Filmkritik: Dungeons & Dragons (2000)

Dungeons and Dragons


Da saß ich also mal wieder nachmittags mit einer Tüte Popcorn auf Einladung der Helkon Media im Kino. Die Rollenspielverfilmung »Dungeons & Dragons« stand an, aber was würde ich da zu sehen kriegen? Hm, laut dem Titel hatte ich wahrscheinlich mit Kerkern und Burgverliesen zu rechnen und der eine oder andere Drache würde wohl auch auftauchen. Und was soll ich sagen – genauso ging’s dann auch los… Deutschlandstart: 12. April 2001

Kinoposter

Im mystischen Lande Izmir regiert eine Kaste von mächtigen Magiern. Na ja, eigentlich herrscht die junge Kaiserin Savina (Thora Birch) über Izmir, doch auch sie muß sich wegen ihrer Jugend dem Rat der Magier beugen. Und die Mitglieder des Rats sind von den Plänen der jungen Kaiserin, die unterdrückten Bürger Izmirs mit den Magiern gleichzustellen, nicht sonderlich begeistert. Diese Unzufriedenheit kommt dem bösen Magier Profion (Jeremy Irons) gerade recht: er will nämlich selbst die Herrschaft über Izmir übernehmen und die Kaiserin steht diesen Plänen im Weg. Sevina besitzt nämlich ein mystisches Zepter, das ihr die Macht über das Heer der goldenen Drachen verleiht.

Sevina durchschaut die dunklen Pläne von Profion, doch sie hat keine Beweise, um ihn zu verurteilen. Und um ihn zu besiegen braucht sie noch ein mächtigeres Zepter – den »Rod of Savrille«, dem sogar die gefährlichen roten Drachen gehorchen müssen.

 Kaiserin und Magier, (c) Helkon
Kaiserin Sevina mit einem Vertrauten

Die junge Magierin Marina Pretensa (Zoe McLellan), die im Auftrag der Kaiserin handelt, muß sich bei der Suche nach dem Zepter unfreiwillig mit den beiden ungeschickten Räubern Ridley Freeborn (Justin Whalin) und Snails (Marlon Wayans) zusammenschließen.

Doch da Profion von den Plänen Sevinas erfährt, beginnt bald eine gefährliche Jagd nach dem geheimnisvollen Zepter, das lange als verschollen galt… denn Profion schickt mit Damodar (Bruce Payne) seinen besten und skrupellosesten Kämpfer los.

 Ridley und seine Gefährten in Gefahr, (c) Helkon
»Dungeons and Dragons«, das ist eine Rollenspielverfilmung, die auch genauso wie ein Rollenspielabenteuer funktioniert: unser Held sammelt ein Team um sich, daß aus allen denkbaren Fantasyrassen besteht und möglichst alle Fähigkeiten abdeckt und muß dann mit seinen Kumpanen von Punkt A zu Punkt B, löst dort Rätsel C und trifft auf den Bösen D.
Jeremy Irons als Profion, (c) Helkon

Das mag in einer abendlichen Spielrunde für Unterhaltung sorgen, doch im Kino ist das auf Dauer ein wenig ermüdend und nur leidlich spannend. Trotzdem sind die 108 Minuten des Films schnell vorbei. Denn Courtney Solomon scheint sich vorgenommen zu haben, soviel Action und Handlung wie nur irgendwie möglich in den Film zu packen. Der Film ist deshalb sehr zügig geschnitten, aber leider gehen dabei auch viele gute und ruhig angelegte Szenen einfach unter. Wenn z.B. Ridley Freeborn mal allein mit der hübschen Marina auf einem Balkon steht, dann vergehen keine 5 Sekunden und schon muß er wieder los… Zeit für viel Unterhaltung, etwas Menschlichkeit oder sogar einen Kuß bleibt da freilich nicht.

Die Optik des Films kann man eigentlich als gelungen bezeichnen. Da in Prag und der näheren Umgebung gedreht wurde, hat man meist keine teuren Kulissen gebaut, sondern einfach Drehorte wie die Nikolaikirche, das Prager Nationaltheater und das Schloß Lipnice genutzt, die viel mehr Flair mitbringen als so manche CGI-Kulisse bei »Star Wars«.

 Elfin, (c) Helkon
Und wo wir gerade bei »Star Wars« waren: die Handlung des Films erinnerte mich so manches mal an eine Mischung aus Indiana Jones und Episode 1. Gerade der Versuch der Intrige beim Rat der Magier ist eigentlich nur eine Kopie des Besuchs von Prinzessin Amidala beim galaktischen Senat. Der Rest des Films besteht folglich auch aus wilden Schwertkämpfen oder dem Durchqueren von dunklen Kellern voller Fallen.

Ein großer Minuspunkt des Films sind aber seine Schauspieler. Jeremy Irons spielt, als ob er gerade hyperaktiv wäre. Er übertreibt alles so dermaßen, daß man danach den Begriff »overacting« neu definieren möchte. Justin Whalin (er spielte auch den zweiten Jimmy Olsen bei »Lois & Clark«) ist als Held zu unbekannt und viel zu wenig charismatisch (eine Art neuer Mark Hamill) und Marlon Wayans ist so ziemlich die nervigste Type, die ich in letzter Zeit im Kino erlebt habe. Thora Birch bleibt wie ihr Makeup während des ganzen Films schrecklich blaß und Bruce Payne ist hier auch nicht besser als in »Highlander: Endgame« (er sieht zwar aus wie der Bösewicht in »Die Mumie«, aber eine Schaufensterpuppe hätte es da auch getan). Gerade mal Zoe McLellan spielt ihre magere Rolle als Magierin gut.

Ridley Freeborn
Ridley Freeborn (Justin Whalin)

Wer übrigens meint, daß er hier dauernd irgendwelche Zaubereien und Drachen zu sehen gibt, wird enttäuscht sein, oder muß zumindest viel Geduld mitbringen. Magie kriegt man nämlich kaum geboten, und nach einem kurzen »Einstiegsdrachen« dauert es schließlich fast 90 Minuten bis man wieder welche zu sehen kriegt. Dann aber so viele, wie die Computer hergaben…

Alles in allem ist »Dungeons & Dragons« mal wieder ein Film, dem man auch als Genre-Fan nicht gesehen haben muß. Zwar hat man für die 36 Millionen US-Dollar Budget erstaunlich viel an Optik herausgeholt, doch wie schön wäre es gewesen, wenn man auch ein wenig Geld für einen etwas erfahreneren Regisseur ausgegeben hätte. Denn der Film krankt an zuviel Hektik im Schnitt und am miserablem Spiel der Darsteller.

© Florian Breitsameter (Text), Helkon Media (Bildmaterial)

DUNGEONS & DRAGONS (2000)
Regie: Cortney Solomon
Drehbuch: Topper Lilien & Carroll Cartwright
Schauspieler: Justin Whalin, Zoe McLellan, Jeremy Irons, Thora Birch, Bruce Payne, Marlon Wayans, Lee Arenberg, Kristen Wilson, u.a.
Produzent: Thomas M. Hammel, Kia Jam
Ausführender Produzent: Joel Silver, Nelson Leong, Allan Zeman
Schnitt: Caroline Ross
Musik: Justine Caine Burnett

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