful Eight (Winner)

Thomas Newman – Bridge of Spies – Der Unterhändler (Bridge of Spies)

Jóhann Jóhannsson – Sicario

John Williams – Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)

Carter Burwell – Carol

 

Bestes Make-up und beste Frisuren

Lesley Vanderwalt, Elka Wardega, Damian Martin – Mad Max: Fury Road (Winner)

Love Larson, Eva von Bahr – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann)

Siân Grigg, Duncan Jarman, Robert A. Pandini – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

 

Bester Schnitt

Stephen Mirrione – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

Tom McArdle – Spotlight

Maryann Brandon, Mary Jo Markey – Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)

Margaret Sixel – Mad Max: Fury Road (Winner)

Hank Corwin – The Big Short

 

Bester Ton

Andy Nelson, Gary Rydstrom, Drew Kunin – Bridge of Spies – Der Unterhändler (Bridge of Spies)

Chris Jenkins, Gregg Rudloff, Ben Osmo – Mad Max: Fury Road (Winner)

Paul Massey, Mark Taylor, Mac Ruth – Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)

Jon Taylor, Frank A. Montaño, Randy Thom, Chris Duesterdiek – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

Andy Nelson, Christopher Scarabosio, Stuart Wilson – Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)

 

Bester Tonschnitt

Mark A. Mangini, David White – Mad Max: Fury Road (Winner)

Oliver Tarney – Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)

Martín Hernández, Lon Bender – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

Alan Robert Murray – Sicario

Matthew Wood, David Acord – Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)

 

Beste visuelle Effekte

Mark Williams Ardington, Sara Bennett, Paul Norris, Andrew Whitehurst – Ex Machina (Winner)

Andrew Jackson, Dan Oliver, Andy Williams, Tom Wood – Mad Max: Fury Road

Anders Langlands, Chris Lawrence, Richard Stammers, Steven Warner – Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian)

Richard McBride, Matt Shumway, Jason Smith, Cameron Waldbauer – The Revenant – Der Rückkehrer (The Revenant)

Chris Corbould, Roger Guyett, Paul Kavanagh, Neal Scanlan – Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens)

 

Bester animierter Kurzfilm

We Can’t Live Without Cosmos – Konstantin Bronsit

World of Tomorrow – Don Hertzfeldt

Bear Story – Gabriel Osorio, Pato Escala (Winner)

Sanjay’s Super Team – Sanjay Patel, Nicole Grindle

Prologue – Richard Williams, Imogen Sutton

 

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