// science fiction //

Klassiker (bis 1990)

»THX 1138« (1971)

THX 1138 ist ein Mann. Die Regierung hat ihn zu einer Nummer gemacht.
Tagsüber arbeitet THX in einer staatlich geleiteten Fabrik, er stellt Polizistenroboter her, die für Ruhe und Ordnung sorgen. Nach der Arbeit geht THX durch die Straßen in seine unterirdische Stadt, sucht einen Laden auf und kommt seiner Pflicht als produktives Mitglied einer vom Konsum besessenen Gesellschaft nach: Er kauft nutzlose Gegenstände, die er nicht braucht.

LUH 3417 ist eine Frau, THXs vom Staat verordnete Mitbewohnerin, die ihm in ihrer platonischen Beziehung Gesellschaft leistet. Körperliche Berührungen sind den Bürgern verboten, die künstliche Fortpflanzung wird von den Behörden übernommen. THXs und LUHs abendliches Vergnügen besteht darin, sich völlig inhalts- und zusammenhangslose Hologramm-Übertragungen anzuschauen, die in ihre Wohnstube gebeamt werden. Die stumpfsinnigen Sendungen zeigen zum Beispiel brutal prügelnde Polizisten, verführerische Nackttänzerinnen, sprechende Köpfe in dumpfen Nachrichtensendungen und Comedy-Konserven. Jeden Abend achten THX und LUH sorgsam darauf, die vom Staat verordneten Beruhigungsmittel einzunehmen, die verhindern sollen, dass sie über sich selbst, ihre Umgebung und ihre Individualität nachdenken.

Insgeheim hat LUH beider Drogen zurückgehalten: ein verzweifelter Versuch, überhaupt etwas zu empfinden. THX begreift nicht, wieso er sich in letzter Zeit so merkwürdig fühlt, warum die Drogen nicht angemessen wirken, warum ihn die Hologramme und die Vorrichtungen für automatischen Sex nicht befriedigen – bisher haben sie immer seinen Bedürfnissen entsprochen. Unerklärlicherweise fühlt er sich plötzlich zu LUH hingezogen – durch ihre körperliche Begegnung werden ihnen die Augen geöffnet: Erstmals nehmen sie ihre Umwelt wirklich wahr.

Den Behörden fällt auf, dass THX sich seltsam verhält. Sie versuchen in seine Gedanken einzudringen – ein Verfahren, das an THXs Arbeitsplatz fast einen nuklearen GAU auslöst. Die Staatsbediensteten lehnen jede Verantwortung für ihr Vorgehen ab und verhaften stattdessen THX und LUH wegen Drogenverweigerung und sexueller Perversion. Dann wird das Paar getrennt. THX wird in ein merkwürdiges, brutales Gefängnis gebracht und dort von den Wärtern gefoltert. Er lernt den Häftling SEN kennen, der THX hilft, eine folgenreiche Entscheidung zu treffen: THX will seinen Peinigern entfliehen und LUH aufspüren, bevor ihre Identität einem künstlich geschaffenen Fötus »zugewiesen« werden kann. SEN begleitet ihn, und auf dem Weg in die Freiheit lernen sie ein seltsames Hologramm namens SRT kennen, das ihnen wertvolle Tipps gibt.

Während die drei ihren Weg durch die Stadt suchen und dabei den allgegenwärtigen, gnadenlosen Polizisten ausweichen, beginnen sie ihre Unterdrückung und ihre individuellen Sehnsüchte besser zu begreifen. Sie müssen entscheiden, ob sie die engültige Flucht wagen oder ihr Schicksal innerhalb dieser totalitären Welt akzeptieren wollen.

THX kann jetzt endlich seine eigenen Gedanken und Bedürfnisse analysieren – er will nicht aufgeben. Mit der Polizei auf den Fersen setzt er sein Leben aufs Spiel, um dem überbevölkerten Stadtlabyrinth zu entkommen. Er weiß zwar nicht genau, warum er fliehen will – aber er begreift, dass er sein Schicksal, sein Potenzial als Individuum selbst in die Hand nehmen muss. Und das kann er nur, wenn er völlig frei ist.

THX 1138
THX 1138
THX 1138
THX 1138 George Lucas

Hier der Trailer zur digital überarbeiteten Version von »THX 1138«:

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George Lucas:  Gedanken zu THX 1138

»Kaum zu glauben – aber inzwischen sind über 30 Jahre vergangen, seit ich THX 1138 gedreht habe. Im vergangenen Jahr habe ich mich intensiv um die Restaurierung von THX 1138 gekümmert, und ich staune, wie deutlich mein Weltbild aus dem Jahr 1970 darin zum Ausdruck kommt. Der Film diente uns als Metapher für unsere damalige Lebensweise. Unsere Welt hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten auf oft sehr seltsame Weise verändert, und auch „die Zukunft“ ist nicht mehr das, was sie einmal war.
Vor 30 Jahren schien das 21. Jahrhundert noch unendlich weit enfernt. Jetzt, wo wir es
erleben, scheint sich eigentlich wenig verändert zu haben. Aber ich finde, dass die Ideen, die wir in THX 1138 thematisieren – die Konzepte, die den Ausgangpunkt der Geschichte bilden – nach wie vor gültig sind, und sie provozieren auch heute noch starke Reaktionen.
Wenn Sie THX 1138 anschauen, denken Sie daran, dass sich das Kino zur Zeit der Dreharbeiten dramatisch veränderte: Das alte »Studiosystem« wich einer neuen Ära, in der Großkonzerne die Filmfirmen beherrschten. Wer wirklich kreativ und experimentell arbeiten wollte, musste das außerhalb des Systems tun – und genau das hatte Francis Ford Coppola vor, als er American Zoetrope in San Francisco gründete. Ebenso wie die vielen anderen Filmemacher, die er zu Zoetrope holte, wollte er künstlerisch neue Wege gehen, um sein Engagement in Bezug auf den Wandel unserer Gesellschaft zu reflektieren, aber auch in Bezug auf die Veränderungen in der Filmbranche, in der Kreativität und die Einzelleistung immer weniger galt, während der Geist der Großkonzerne und die Konsummentalität an Einfluss gewannen. Diese Ängste, dieses Anliegen spielen in THX 1138 unübersehbar eine zentrale Rolle. Also fanden wir es völlig logisch, gerade diesen Film als ersten einer Firma vorzustellen, die in unseren Träumen als revolutionäres Studio Furore machen sollte.
Die Dreharbeiten zu THX 1138 werde ich nie vergessen: Francis’ unglaubliche Anstrengungen, den Film finanziell auf die Beine zu stellen, unsere Drehtage in den damals noch halbfertigen U-Bahnstationen von San Francisco, aber auch die katastrophale Reaktion der Studioleitung, als Francis den Film dort vorstellte. Doch wir hatten beide Glück und konnten weiterarbeiten.
Meine späteren Filme kamen besser an, mein filmisches Handwerkszeug ist heute differenzierter und komplexer, aber dennoch stellt THX 1138 ein Kapitel dar, auf das ich nach wie vor sehr stolz bin. Alle Beteiligten haben sich damals völlig verausgabt, weil sie endlich einmal einen ganz anderen Film auf die Leinwand bringen wollten – eine Geschichte, die formal sehr ehrgeizig ist und gleichzeitig zum Nachdenken anregt.
Hoffentlich lassen sich die heutigen Zuschauer genauso mitreißen, wie wir uns das damals vorgestellt haben.«



Hier kann man sich den Original-Studentenfilm »THX 1138« von George Lucas ansehen, der als Vorlage für den späteren Kinofilm diente: http://www.youtube.com/watch?v=RhwvMtwKOqw

Quelle: Warner Bros.

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  2. […] 1971, lange vor seinem Erfolg als Erschaffer des Star Wars-Universums. Sein erster Kinofilm, »THX 1138«, war ein kommerzieller Fehlschlag. Erst mit »Star Wars« und den folgenden fünf Filmen, die […]

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